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Politik - Energie - Umwelt (Nr. 53) PDF Drucken
Wem nützt diese ganze emotionsgeladene Diskussion um die sogenannten neuen Energiekonzepte?
Richtig! Dem, der daran verdient und in Zukunft daran verdienen will!
Es geht nicht um das Klima, es geht nicht um die Umwelt und um die Interessen der Menschen gleich gar nicht. Wenn man die Reden der kleinen und großen Lobbyisten analysiert, kommt man zu der Überzeugung, dass diese die wahren Zusammenhänge nicht erkennen können oder dass sie nicht glauben wollen, was ihnen der Verstand eigentlich sagen müsste. Hinzu kommt das Denken in gottgegebenen hierarchischen Strukturen, ab einem bestimmten Punkt kann niemand mehr für seine Fehlentscheidungen.
Das hilft dann auch bei einem politischen Paradigmenwechsel, das Geschwätz von gestern schadet dem Image von heute nicht.
Aber ja, richtig allein bleibt: wir brauchen eine effizientere Nutzung der Rohstoff- und Energieressourcen, und zwar unter Berücksichtigung aller geografischen, klimatischen, wissenschaftlich-technischen, demografischen und kulturellen Bedingungen und Möglichkeiten. Wir brauchen mehr geschlossene Stoffkreisläufe, aus Abprodukten werden Rohstoffe. Die Rauchgasentschwefelungsanlagen z. B. liefern Gips für die Baustoffindustrie, Kohlendioxid (CO2) angereicherte Luft bringt in Gewächshäusern einen Wachstumsschub. Lassen Sie Schüler im Chemie- oder Biologieunterricht ausrechnen, welche Masse an Kohlendioxid eine mittlere Buche an einem Sommertag “wegassimiliert”. Lassen Sie ermitteln, welche Kosten im Gesundheitswesen eingespart werden durch stressfreie, gesunde Lebensbedingungen. Welche Gewinne können auch durch Tourismus in eine Region fließen?
Meilenweite Maismonokulturen zur Energiegewinnung zerstören die Lebensräume von Vögeln, sind für das Bienensterben mitverantwortlich, bringen den Wildbestand aus dem Gleichgewicht. Landwirtschaft sollte Nahrungsmittel erzeugen, in der Region für die Region, weil hohes Transport­ aufkommen schlecht für die Energiebilanz ist. Der Wunsch nach Kaffee oder exotischen Früchten ist sicher zeitgemäß, aber Äpfel aus Brandenburg schmecken mir besser als welche aus Übersee.
Die Hochwasser der letzten Jahre haben enorme Ressourcen verschlungen. Für den ausreichenden Hochwasserschutz reichte das Geld nicht oder er scheiterte an deutscher Kleinstaaterei. Um vom Braunkohleabbau zerstörte Landschaft gibt es großes Geschrei. Wo bitte bleibt die Verhältnismäßigkeit?
Die Komplexität des Pro­blems einer sinnvollen und effizienten Energiegewinnung und -nutzung kann hier nur angedeutet werden.
Aber solange Befürworter und Gegner einzelner Maßnahmen nur jeweils aus dem Blickwinkel ausgewählter Aspekte und auch emotionsgeladen diskutieren, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer profitorientierten Entscheidung.
Denn es gibt kein einziges stichhaltiges Argument dafür, dass zur Sicherung einer nachhaltigen Energiebilanz in der Region, im Land oder in Deutschland der Wald am Liepnitzsee mit Notwendigkeit geopfert werden muss! Gemeinwohl sollte hier vor Eigenwohl gehen.
Die hohen Preise, die deutsche Händler für Buche in China z.Zt. erwirtschaften, Gelder aus staatlichen Fördertöpfen usw. fließen weg, der Schaden bleibt hier.
In Bayern liebt man Windkraftanlagen nicht so sehr, man setzt auf Windenergie von der Nordsee, auch wenn dazu flugs eine neue Stromtrasse gebaut werden muss. Auch das findet nicht nur Zuspruch.
Wir haben uns offensichtlich angewöhnt, die Dinge nicht zu Ende zu denken. Energiefernleitungen fordern entsprechend physikalischer Gesetze hohe Verluste. Strom aus Atomenergie z.B. galt früher vielen als sauber und als Technologie der Zukunft. Inzwischen fürchten sich die Menschen vor Naturkatastrophen oder Anschlägen, nur wenige sehen das eigentliche Problem.
Es gibt keinen wissenschaftlich-technischen Vorlauf für eine gefahrlose Entsorgung radioaktiven Materials aus dem normalen Betrieb oder gar beim Rückbau abgeschalteter Anlagen.
Die Energiewende in Deutschland ist nur durch Bündelung des wissenschaftlichen Potentials dieses Landes zu bewältigen.
Und wir könnten das von der Sache her, ob wir es politisch hinkriegen, bleibt zu hoffen und zu wünschen.
Es spricht zurzeit nichts gegen Stromerzeugung in den modernen, schadstoffarmen Wärmekraftwerken auch aus Braunkohle. Das stört die Polemiker eigenartigerweise nur in der Lausitz, nicht aber in Nordrheinwestfahlen.
Damit die Nutzung von Wind- und Solarenergie aber richtig greifen kann, brauchen wir auch technologische Lösungen für den verlustarmen Energietransport, für eine effiziente Speicherung von Energie, für den Schutz der Anlagen gegen Cyberangriffe usw.
Zu oft werden Windkrafträder noch wegen Überangebot abgeschaltet, Solarstrom wird nicht abgenommen.
Wir brauchen keine Sonderkonditionen für energieintensive Industriezweige, wichtiger wäre die Motivation zur Entwicklung energiesparenderer Verfahren in der Großindustrie usw. Die Möglichkeiten von Energieeinsparung durch bessere Logistik gilt es auszuschöpfen! Im Transportwesen wird unverantwortlich viel Energie verbraucht und enorme Umweltbelastung verursacht. Wenn es Standard ist, Milch zwecks Veredlung quer durch die Republik zu transportieren und wenn dann der Joghurt billiger ist als vom Erzeuger um die Ecke, ist das doch ein Systemfehler. Warum wundert sich niemand darüber? Oder über Verpackungsmüllwahnsinn?
Die Palette ließe sich beliebig erweitern, aber wie gesagt das Thema Energie und Umwelt ist ein sehr, sehr komplexes.
Nicht alles lässt sich auf regionaler Ebene lösen. Wir dürfen aber nicht alles unwidersprochen hinnehmen, was uns vollmundig mit pseudowissenschaftlichen Phrasen als einzigmögliche Rettung des Weltklimas verkauft werden soll. Für so dämlich sollte uns keiner halten, etwas mehr Respekt bitte!
Aber bitte, schützt bis dahin den Liepnitzwald vor Profitgier und energiepolitischen Schnellschüssen!
Es gibt Schäden, die irreparabel über einen zu langen Zeitraum sind!
Martin Motzny, Klosterfelde
 
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