Startseite arrow Aus dem Umland arrow Theo, wir fahr‘n nach Schluft (Nr. 40)
Theo, wir fahr‘n nach Schluft (Nr. 40) PDF Drucken
O der doch lieber nach Lodz, wie es in dem bekannten Schlager von Vicky Leandros heißt?
Manchen Bürger unserer unmittelbaren Heimat scheint aber
zumindest Schluft nicht sehr nah zu sein und es ist sogar anzunehmen, dass Mallorca auf der Reiseliste mit Abstand siegen würde.
Und trotzdem ist Schluft eine Reise wert, das schnell und unkompliziert, ob mit Fahrrad oder Auto aus den Orten der Gemeinde Wandlitz leicht zu erreichen ist.
Als Ortschronist will ich die Gelegenheit nutzen, unseren kleinen Ort hier vorzustellen.
Wie gesagt, leicht und auf direkten Wege ist Schluft zu erreichen, obwohl der Kartenabschnitt auf der Titelseite des „Heidekraut Journals“ nur eine Etappe auf diesem Weg zeigt.
Ergo, weder die Heidekrautbahn noch die Straße enden in Zerpenschleuse, sondern weiter über Groß Schönebeck, dem Tor zur Schorfheide, sind es dann nur noch sechs Kilometer, die auf einer vor wenigen Jahren grundhaft erneuerten Straße zurückzulegen sind. Und Schluft liegt in der Schorfheide, dem Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, auf alten Kartenblättern als Werbellinsche Heide, Grosse Werbellin Heyde, lateinisch Magna merica vermerkt.
Und dann begrüßt sie am Ortseingang die mächtige Friedenseiche, in
imgp2065-webderen Schatten erst zu den 255sten Ortsjubiläen mit Spendengeldern der Bewohner ein Glockenturm und ein Gedenkstein für die Gefallenen der beiden Weltkriege feierlich geweiht wurden.
Auf dem vis-à-vis befindlichen Rastplatz laden Bänke den müden Wanderer und Spielgeräte die Kleinen ein, ehe man die letzten Meter zur Gaststätte „Zur Linde“ nimmt. Über 100 Jahre in Familie betrieben, kann man sich in gemütlicher Atmosphäre stärken und zum Wochenende hat die Wirtin Selbstgebackenen im Angebot.
Eine Bronzetafel auf einem Schorfheidefindling zwischen Maulbeerbäumen gibt Auskunft zur Geschichte des Schorfheidedorfes.
Waren es damals 16 Spinnerfamilien, die durch unseren Großen Friedrich angesiedelt wurden, so sind es heute 87 wahlberechtigte Bürger, die den kleinsten Ortsteil der Gemeinde bilden. Seit den Kommunalwahlen vom 26. Oktober 2003 ist Schluft nach fast genauen 30 Jahren wieder ein Ort mit eigenem Ortsvorsteher in der neu gebildeten Gemeinde Schorfheide.
Die Bild am Sonntag titelte in ihrer Ausgabe vom 27. November 1994 „Hier ist das Ende der Welt“, und sah in der Zukunft nur einen Geisterort. Gründlich daneben ging dieses Kaffeesatzlesen.
Schluft hat sich in vieler Hinsicht entwickelt, wenn auch die frühere Betriebsamkeit mit Volksgut, Konsum und Kinderheim nicht mehr erreicht wird.
Und jetzt kommt noch eine Neuigkeit, über die der Chronist dereinst berichtet hatte.
War bei der Gründung von Schluft der Mecklenburger noch Ausländer, so sind heute selbst holländische und französische Bürger in Schluft sesshaft geworden und nicht eigentlich Fremde, sondern Bürger des geeinten Europa, oder doch besser Westeuropa, aber immerhin. Doch das ist noch lange nicht alles. Hier haben Berliner ihre Datschen und einige sind inzwischen hierher gezogen. Aus anderen Bundesländern erfolgte Zuzug und selbst mit Prominenten von Theater und Film schmückt sich Schluft.
Und wie steht es um die „Hiesigen“, und darunter versteht man noch immer die hier „Geborenen“?
Natürlich gibt es sie und auch die Enkelgeneration schickt sich an, das Erbe anzutreten.
Günter Vogler
Letzte Aktualisierung ( Samstag, 4. Februar 2012 )
 
< zurück   weiter >
Valid XHTML & CSS - Design by ah-68 - Copyright © 2007 by Firma