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Vom Aufbauhelfer zum Gutmenschen (Nr. 37) PDF Drucken
Bei der Wahl am 11. September für das Amt des Bürgermeisters kandidiert auch Udo Tiepelmann, der seit dem 26. Oktober 2003 diesen Posten bekleidet.
Udo Tiepelmann ist im nordrhein-westfälischen Dahlbruch im Siegerland geboren. Nach einer Lehre zum Außenhandelskaufmann ging er zwölf Jahre zur Bundeswehr. Danach arbeitete er in der Schulverwaltung von Hamm. 1992 kam er als Verwaltungshelfer von Hamm in die Partnerstadt Oranienburg. Dort leitete er das Haupt- und Personalamt. Tiepelmann galt in Oranienburg als „graue Eminenz“. Als Reinhold Dellmann im September 1999 das Direktmandat für den Landtag in Brandenburg in seinem Wahlkreis errang, wurde ein neuer Verwaltungschef für das damalige Amt Wandlitz gesucht. 73 Kandidaten hatten sich um diese Stelle beworben. Zum Schluss standen sechs Bewerber zur Wahl. Tiepelmann erhielt zwölf der 22 Stimmen im Amtsausschuss und setzte sich so gegen alle Mitbewerber durch. Offenbar stimmten nicht nur die SPD-Parteifreunde für ihn. Auch von mehreren Mitgliedern der damaligen PDS war ihm wohl die Unterstützung sicher. Der Diplomverwaltungswirt betrachtete seine neue Position als „Verwaltungsaufgabe“, nicht als politisches Amt. Das mag auch richtig gewesen sein.
2003 fand dann die Gemeindegebietsreform statt, von höherer Stelle aus verordnet und gegen den Widerstand zahlreicher bis dahin eigenständiger Gemeinden. Aus dem Amtsbereich Wandlitz wurde, unter Zuschlag der Gemeinde Zerpenschleuse, die Großgemeinde Wandlitz mit rund 20.000 Einwohnern in neun Orten und einer Ausdehnung von fast 30 Kilometern entlang der B 109. Damit verbunden war die Schaffung eines hauptamtlichen Bürgermeisters. Auch um dieses Amt bewarb sich Udo Tiepelmann. Dabei setzte er sich mit einer Mehrheit von rund 500 Stimmen knapp gegen Monika Braune von den Linken durch. So wurde er der erste Bürgermeister der neu gebildeten Gemeinde. Diese Hervorhebung ist deshalb wichtig, weil es ja keine Vergleichsmöglichkeiten zu etwaigen vorherigen Bürgermeistern gibt. Er übernahm die neue Aufgabe, ohne den Unterschied von der Verwaltungsfunktion des Amtsdirektors zum politischen Amt des Bürgermeisters zu realisieren. So blieb er bis heute, was er war: Ein Verwaltungsmensch. In den folgenden acht Jahren wurde er gerade deshalb mehr als einmal kritisiert. Aber offenbar ging es ihm wie so vielen in verantwortlicher Position: Hat man erst einmal von dem Gefühl der Macht genascht, verliert man schnell die Bodenhaftung und oftmals bleibt der Realitätssinn auf der Strecke. Daran ändert auch sein Eingeständnis nichts, dass er „Probleme mit der Kommunikation“ habe. Zu keiner Zeit war zu spüren, dass er daran etwas verbessern wollte. Erst kürzlich formulierte er: „Den einzigen Gutmenschen, den ich kenne, sehe ich jeden Morgen im Spiegel“ (Die Zeit, Nr. 23, 2011, Seite 14).
Nun hört man von etlichen Bürgern unserer Gemeinde immer wieder das Argument: „Na ja, im Umgang mit den Mitmenschen hat er Probleme, aber er ist ein guter Verwalter“. Wir wollen aber nicht nur einen, der alle Paragrafen kennt, wir wollen und wir brauchen einen Bürgermeister! Sieht man sich die Bilanz von Udo Tiepelmann als Bürgermeister der letzten acht Jahre an, dann kommen noch ein paar Zweifel mehr.
Zum Zeitpunkt der Gemeindebildung gab es bereits in Basdorf und in Schönerlinde funktionierende Gewerbeparks. Die Bürgermeister beider Orte hatten zusammen mit ihren Ortsbeiräten viel unternommen, um Gewerbe anzusiedeln und die Infrastruktur auszubauen. Von den Steuereinnahmen profitiert die Gemeinde noch heute. Auch die Einkommenssteuer sichert eine gute Basis für den Ausbau der Infrastruktur.
Die Anbindung der Gemeinde an die Autobahn, die NEB nach Berlin und die B 109 waren 2003 ebenfalls schon vorhanden. Der Ausbau der Bundesstraße, der in diesen Jahren erfolgte, war nicht das Werk der Gemeinde. Die Streckenführung der NEB nach Gesundbrunnen in ihren alten Gleisen ist bis heute ein Wunsch. Gearbeitet wird daran schon lange.
Das Gelände der ehemaligen Polizeischule in Basdorf steht seit Jahren leer. Es gibt Absichtserklärungen. Eine Nachnutzung wird wohl bis zur Bürgermeisterwahl nicht anstehen.
Ein Großteil des Umlandes der Gemeinde ist als Naherholungsziel für die Berliner, aber auch andere Touristen beliebt. Bis heute gibt es kein Konzept für die Entwicklung des Tourismus, so wie es auch für viele andere Bereiche keine Konzeptionen gibt.
In etlichen Bereichen gibt es keine kompetenten Ansprechpartner in der Gemeindeverwaltung: Es gibt keinen Beauftragten für Behinderte, keinen für Wirtschaft oder Tourismus.
Zweifellos wurde vieles geschaffen. Aber ebenso lassen sich etliche Beispiele dafür finden, dass Gemeindeeigentum stiefmütterlich behandelt wird. In Wandlitz leben jede Menge kluge, engagierte Bürger. Viele bringen sich in den zahlreichen Vereinen bereits ein, andere möchten gern mehr tun. Vor allem die jungen Menschen wollen nicht auf Weisungen oder Vorgaben „von oben“ warten. Sie haben eigene Ideen und Vorstellungen, die sie umsetzen möchten. Ein Bürgermeister, der diesen Titel im Wortsinne ausfüllt, wird all diese Aktivitäten und Initiativen aufgreifen und befördern.
Wir sollten die Chance nutzen, nun nach den Jahren der „Aufbauhilfe“ einen Bürgermeister zu wählen, der uns voranbringt. Das wäre schon deshalb wichtig, damit wir nach weiteren acht Jahren tatsächlich vergleichen können, was wir erreicht haben.
Wolfgang Weidler
Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 17. August 2011 )
 
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