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Friedrich – der Ökonom (Nr. 41) PDF Drucken
Im Januar 2012 jährte sich zum 300. Mal des Preußenkönigs Geburtstag E lf Generationen später begründet sein Nachfahre, der heutige Chef des Hauses Hohenzollern Friedrich Georg von Preußen, seinen Stolz auf den Ahnherrn, den er meist Friedrich den Großen nennt, u.a. so: erstens habe er die Folter abgeschafft, zweitens habe er Religionsfreiheit verfügt, drittens habe er die Kartoffel „entdeckt“, viertens sei er ein großer Musiker gewesen.
Dazu kann man gleich korrigierend anmerken: die Kartoffel war in Europa bereits bekannt. Sie war im 16. Jahrhundert von spanischen Seefahrern aus Südamerika mitgebracht worden. Friedrich hatte irgendwann gehört, dass sie ein bekömmliches Nahrungsmittel sei. Und so wies er Preußens Bauern an, sie anzubauen. Das befolgte aber nur eine Minderheit. Als es in Preußen in den 1770er Jahren zur Hungersnot kam, wiederholte er seine Weisung. Doch wiederum aßen die meisten Bauern lieber Brot. Friedrich selbst aß keine Kartoffeln.
Die Religionsfreiheit, die Friedrich kurz nach der Thronbesteigung 1740 im Toleranzedikt verfügte, bedeutete gewiss einen Schritt im Sinne der Aufklärung des 18. Jahrhunderts. Aber Friedrich hatte vor allem pragmatische Absichten. Er wollte Siedler ins Land holen, die aus konfessionell verschiedenen Regionen kamen, z.B. Hugenotten aus Frankreich, Weber aus Württemberg usw. Die Judenvertreibung aus Westpreußen nach der Teilung Polens muss eher als Beispiel für Intoleranz angesehen werden. Im Gegensatz zu Voltaire, der leidenschaftlich für Religions-, Gedanken- und Ideenfreiheit focht, war Friedrich ein eher lässiger Verfechter solch aufklärerischer Ideale.
Das entscheidende Datum war vielmehr der 11. März 1812, an dem das Preußische Emanzipationsedikt mit dem Hauptartikel, dem „Judenedikt“, erlassen wurde. Juden erhielten dadurch, bis auf den Zugang zum Offizierskorps, zu Justiz- und Verwaltungsämtern, „normale“ staatsbürgerliche Rechte. So viel zum heutigen Hohenzollernchef.
Der große Friedrich maß fünf Fuß, zwei Zoll, also etwa 1,60 Meter. Er war somit ein kleiner Mann, der klug und erfolgsorientiert – vor allem auf ökonomischem Gebiet – zum Nutzen seines Landes wirkte. Davon war z.B. unser heutiger Lebensraum – Wandlitz, Barnim, Schorfheide bis hin zum Oderbruch und insbesondere die Dörfer Schönwalde und Zerpenschleuse – direkt betroffen.
Auf königliche Order von 1744 wurde der Finowkanal wieder in Stand gesetzt, der im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden war. Von 1749 an war der Kanal, der Oder und Havel verbindet, wieder schiffbar. Die etwa 32 Kilometer lange Wasserstraße mit ihren zahlreichen Schleusen wurde zur wichtigsten Ost-West Wasserverbindung Deutschlands und beförderte massiv die wirtschaftliche Entwicklung Preußens. Im Jahr 1765, als nach dem Ende der Schlesischen Kriege Preußen aufzuatmen begann, wurde der Werbellinsee über den Werbellinkanal an den Finowkanal angebunden. Damit war eine weitere Wasserstraße entstanden. Nunmehr konnten Güter, vor allem Holz als Baumaterial aus der Schorfheide über den Werbellinkanal nach Berlin transportiert werden.
Für die preußische – wir würden heute sagen – Volkswirtschaft war das ein gewaltiger Anschub, der Waren- und Handelsströme in Bewegung setzte und Wohlstand erzeugte. In Verbindung damit veranlasste Friedrich die Trockenlegung und Urbarmachung des Oderbruchs. Die Arbeiten am rund 60 Kilometer langen und zwölf bis 20 Kilometer breiten Areal begannen schon 1747 und endeten 1762, während gleichzeitig zahlreiche Dörfer entstanden, die von Siedlern aus Hessen, Mecklenburg, der Pfalz, aus Württemberg, sogar aus Niederösterreich, der Schweiz und Frankreich erbaut wurden. Ein kleines Ländle mit 900 Quadratkilometern Ackerland war entstanden. Zusammen mit anderen Kultivierungs- und Besiedelungsmaßnahmen, die Friedrich gezielt betrieb, beurteilte er selbst seine Regierungskunst so: „Hier habe ich im Frieden eine Provinz erobert, ohne einen Mann zu verlieren.“
Auch einen anderen Wirtschaftszweig wollte er fördern. Er wollte in Preußen die Weberei und Tuchmacherei, sogar die Seidenherstellung zum Blühen bringen. In Nowawes, dem heutigen Babelsberg, gab er Befehl zur Gründung der Webersiedlung, in der Protestanten aus Böhmen angesiedelt wurden, denen Religions- und Steuerfreiheit zugesichert wird. Auch ließ er Maulbeerbäume für die Seidenraupenzucht anpflanzen. Es sollen 3.000 gewesen sein.
1753 wurde auf Friedrichs Anweisung der Ort Friedrichsgnade gegründet, der 1763 zu Friedrichshagen umbenannt und inzwischen ein Berliner Stadtteil ist. Wiederum wurden Zuwanderer aus Böhmen und Schlesien angesiedelt, die als Baumwollspinner und Seidenraupenzüchter ihren Lebensunterhalt verdienten. Ähnlich förderte, ja erzwang Friedrich manchmal in zahlreichen Dörfern und Städten die Tuchmanufaktur. Das wissen auch die heutigen Einwohner von Schönwalde, die heute noch ihre spezifische Beziehung zu Friedrich betonen, indem sie auf die Ansiedlung von Tuchmachern durch den Preußenkönig verweisen.
Friedrich regierte gerne, wie er selbst bekundete. Er war ein kompetenter Regent, der vor allem auf wirtschaftspolitischem Gebiet Erfolge erzielte. In anderer Hinsicht fällt die Wertung auch negativ aus. Dass er beim Regieren nicht zimperlich war und oft seinen Willen ohne jede Diskussion durchsetzte, mochte sowohl seiner eigenen Persönlichkeitsstruktur als auch dem feudalen Zeitgeist zuzuschreiben sein, der noch wenig von der allmählich aufkeimenden Aufklärung oder gar von demokratischer Meinungsbildung wusste.
Herbert Willner
 
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