Schwere Kost (Nr. 54) PDF Drucken
Im März herrschte Unzufriedenheit in der Sitzung des Ortsbeirates Lanke. Die Gemeindeverwaltung wechselte den Essenanbieter in der Lanker Kita und versäumte die Eltern und den Ortsbeirat darüber zu informieren.
Zur Vorgeschichte: Seit fast zwei Jahren lieferte das Lanker Gasthaus Bellevue das Essen, nachdem seinerzeit auf Betreiben der Eltern dem Anbieter Sunshine Catering gekündigt wurde. Da der Essenpreis ausgehend von 1,75 Euro je Mahlzeit um 0,50 Euro steigen sollte, war aus Sicht des Rathauses eine Ausschreibung notwendig, bei der letztlich ein anderer Anbieter zum Zuge kam, der auch eine Vertretung der Servicekraft im Krankheitsfalle sicherstellen kann und darüber hinaus auch eine Vespermahlzeit für die Kinder zubereitet. Dies ist grundsätzlich ein richtiger Ansatz und eine begrüßenswerte Herangehensweise angesichts des noch beklagenswerten gesetzlichen Personalschlüssels nicht nur in Wandlitzer Kindertagesstätten.
Natürlich stellt sich die Frage, warum niemand mit „Bellevue“ sprach und fragte, ob sie ihren Service nicht hätten entsprechend ebenso erweitern können. Ich möchte jedoch auf etwas anderes hinaus. Grundsätzlich sollten Eltern selber entscheiden, welches Essen in den Einrichtungen serviert wird. Aus praktischen Gründen kann jedoch nur ein Anbieter in jeder Einrichtung zugelassen werden, so wird es bisher auch gehandhabt.
Die Freien Träger, wie beispielsweise AWO oder Montessori sind in ihrer Entscheidung „frei“, nach welchen Kriterien ausgewählt wird. Dies gilt für die kommunalen Einrichtungen jedoch nicht, da hier die förmlichen Vergabeverfahren nach Vorschrift einzuhalten sind. Gegenwärtig wird das Essen von der Gemeinde stark subventioniert. So zahlen die Eltern bei einem anrechenbaren Einkommen bis 2000 Euro abgestuft maximal 1,50 Euro je Mahlzeit. Bei höheren Einkommen ist der volle Essenpreis zu bezahlen. Ganz einfach: solange in den Horten, Kindertagesstätten das Essen subventioniert wird, ist stets eine Ausschreibung des Essenanbieters mit ungewissem Ausgang erforderlich.
Allerdings könnte es einen Ausweg aus diesem Dilemma geben. Bekanntlich sind die von den Eltern zu zahlenden Kitabetreuungsgebühren in der entsprechenden Satzung sozialverträglich zu staffeln. Nur die Elternbeiträge der obersten Einkommenskategorie sind kostendeckend anzusetzen. Die Elternbeiträge der unteren Kategorien sind nach unten abzustufen. Es spräche im Übrigen nichts dagegen, wenn man statt einer direkten Essensubvention die Kitabetreuungsgebühren in der gleichen Höhe – somit kostenneutral – senken würde. Damit entfiele das Erfordernis einer Ausschreibung, da eine direkte Essensubventionierung unterbliebe und der Weg für ein sogenanntes „Interessenbekundungsverfahren“ wäre frei.
Damit hätten die Eltern auch in den Einrichtungen in kommunaler Trägerschaft die Möglichkeit, nach Probeessen und Meinungsbildung sich für einen Essenanbieter ihrer Wahl zu entscheiden. Wenn die Unzufriedenheit mit den Essenanbietern überhandnimmt, wäre o.a. Ablauf eine denkbare Option auf dem Weg zu mehr Zufriedenheit.
Jörg Matthes
Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 5. Juni 2014 )
 
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