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Es steht ein Haus… (Nr. 51) PDF Drucken
…nein, nicht in New Orleans
Mitten in Basdorf, direkt an der B 109, steht die ehemalige Gaststätte Waldfrieden, seit Jahren leer und ungenutzt. Früher, als dort noch Leben herrschte, nannten die Leute die Einrichtung auch das „U-Boot“.
Hier versank so mancher Polizist aus der nahe gelegenen Kaserne in den Tiefen des Alkoholrausches. Aber das ist lange her, über 20 Jahre inzwischen. Seitdem ist Ruhe eingekehrt und das Haus dümpelt leise vor sich hin. Was war geschehen?
In der Wendezeit, genau am 13. Juni 1990 erwarb Jürgen Wallroth die heruntergekommene frühere HO-Gaststätte für 72.000 Mark vom Rat des Kreises Bernau und setzte sich dabei gegen neun Mitbewerber durch. Der Eintrag in das Grundbuch erfolgte am 18. Juli 1990, also noch zu DDR-Zeiten. Dem Käufer wurde versichert, dass es keinen Rückübertragungsanspruch auf die Immobilie gäbe.
Jürgen Wallroth fing sofort an, das Objekt in einen gebrauchsfertigen Zustand zu versetzen.
Als erstes mussten zirka 70 Lkw-Ladungen Schutt und Gerümpel entsorgt und der Keller, der mit Fäkalien vollgelaufen war, gereinigt und nutzbar gemacht werden.
In den weiteren Ausbau wurden dann nochmals mehrere zigtausend D-Mark gesteckt, die von Freunden und Verwandten zur Verfügung gestellt wurden. Viele notwendige Arbeiten wurden in Eigenleistungen erbracht.
Das Ergebnis ließ sich sehen. Am Ende der Ausbauarbeiten standen eine Discothek, ein Fitnessbereich, ein Hotel mit sechs Zimmern und sechs Wohnungen frisch renoviert und ausgestattet zur Verfügung. Die Erweiterung um eine Jugendbegegnungsstätte war schon in Planung.
Doch dann wurde 1992 plötzlich ein Rückübertragungsanspruch beim Amt zur Regelung offener Vermögensfragen gestellt. Jürgen Wallroth wurde wieder aus dem Grundbuch ausgetragen, eine weitere Betreibung des Gebäudes damit unmöglich. Den Kaufpreis erhielt er nicht zurück, ganz zu schweigen von den inzwischen geleisteten Aufwendungen. Seither hat sich nichts mehr getan. Ein rechtmäßiger Eigentümer scheint bis heute nicht auffindbar zu sein. Das Objekt steht leer und ist ungenutzt dem Verfall preisgegeben.
Eine Entschädigung hat Herr Wallroth bisher nicht erhalten. Nach seiner Enteignung ließ sich seine Frau scheiden. Er erkrankte schwer. Zu sehr lasteten die Schulden auf ihm. Zwar erholte er sich wieder, aber bis heute treibt ihn die Frage um, wem denn nun eigentlich das Haus gehört. Schließlich hatte er es ordentlich erworben. Wenn es jemanden gibt, der ältere Ansprüche geltend machen kann, dann müsste er sich doch mal melden und sich um sein Eigentum kümmern. Aber darum scheint es den Antragstellern für die Rückübertragung gar nicht zu gehen. Und so bleibt mitten in unserer Gemeinde ein Schandfleck, um den sich niemand zu kümmern scheint.
Wolf-Gunter Zätzsch
 
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