Startseite arrow Gemeinde Wandlitz arrow Aus den Orten arrow Das Märchen vom Schandfleck am Wandlitzsee (Nr. 42)
Das Märchen vom Schandfleck am Wandlitzsee (Nr. 42) PDF Drucken
Es gibt eine Gemeinde in Brandenburg, die liegt an einem schönen See. An diesem See gibt es einige Seegrundstücke. Auf einem wohnte ein Segelverein. Es sah schön aus, wenn man aufs Wasser schaute, und die kleinen und großen Boote geräuschlos vorüber segeln sah. Die Gemeinde fand das auch schön. Deshalb haben die Gemeindevertreter von Wandlitz damals gesagt, dass dieses Grundstück für die Menschen sein soll, die dort Sport oder Wassersport treiben wollen. Weil Wandlitz nämlich eine Gemeinde ist, die viel Wert darauf legt, dass die Menschen dort Sport treiben können (das macht sie gesund und glücklich) und die jugendlichen Sportler(innen) kommen nicht auf blöde Gedanken und beschmieren Wände oder werden radikal. Das hat also die Gemeinde in ihren Bebauungsplan geschrieben und die Menschen waren glücklich. Dann wurde das Grundstück verkauft. Der Segelverein wollte das Grundstück kaufen; es gab aber einen, der hatte mehr Geld und kaufte das Grundstück dem Verein vor der Nase weg. Der neue Eigentümer wollte mit dem Grundstück ganz viel Geld verdienen. Mit dem Verein war das nicht möglich. Er suchte Streit mit den Seglern, so dass diese mit ihren Booten wegziehen mussten. Und jetzt hätte der neue Eigentümer dort zu gerne ein Haus gebaut. Das ging aber nicht, weil ja im Plan der Gemeinde stand, dass dort nur Sport getrieben werden darf. Dafür war das schöne Grundstück auch schön billig.
Eines Herbsttages ging er in den Ortsbeirat der Gemeinde Wandlitz und sagte, dass er dort bauen wollte. Die Menschen dort versagtem ihm das zunächst und der Unternehmer war ganz enttäuscht und zog seinen Antrag wieder zurück. Er hatte jetzt Zeit, sich das alles genau zu überlegen und schlauer vorzugehen. Im Januar kam er wieder und brachte auch gleich seine Architektin und die Menschen mit, denen er dort das Haus verkaufen wollte. Alle konnten sehr gut reden und dieses Mal sagten acht von neun Mitgliedern im Ortsbeirat, das sie das gut finden. Vielleicht hatten sie vergessen, dass es einen B-Plan gibt und das Grundstück doch für die Sportanlagen frei bleiben sollte. So einfach ist das aber nicht, wenn man Bebauungspläne in einer Gemeinde ändern will. Also sprach man auch im Bauausschuss darüber. Da war einer, der segelte und der durfte dort nicht mehr segeln, weil dort ja ein Haus gebaut werden sollte, mit dem der Unternehmer viel Geld verdienen wollte. Der erzählte alles was er wusste, und niemand der sechs Bauausschussmitglieder wollte, dass dort ein Haus gebaut wird. Denn schließlich sind B-Pläne dafür da, das man sich an sie hält, das wissen die Menschen im Bauausschuss genau. Dann gibt es einen
schandfleck-webHauptausschuss. Die kennen den Unternehmer und finden ihn nett. Außerdem finden sie, dass ein Grundstück ohne Haus ein Schandfleck für die Gemeinde ist. Also sagten sie o.k. Und in der Gemeindevertretersitzung hatte sich das mit dem Schandfleck schon rumgesprochen. Da erzählten alle nur noch von dem hässlichen Schandfleck dort an der Uferpromenade. Und wenn man sie erinnerte an ihren B-Plan, daran wie schön es ist, wenn Menschen in Wandlitz Sport treiben, wenn Jugendarbeit geleistet wird usw. dann finden sie das alles nicht so schlimm. Hauptsache es entsteht ein neues Wohnhaus, das man nicht mehr auf den See gucken muss. Und wenn sich ein schlauer Unternehmer darüber freut, wie er es geschafft hat, in so kurzer Zeit so viel Geld zu verdienen, dann nennen ihn manche Menschen einen Spekulanten. Aber die meisten Gemeindevertreter stört das nicht.
Marita Kalinowski
BÜ 90/die Grünen
Gemeindevertreterin in Wandlitz
Letzte Aktualisierung ( Samstag, 2. Juni 2012 )
 
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