Startseite arrow Gemeinde Wandlitz arrow Titelthemen arrow Bildung ist ein hohes Gut (Nr. 42)
Bildung ist ein hohes Gut (Nr. 42) PDF Drucken
Bestimmt erinnert sich so mancher Mitbürger an einen Feiertag, der früher lehrertag-webeinmal am 12. Juni eines jeden Jahres begangen wurde: Der Tag des Lehrers (und natürlich auch der Lehrerin). Die Schüler brachten Blumen für ihren Lieblingslehrer mit, manche sogar Pralinen. Das war kurz vor der Zeugnisausgabe vielleicht auch hilfreich. Die Lehrer absolvierten meist einen verkürzten Unterrichtstag, um dann in ihrem Kreise ein wenig zu feiern, oder auch mehr. Der Tag wurde zum Anlass genommen, besonders verdiente Lehrer auszuzeichnen. Es war ein Tag der Ehrung und der Würdigung einer ganz bestimmten Berufsgruppe, die im Leben aller Bürger irgendwie eine wichtige Rolle spielte. Zur Schule gingen schließlich (fast) alle einmal, und die Erinnerung an besonders sympathische Lehrer ist bei vielen Menschen von nachhaltiger Bedeutung. Die „Feuerzangenbowle“ konnte das nicht eindringlicher vor Augen führen.
Mit der Wende fiel auch dieser Feiertag dem Rotstift zum Opfer. Fast unbemerkt verschwand der Lehrertag aus dem Leben an unseren Schulen. Wenn heutzutage von einem Lehrertag die Rede ist, dann sind damit Weiterbildungsveranstaltungen für Lehrer gemeint. Viele Lehrer vermissten die erlebte Gemeinsamkeit, andere meinten, sie kämen auch ohne besondere Ehrung aus. Die Schullandschaft änderte sich. Plötzlich gab es Vorkommnisse und Ereignisse, die bis dahin undenkbar waren. Nicht einmal die "Lümmel des Mommsengymnasiums" hätten sich soetwas vorstellen können: Amoklauf, Tötung von Lehrern und Schülern, Schlägereien und Gewalt. Der Lehrer war zu einem Dienstleister degradiert worden, auf dem alle herumhacken konnten: Die Vorgesetzten, die Schüler und die Eltern. Man sah im Lehrer nicht mehr die Respektperson, wie wir Älteren das einmal kannten. Höchste Zeit, dem Einhalt zu gebieten.
So erklärte Steffen Reiche (SPD) 2002 als damaliger Bildungsminister, er sei nicht abgeneigt, den Tag des Lehrers wieder einzuführen, um das Ansehen der Pädagogen in der Gesellschaft zu verbessern. Das fanden viele Abgeordnete des Brandenburger Landtages gar nicht einmal so verkehrt. Ausgerechnet Lothar Bisky und Ralf Christoffers (beide DIE LINKE) sollen sich vehement dagegen ausgesprochen haben. Sie hielten wenig von Ritualen ohne gesellschaftliche Resonanz.
Mal abgesehen davon, dass ein Tag des Lehrers in den USA, in Chile und der Türkei und in vielen anderen Ländern begangen wird, ist einigen Politikern offenbar entgangen, dass die UNESCO bereits 1994 den 5.Oktober zum Weltlehrertag proklamiert hat. Lehrer haben nämlich nicht nur etwas zu feiern, in vielen Ländern kämpfen sie darum, ihren Beruf vernünftig ausüben zu können. Lehrer waren und sind nicht selten die Zielscheibe nackter Gewalt, wenn es darum geht, politische Einflüsse zu gewinnen. Das war so in Kambodscha und ist so in vielen Ländern dieser Welt. „Rituale ohne gesellschaftliche Resonanz?“ Man muss nicht alles verstehen...
Horst Schumann
Letzte Aktualisierung ( Samstag, 2. Juni 2012 )
 
< zurück   weiter >
Valid XHTML & CSS - Design by ah-68 - Copyright © 2007 by Firma