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Brassens-Musikfestival nun auch in Zühlsdorf (Nr. 38) PDF Drucken
Neuer Spielort: Mehrzweckraum als „Music Hall“
Wir haben schon oft kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen müssen, dass sich zwischen der Gemeinde Wandlitz und dem Ort
Zühlsdorf unsichtbar die Grenze zwischen den Landkreisen BAR und OHV aufbaut – und dass diese Verwaltungsgrenze leider auch eine Informationsbarriere darstellt. Man liest unterschiedliche Zeitungen (hier die MOZ, dort die MAZ und den OGA). Beide veröffentlichen kaum Infos zu Veranstaltungen aus dem jeweils anderen Territorium. Beim Radio würde man sagen: „Das ist nicht unser Sendegebiet“.
Dabei geschehen auf beiden Seiten der „Grenze“ oft sehr schöne und interessante kulturelle Ereignisse. Doch man weiß nichts von einander, obwohl die Entfernung nicht größer als drei Kilometer ist. Würden nicht einige Enthusiasten ab und an ein paar Plakate austauschen und gäbe es nicht das „Heidekraut Journal“, das auch in Zühlsdorf eine treue Leserschaft hat, wäre die Unkenntnis vom Nachbarn total.
Da gibt es schon im achten Jahr das Georges-Brassens-Musikfestival in Wandlitz. An fünf Tagen jeweils im September gibt es neben dem Eröffnungskonzert im „Goldenen Löwen“ dann eine Reihe von Abstecher-Konzerten der französisch-deutschen-internationalen Musikantengruppen in kleineren Orten (z.B. Prenden, Zerpenschleuse, Basdorf…) und auf Bühnen Berliner Clubs. Sehr erfreulich also, dass das Organisationskomitee des Brassens-Musikfestivals (Verein Brassens in Basdorf e.V.) in diesem Jahr Zühlsdorf in die Reihe der Tournee-Vorstellungen einbezog.
Am Freitag, 16. September, hieß es „Chansons in Zühlsdorf“. Der dortige Mehrzweckraum hat als Kulturraum des Ortes schon manches erlebt: Gemälde- und Foto-Ausstellungen, schöne Vernissagen, monatliches Kino, Dichter-Lesungen, Feiern aller Art – aber noch nie ein Konzert. Das war also eine zweifache Premiere.
Dabei holten wir, genau genommen, etwas historische Gerechtigkeit nach.
Georges Brassens, der später ein bekannter französischer Chansonier wurde, war zur Nazizeit über ein Jahr lang Zwangsarbeiter auf dem Rüstungsprojekt BRAMO (Brandenburgische Motorenwerke), wo man Flugzeugmotore baute und testete. Das BRAMO-Gelände lag zum größten Teil auf dem Gebiet von Zühlsdorf. Brassens schlief des Nachts in den Baracken in Basdorf und arbeitete tags auf dem BRAMO-Gelände in Zühlsdorf… Brassens begann, wie man erzählt, schon damals mit dem Komponieren. Viele Chansons hat er später geschrieben und selbst zur Gitarre vorgetragen. Wir erwiesen ihm unsere Referenzdadurch, indem viele begeisterte Zühlsdorfer und Gäste aus den Nebenorten seinen Liedern lauschten. Am Ende des musikalischen Abends forderten sie, dass die französischen Musikantengruppen im nächsten Jahr unbedingt wiederkommen müssten – was sie sicher tun werden, denn auch sie waren von der Atmosphäre im Zühlsdorfer Mehrzweckraum begeistert. Der kleine Saal war gerammelt voll.
Bei Kerzenlicht und französischem Rotwein gefiel es allen vorzüglich. Dabei hatten die Musiker am Tag davor ein sehr deprimierendes Erlebnis: In der Zerpenschleuser Kirche spielten sie vor fünf (!) Besuchern. Wie ist so etwas möglich?
Sie befürchteten nun einen solchen Reinfall auch in Zühlsdorf. Doch siehe da: Das Haus war voll, die Stimmung prächtig – und: Bei einer abschließenden Hut-Sammlung kam mehr Geld für die Musikanten zusammen, als wenn wir ein Eintrittsgeld vorweg erhoben hätten.
Also: Ende gut – alles gut! Das Brassens-Festival ist eine deutsch-französische Musikwoche mit internationaler Beteiligung. Künstler aus Polen, Russland, Skandinavien, Spanien, Italien und Chile haben sich im Laufe der Jahre angeschlossen und bereichern die Farben dieses Musikfestivals, das mit dem Namen Georges Brassens verbunden ist.
Herzlich Willkommen auch in Zühlsdorf. Wir freuen uns aufs nächste Jahr.
Klaus Flemming, Ortsvorsteher von Zühlsdor
Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 5. Oktober 2011 )
 
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