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Trödel mit dem Langen Trödel (Nr. 38) PDF Drucken
imgp1925-webEs ist Sonntag. Auf dem Langen Trödel schwimmen ein Schwan und mehrere Enten vor sich hin. Ein Bild der Ruhe. Doch der Schein trügt.
Wieder einmal kam es in diesem Jahr zu einem großen Fischsterben in dem Kanal in Zerpenschleuse. Tausende tote Fische mussten entsorgt werden. Und wieder einmal trat die Frage auf, worin die Ursachen zu sehen sind. Durch die Untere Wasserbehörde beim Landkreis und das Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz wurden dazu Ende 2010 und im Frühjahr 2011 umfangreiche Untersuchungen vorgenommen. Im Ergebnis wurde festgestellt, dass entgegen anders lautenden Meinungen die imgp1900-webUrsache nicht auf die Einleitung von Abwässern zurückzuführen seien. Vielmehr traten hier vermehrt biologische Prozesse durch Bakterien auf, die zu einer Sauerstoffreduzierung führten. Ausgeschlossen werden konnte auch ein infektiöses Fischsterben.
Woher kommt aber nun die vermehrte Bakterienproduktion? Dazu sagt das Landratsamt, dass in den vergangenen Jahren aus der Landwirtschaft und durch die Besiedlung zunehmend Nährstoffe in den Langen Trödel eingeleitet wurden und es so zu einer vermehrten Schlamm- und Sedimentablagerung gekommen sei. Hinzu kommen Laubeinfall und Verkrautung, die insgesamt zu einer akuten Zunahme von Biomasse in dem Gewässer führten. Die geringe Fließgeschwindigkeit trägt das ihre bei. Eine umfassende Verbesserung des Gewässers könne nur durch die Reduzierung der Biomasse und die Erhöhung der Fließgeschwindigkeit erreicht werden. Zuständig für die Gewässerunterhaltung sei der Wasser- und Bodenverband „Schnelle Havel“ mit Sitz in Liebenwalde. Herr Meinke von eben diesem Verband sieht das allerdings ganz anders. Sie seien zuständig für schiffbare Gewässer, und dazu gehöre der Lange Trödel ganz sicher nicht. Gleichzeitig warnte er davor, hier
imgp1904-webselbst Hand anzulegen, denn dadurch könnte noch mehr Schlamm aufgewühlt werden. Im Übrigen sei der Durchfluss unter der B 109 intakt. Nach seiner Meinung wäre eine dauerhafte Lösung nur durch den Ausbau des Langen Trödel im Rahmen des WIN-Projektes erreichbar. Der könnte 2012 beginnen, sofern die Planungsarbeiten abgeschlossen werden.
Die Einwohner von Zerpenschleuse erzählen, dass sie früher, also zu DDR-Zeiten, das Gewässer vor ihrer Haustür selbst in Ordnung gehalten haben. Die Algen und das Grünzeug wurden entfernt, und so konnten sie hier sogar baden gehen. Die geangelten Fische waren genießbar. Heute schmecken sie muffig, nicht erst seit diesem Jahr. Der Lange Trödel prägt das Bild von Zerpenschleuse, ohne ihn wäre das Leben hier nicht vorstellbar. Die Verbindung zum Oder-Havel-Kanal ist bereits seit Mitte der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts unterbrochen. Seitdem wird der Finowkanal als Langer Trödel bezeichnet.
Es ist ein warmer Sonntag, Badewetter. In einer Woche soll das 13. Drachenbootrennen auf dem Langen Trödel stattfinden. Vor der B 109 hat sich dort ein großer grüner Teppich aus Algen gebildet. Es ist so gegen zehn Uhr, als immer mehr Menschen zu dieser Stelle kommen: Junge und ältere, Sportler vom Verein „Minerva“, Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr, ja sogar aus anderen Orten
imgp1920-web kommen Leute. Es bedarf keiner Anweisungen und Organisation. Jeder greift sich eine Harke oder ein anderes Gerät und beginnt, das grüne Zeug aus dem Wasser ans Land zu holen. Ein herber Landgeruch breitet sich aus. „Wie Pferdekacke“, kommentiert ein Mädchen den Gestank. Nach rund fünf Stunden gemeinsamer Arbeit ist es geschafft: Die stinkenden Algen sind fast vollständig aus dem Langen Trödel herausgeholt. Das Drachenbootrennen ist wieder einmal gerettet.
Horst Schumann
Letzte Aktualisierung ( Freitag, 7. Oktober 2011 )
 
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