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Windräder statt Bäume? (Nr. 41) PDF Drucken
Windeignungsgebiete in der Gemeinde Wandlitz praesidium-web
Zu der Veranstaltung am 20. März über die Planung von Windeignungsgebieten in unseren Wäldern im Bereich Prenden/Lanke und im Liepnitzwald hatten die Bürgermeisterin und die Bürgerinitiative „Hände weg vom Liepnitzwald“ eingeladen. Über 120 Bürgerinnen und Bürger waren in publikum-webden „Goldenen Löwen“ gekommen, um sich zu diesem Thema zu informieren und zu diskutieren. Auch Vertreter von Bürgerinitiativen aus anderen Teilen Brandenburgs waren erschienen.
In ihrer Begrüßungsrede erinnerte die Bürgermeisterin an den vor fast 100 Jahren abgeschlossenen Vertrag der Berliner Verwaltung zum Kauf von Waldflächen im Umland von Berlin als Erholungsgebiete für die wachsende Bevölkerung der Hauptstadt. Diese Flächen, zu denen auch die in unserer Umgebung gehören, sollten demnach weder bebaut noch weiter verkauft werden.
Die geplante Errichtung von Windenergieanlagen (Industrieanlagen) widerspräche den Zielen des damals so weitsichtig abgeschlossenen Vertrages. Jana Radant sprach sich vehement für die Erhaltung der Wälder als Naherholungsgebiete aus.
Die Ausführungen der Vertreter der Regionalplanung des Kreises erfolgten sachlich nüchtern. Es gehe um die Erfüllung der Zielstellung des Landes zur Energiestrategie bis 2030. Mit der Ausweisung von Windeignungsgebieten soll auch erreicht werden, dass nur auf dafür ausgewiesenen Flächen solche Anlagen errichtet werden dürfen. Dabei wurden zahlreiche Kriterien herangezogen (z.B. Abstand zu Wohngebieten, Wildeinzugsgebiete, Naturschutzgebiete). Aufgrund der im Ergebnis dieses Ausschlussverfahrens verbliebenen geringen Flächen wurden Waldgebiete grundsätzlich nicht bei der Planung ausgeschlossen.
Gerade dieser Punkt erhitzte die Gemüter der Anwesenden, was sich dann auch in der Diskussion niederschlug.

Frau Bornkessel vom Bauamt Wandlitz informierte über die bereits vorhandenen Windkraftanlagen in Klosterfelde, Schönerlinde und an der Autobahn zur Stadtgrenze Pankow. Sie hob auch hervor, dass die Gemeinde für weitere geplante Anlagen in der Gemarkung Stolzenhagen ein Gerichtsverfahren betrieben und gewonnen hat. Drei Anlagen wurden nicht gebaut. Aber die bestehenden sechs Anlagen in Klosterfelde sollen noch erweitert werden.
Frau Kastl von der Bürgerinitiative wies auf den Widerspruch hin, dass landesweit die Fläche für Windanlagen von einem auf zwei Prozent erhöht werden soll, bei uns aber von drei Prozent in der Planung ausgegangen wird und zirka 30 bis 50 Anlagen vorgesehen seien. In der Werbebroschüre der Landesregierung zur Schönheit der Landschaft tauche hingegen keine Fotographie mit Windrädern auf. Dass Windräder besonders im Wald den Tourismus, um den wir uns als Wirtschaftsfaktor bemühen, nicht befördern, wurde auch von Frau Großmann von der Wandlitzer Jägerschaft hervorgehoben. Sie stellte ihren Beitrag unter das Motto „Wir leben hier, wo andere Urlaub machen“. Unsere Umgebung ist ein Vogelzugsgebiet und hat viele Rastplätze für zahlreiche Vogelarten. Sie hob aber auch hervor, dass es gemeinsam darum gehen muss, Flächen zu finden, wo die Errichtung von Windrädern sinnvoll sein kann.
Mit besonderer Aufmerksamkeit wurde den Ausführungen von Dr. Tom
t._a._konzag-webAlexander Konzag, Chefarzt in der Brandenburg Klinik gefolgt. Er hob die Bedeutung des Waldes und der landschaftlichen Schönheit für die Kurkliniken und Pflegehäuser in der Waldsiedlung und den Hoffnungsthaler Anstalten hervor. Die Einrichtung in der Waldsiedlung ist mit über 750 Betten und zirka 700 Mitarbeitern die größte Reha-Klinik in Deutschland. Die geplante Aufstellung von Windkraftanlagen in unmittelbarer Umgebung hätte fatale Folgen für das Anwahlverhalten der Patienten und könnte für die Klinik zu einer existenziellen Bedrohung werden. Aus diesem Grund unterstützt die Klinik uneingeschränkt die Bürgerinitiative.
An der Diskussion, die teilweise sehr emotional geführt wurde, beteiligten sich zahlreiche Besucher der Veranstaltung. Dabei ging es um Detailfragen zur geplanten Aufstellung ebenso wie um die strikte Ablehnung der Aufstellung von Windrädern in den Wäldern. Die Argumente dagegen waren sehr vielschichtig. Im Mittelpunkt stand aber immer wieder, dass man nicht gewillt sei, das Profitstreben einiger großer Energiekonzerne zu Lasten der Interessen der Menschen, ihrer Gesundheit und ihres Wohlbefindens zu akzeptieren. Es wurde die grundsätzliche Frage aufgeworfen, ob Windräder überhaupt die Energieprobleme lösen können. Wind stehe nur temporär zur Verfügung, Energie lasse sich zurzeit noch nicht vernünftig speichern und es gibt auch andere Möglichkeiten zur alternativen Energiegewinnung. Die grundlegende Frage laute, ob Brandenburg seinen Standortvorteil als Naturland zugunsten von Windenergieanlagen aufgeben müsse.
Zusammengefasst erlebten die Teilnehmer eine interessante Veranstaltung. Die Bürger wurden in die aktuellen Probleme der Gemeinde unmittelbar einbezogen. Aber das war auch nur der Beginn einer sehr vielschichtigen und komplizierten Auseinandersetzung, bei der noch viele Fragen einer Lösung harren.
Alle Bürger sind aufgerufen, am 5. Mai 2012 auf dem Bassinplatz in Potsdam an einer Demonstration zur Willensbekundung über unsere Wälder und Lebensgrundlagen teilzunehmen.
Wolfgang Weidler
Letzte Aktualisierung ( Freitag, 6. April 2012 )
 
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