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Von der Zier- zur Nutzpflanze (Nr. 42) PDF Drucken
Aus Südamerika stammend - von Seefahrern entdeckt - gelangte die Kartoffel nach Europa. Anfangs wurde sie als Wildkartoffel in Botanischen Gärten gezeigt und als Blume zur Verschönerung der Beete gepflanzt.
Die Kurfürstliche Familie ergötzte sich im Zier- und Küchengarten – dem späteren Lustgarten – an den lila Blüten der Kartoffel.
Man schrieb das Jahr 1664, als in Preußen die ersten Kartoffeln als Blumen gepflanzt wurden, zum stolzen Liebhaberwert von 80 Talern für eine Saatkartoffel.
Im Jahr 1720 verordnete der Soldatenkönig den Anbau der Kartoffel in Folge einer verheerenden Getreidemissernte. Selbst mit der Androhung drakonischer Strafen (wer sich weigerte, dem sollten Nase und Ohren abgeschnitten werden), erreichte Friedrich I. sein Ziel nicht.
Bestenfalls aß das Landvolk die ungenießbaren gelbgrünen Früchte nach der Blüte. Diese aber sind giftig und verursachten Hautreizungen und andere Krankheiten. Vieh verendete nach der Fütterung mit Kartoffelpflanzen. Ursache war das in allen grünen Pflanzenteilen der Kartoffel enthaltene Solanin.
Aber bereits 1723 konnte man im „Brandenburgischen Kochbuch“ ein Rezept für Kartoffelsalat finden, wenngleich das auch nicht im Entferntesten mit unseren heutigen Geschmack konform ging. Ein paar Jahre später wurden die Bollen, wie man die Kartoffeln auch nannte, auf dem Gendarmenmarkt verkauft – zum Liebhaberpreis.
Friedrich II. verfolgte die politischen Ziele seines Vaters weiter und bediente sich einer List!
Er verschenkte die Kartoffeln und hoffte damit auf ihren Anbau in den mageren Böden der Mark.
Doch nach dem Sprichwort „Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht“ blieb der erhoffte Erfolg aus. So zwang er die Bauern per Gesetz zum Anbau. Er ließ die Königlichen Kartoffeläcker durch Soldaten bewachen, und er ließ mit einem Augenzwinkern zu, dass die Felder beklaut werden konnten! Diese Taktik führte überraschend schnell zum Erfolg, zumal die Kartoffeln frei von Abgaben (dem Zehnt) waren, im Gegensatz zur Getreide- und Rübenernte.
Nach dem „Kartoffelbefehl“ 1746 wird vom erfolgreichen Kartoffelanbau auch aus den Dörfern des Barnim berichtet. „Wo auch nur ein leerer Platz zu finden ist, soll die Kartoffel angebaut werden, da diese Frucht nicht allein sehr nützlich zu gebrauchen, sondern auch dergestalt ergiebig ist, das die darauf verwendete Mühe sehr gut belohnt wird.“
Er gewährte Kolonisten, die er in die Mark Brandenburg holte, für zehn Jahre eine Befreiung von allen Abgaben und von der Militärpflicht sowie weitere Gratifikationen. Bedingung: Die neuen Bürger sollten Kartoffeln anbauen. Noch immer hielt sich bei der Bevölkerung die Auffassung, Kartoffeln seien nur für die Schweine gut.
Mit der Entwicklung der Bevölkerung und der schlecht bezahlten Arbeit in Manufakturbetrieben (Glas, Papier usw.) wurde der Anbau von Kartoffeln zur Aufrechterhaltung der Ernährung der Familie immer lebensnotwendiger. Der Kartoffelanbau auf den Staatsdomänen, z.B. Biesenthal, war auch notwendig zur Stärkung der königlichen Gewalt.
Durch den Ausbau von Kanälen und Straßen, wurde die Kartoffel zum Handelsobjekt, aber sie entsprach für viele Jahre noch lange nicht dem uns heute bekannten und geforderten Qualitätsstandart.
Angelika Kastl
Letzte Aktualisierung ( Freitag, 1. Juni 2012 )
 
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