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Hexenverfolgung (Nr. 56) PDF Drucken
Zu den schlimmsten Verbrechen des Mittelalters gehörten die „Hexenprozesse". Das geringe Wissen über die Natur, ihre Gesetzmäßigkeiten und Zusammenhänge, das durch den Feudalismus auf hexenverfolgung-webdem niedrigsten Stand gehaltene Bildungswesen des breiten Volkes und nicht zuletzt der Einfluss des Klerus, begünstigten Aberglauben und Wundersehen in unvorstellbarem Maße. Sie bildeten mit die Voraussetzung auch für die unzähligen Hexenprozesse vom 13. Jahrhundert bis ins 18. Jahrhundert.
In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges erreichte diese „geistige Epidemie“ eine besondere Breite.
Hexenprozesse haben in Bernau 1543, 1617-1622, 1653, 1658 stattgefunden. Während der Prozesse von 1617-1622 sind diesem mittelalterlichen Wahn 16 Personen zum Opfer gefallen. Davon starben ein Mann und fünf Frauen bereits auf der Folter.
Der Kurfürst Johann Sigismund hat im Jahre 1617 die Stadt besucht. Seine sechs Kutschpferde brachen infolge einer stundenlangen Hetzerei unter dem Torbogen des Berliner Tores tot zusammen. Vorbeugend schrie der Kutscher, Hexen haben die Pferde umgebracht. Der dem Kurfürsten gefällige Rat der Stadt ließ an Ort und Stelle einige Frauen verhaften. Da der Besuch des Kurfürsten zeitlich mit dem Beginn einer fast fünfjährigen Hexenverfolgung zusammenfällt, kann in dieser Tatsache der Ursprung für diesen Wahnsinn zu suchen sein.
Zum Zweck der Wahrheitsfindung wurden die Beklagten mit langen Nadeln in die Halswirbel gestochen. Der Scharfrichter erklärte nach ihrem Tode: „Der Teufel hat sie geholt“, weil er
1. sie besonders liebt,
2. ihr unmittelbares Geständnis fürchtet,
3. sie der irdischen Gerechtigkeit entziehen wollte.
Der Bäckermeister Jürgen Crone und seine Ehefrau wurden durch Angaben einer anderen beschuldigten Frau verhaftet. Unter anderem wurde ihnen vorgeworfen, Brot und Semmeln vom schönsten Geschmacke herzustellen
bernau_hexendenkmal, was nur „mit Hülfe eines bösen Geistes geschehen sei“. Crone und seine Frau wurden lebendig verbrannt, der Mann am 24. April 1618. Die Frau, die vorher noch entbunden werden musste, ist dann am 31. Juli öffentlich durch Verbrennen hingerichtet worden.
Während dieser Zeit kam es 1619 zu einem Volksaufstand gegen das Foltern der Angekl
agten Orthilde Meermann. Die Beschuldigte war bereits seit zwei Jahren in Haft. Die erste Tortur hatte die Orthilde Meermann ertragen. Sie sollte von einem besseren Scharfrichter einer schärferen Folter unterworfen werden. Zu dieser Zeit hatte ein sehr starkes Gewitter stattgefunden und dabei war ein sich wild gebärdendes nacktes Weib auf der Bernauer Feldmark gesehen worden.
Die Bürgerschaft hatte Angst vor der Rache der Hexenmeister und hinderte den Rat zunächst durch einen Volksaufstand, die Beschuldigte aufs Neue zu foltern. Unter
Folterqualen ist die Orthilde Meermann dann im Gefängnis verstorben. Ihr Körper wurde am Hochgericht am 19. Mai 1619 verscharrt.
Catharina Selchow, die Tochter der Orthilde Meermann, ist 1621 zum Tode durch Verbrennen verurteilt worden. Ihr wird unter anderem vorgeworfen, ihrer Mutter den bösen Geist ins Gefängnis geschickt zu haben, welcher diese eingeschläfert und ihr die Schmerzen genommen hat. Catharina Selchow wurde am 1. Juni 1621 verbrannt. „Sie soll ein junges schönes Weib gewesen seyn und mit ihrer Klahren und weißen Haut so durch die Hembden, deren sie sich allemahl befleißigt, hervorgeschimmert, sich nicht ein weniges eingebildet haben. Daher wie auch dem Nochrichter vor der Verbrennung an ihren Leib nicht hat kommen lassen!“
1621 wurde Catharina Selchow als Hexe verbrannt, zwei Jahre später als ihre Mutter, 42 Jahre später als die Großmutter, welche ebenfalls ein Opfer des Hexenwahns gewesen war.
In einer Atmosphäre des Misstrauens und gegenseitigen Neides, unter fadenscheinigen Begründungen, wurden 16 Bürger der Stadt zu Tode gefoltert oder öffentlich verbrannt, waren dem Willen des Kurfürsten und einer selbst abergläubischen Justiz ausgeliefert. Es ging doch nicht nur um sechs gefallene Pferde, sondern um die Festigung der Macht einzelner und der feudalen Gesellschaftsordnung.
Die immer schwerer werdenden Kriegsnöte, auch für Bernau, mögen dazu beigetragen haben, die Verfolgung von Hexen in den Hintergrund zu drängen.
1658 hat nach der Chronik von Seiler das letzte dieser Verbrechen in Bernau stattgefunden.
Rudolf Bügel
Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 2. Oktober 2014 )
 
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