Startseite arrow Leserbriefe arrow Zu Leserbriefen von drei vermutlichen Soldaten im Heft 56 (Nr. 57)
Zu Leserbriefen von drei vermutlichen Soldaten im Heft 56 (Nr. 57) PDF Drucken
Deutlich sichtbar wird ein erschreckendes Defizit an Kenntnissen der Geschichte der Neuzeit und der deutschen Sprache im Besonderen, woran die Autoren wohl kaum allein schuld sein dürften. Dabei erinnere ich mich an eine jüngste Umfrage der Medien zum Thema: „Wie gut sind unsere Lehrer?"
Meine Enkelin geht in die 7. Klasse in Luckenwalde und arbeitete an einer Hausarbeit über Kalifornien und erforscht dieses Land auf ihre Weise, was ja interessant sein mag. Über Geschichtsabläufe ihrer Heimat weiß sie aber wenig. Wovor haben bestimmte Kreise eigentlich Angst bei der persönlichen und freiheitlichen Meinungsbildung?
Halbwahrheiten und auch Weglassen von relevanten Fakten und Tatsachen, sind nun mal auch Lügen für die angepasste öffentliche Meinungsbildung. Wenn Herr Druckmüller meint: „... aber das ist lange her“, dann ist es genau das Thema - des Vergessens machen, was nicht schön ist oder kritikwürdig. Die seit 25 Jahren wieder auf der ganzen Welt aufflammenden Kriege waren zu keiner Zeit der Menschheitsgeschichte unabwendbare höhere Gewalten wie Naturkatastrophen. Sie wurden und werden auch heute noch von Menschen für die Interessen bestimmter Macht- und Menschengruppen gemacht.
Auch wenn bestimmte Inquisitoren der Neuzeit der Öffentlichkeit das Gegenteil vorgaukeln. Hilfreich war schon immer die Frage: Wem nützt das? Auf dieser Grundlage ist die Beurteilung von Kriegen nicht mehr nur eine Erscheinung von Ahnung, sondern von Wissen und Lebenserfahrung. Gerechte und ungerechte Kriege sind dann zu definieren nach ihrer Entstehungsgeschichte, den treibenden Mächten und deren Ziele bzw. Profite.
Die Verteidigung des eigenen Landes gegen Angreifer von außen ist wohl eher als gerecht und ehrenhaft anzusehen, als ein Waffendienst außerhalb der eigenen Landesgrenzen zur Sicherung von Vormachtstellungen und Großmachtansprüche bzw. Weltgendarmenstatus. In diesem Sinne ist der Soldat ein ehrenhafter Status, der sich deutlich von einem Söldner unterscheidet. Soldat ist aber nicht nur ein Dienstgrad für – Nur-Befehlsempfänger.
Er ist ein Status der Gesellschaft. Der Staatsbürger in Uniform vom Soldaten bis zum General, der auf allen Ebenen mit unterschiedlicher Verantwortung auch Befehle erteilt und erteilen muss. Die Menschheitsgeschichte kennt unterschiedliche Beteiligungsformen an Kriegen, aber niemals und noch nie eine der Menschlichkeit immanente Legitimation für Krieg. Er bleibt immer im eklatanten Widerspruch zum ersten Menschenrecht - dem Recht auf Leben. Die Beteiligungsformen und Ebenen, ob Politiker, Soldat, Partisan, Söldner, Legionär, Spion, Spitzel u.v.a.m. sind nur einige abgewandelte Formen und Aktionäre. Eine Wehrpflicht kann man in der modernen Gesellschaft verweigern und Ersatzdienst leisten. Allerdings ohne Bonus, Gehaltsfortzahlung bei langzeitiger Weiterbildung zum Meister oder Ingenieur u. ä. Existenzgründungsvorteilen. Den drei Briefeschreibern möchte ich empfehlen darüber nachzudenken, warum -wie im HKJ-54 Leitartikel deutlich informiert - in Klosterfelde, 60 Jahre nach dem furchtbarsten aller Kriege, Menschen aus Verantwortung für das Leben die Erinnerung an die Kriegsgrauen wach halten und mit den Gefallenen mahnen.
Zum Abschluss will ich noch auf eine Redewendung eingehen, die die ganze Misere der Allgemeinbildung deutlich macht. „...dann würden Sie merken wie sehr Sie keine Ahnung haben, was los ist..." Nun kann es sich ja durchaus um eine Redewendung handeln und um kein höheres Geistesgut. Dann wäre das für den deutschsprachigen Raum zwar beschämend, aber nicht so tragisch, als wenn sich darin der wirkliche Widerspruch reflektiert. Das hieße, wenn ich Ahnung habe, ahne ich etwas, was ich weder wissenschaftlich noch empirisch belegen kann. Vielleicht ist aber gerade das durch bestimmte Machenschaften sogar gewollt.
In meiner Frührentnerzeit vom 65. bis 75. Lebensjahr habe ich als Pförtner in vielen Dienstorten Berlins gearbeitet, darunter auch Gymnasien. Dabei reifte die Erkenntnis, dass zwar sehr viel Wissen vermittelt wird, aber ob das fürs Leben oder richtiger für den Weg ins Leben reicht, zweifele ich stark an. Bei der Brandschutz-, Sicherheits- und Lichtkontrolle in den Klassenräumen sprachen mich die Wandtafeln direkt an und wurden zum aufschlussreichen Lehrmaterial für mich nach 18 Jahren Schule.
Horst Micke, Basdorf
Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 2. Dezember 2014 )
 
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