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Ehrengrab für Louis Bergemann aus Klosterfelde (Nr. 39) PDF Drucken
Wer war Louis Bergemann und welche Spuren hat er in Klosterfelde hinterlassen, dass ihm mit einem Ehrengrab gedacht wird?
Louis Bergemann erblickte 1852 in Krummensee das Licht der
Welt. Nachdem er das Tischlerhandwerk erlernt hatte, ging er – wie zur damaligen Zeit üblich – für mehrere Jahre auf Wanderschaft. Sein Weg führte ihn über Bremen nach Amsterdam, den Rhein aufwärts bis nach Wien. Im Jahre 1875 kehrte er zurück und begann als selbständiger Tischlermeister in Kaulsdorf zu arbeiten. Dort lernte er auch seine Frau Emilie, die Tochter des Bauerngutsbesitzers Giese, kennen. Nach ihrer Verheiratung verlegten sie ihren Wohnort nach Marzahn. Dort blieben sie aber nicht lange. Vom Reisefieber gepackt, machten sie sich 1878 mit einem Pferdegespann auf den Weg in Richtung Templin, um dort auf einem eigenen Grundstück sesshaft zu werden.
Bis Templin sind beide aber nicht gekommen. Auf ihrem Weg dorthin machten sie Zwischenstation in Klosterfelde. Wie überliefert ist, soll ihnen der Wirt des damaligen Klosterfelder Dorfkruges empfohlen haben, auf die Weiterreise nach Templin zugunsten des Erwerbes eines Grundstückes in Klosterfelde zu verzichten.
So kam es, dass Louis Bergemann nach anfänglichen Schwierigkeiten im Jahre 1879 seine eigene Werkstatt zur Herstellung von Holzgegenständen, wie Tische und Stühle, in Betrieb nahm.
Schritt für Schritt entwickelte sich in den folgenden Jahren der ursprüngliche Handwerksbetrieb zu einem Betrieb mit maschineller Fertigung, wobei die Einführung einer Dampfmaschine eine entscheidende Rolle spielte. Um 1900 ging Bergemann zur Fertigung von Küchenmöbeln über, die vor allem in Berlin und Umgebung einen guten Absatz fanden.
Durch kluge unternehmerische Entscheidungen sowie die Einbeziehung seiner drei Söhne konnte Bergemann sein Unternehmen vergrößern und auch in den wirtschaftlich komplizierten Jahren des 1. Weltkrieges und der Nachkriegszeit am Leben erhalten.
Betrug die Zahl der Beschäftigten im Jahre 1914 zirka 115, so waren es zwanzig Jahre später bereits 500 Mitarbeiter, die in den von Louis Bergemann begründeten Unternehmensbereichen der Klosterfelder Küchenmöbelproduktion tätig waren.
Darin manifestiert sich die Lebensleistung von Louis Bergemann, der 1936 im Alter von 84 Jahren starb.
Er hatte die Grundlagen dafür geschaffen, dass in den folgenden Jahrzehnten Klosterfelde weithin zu einem Begriff für hochwertige Küchenmöbel wurde.
Louis Bergemann war ein umtriebiger und weitsichtiger Unternehmer, der wirtschaftliche und technische Entwicklungstrends rechtzeitig erkannte und daraus zukunftsträchtige Ideen entwickelte und umsetzte, die nicht nur ihm und seiner Familie Gewinn brachten, sondern auch für viele Klosterfelder lange Zeit Lohn und Brot sicherten.
Bei der Erinnerung an die Verdienste von Louis Bergemann kann nicht das unrühmliche Ende der Klosterfelder Küchenmöbelproduktion ausgespart werden, die seinem „Erbe“ im Sommer 2002 ein abruptes Ende setzte und für die noch bis dahin Beschäftigten den Gang in die Arbeitslosigkeit bedeutete.
Was bei allem bitteren Beigeschmack bei der Rückschau auf das unrühmliche Ende der Bergemannschen Traditionsunternehmem aber bleibt, ist die aufbewahrenswerte Erinnerung an den Fleiß und das Engagement vieler Klosterfelder, die mit dafür gesorgt haben, dass das Wort Klosterfelde weit über Brandenburg hinaus einen guten Ruf besaß. Daran können die Klosterfelder, verbunden mit einem berechtigten Maß an Traditionsbewusstsein, anknüpfen, um künftig Potenzen für die Entwicklung von Klosterfelde als Teil der größeren Kommune Wandlitz freizusetzen.
Siegfried Hegenbarth
Der Autor dankt dem Klosterfelder Ortskronisten Herrn Karl Matthias für Beratung und Bereitstellung von Material und Fotos.
Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 30. November 2011 )
 
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