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Sind Schüler aus Bayern wirklich besser ... (Nr. 57) PDF Drucken
...als aus Brandenburg?
Pisa & Co belegen es. Somit ist es amtlich.
Ein Teil unserer Lehrerschaft lässt dies auch indirekt durchblicken. Unsere Schüler sind nicht lernwillig, toben nur rum und haben andere Sachen
im Kopf als Schule. Hier einige Beispiele:
Zitat einer Gymnasiallehrerin: „Ihr braucht gar nicht so interessiert gucken. Ich weiß genau, dass ihr nur so tut.“
Oder ein anderes Beispiel: Ein Schüler bekommt in einer Klassenarbeit eine zwei minus. Kommentar selbiger Lehrerin: „Typisch für dich, dabei kannst du doch mehr.“ In der nächsten Arbeit schreibt er eine eins. Kommentar: „Das war Zufall. Da hattest du mal Glück.“
gs-wandlitz-erffnung-webAn der Grundschule Wandlitz beim Elterngespräch eines Kindes der 2. Klasse. Die Eltern wollten den Lernstand erfragen und über den Klassenzusammenhalt sich erkundigen. Ob die Kinder sich gegenseitig eher beflügeln oder eher ausbremsen usw. Sie übten keinerlei Kritik an der Verfahrensweise der Lehrerin. Kommentar der Lehrerin: „Wenn die Schule ihnen nicht gut genug ist, dann schicken sie ihr Kind doch auf eine Privatschule.“ Ergebnis ist also – man sollte nichts tiefer hinterfragen, was die Tätigkeit des Lehrers angeht.
Nächstes Beispiel: Ein Junge rechnet gern. Er begeistert sich dafür. So ist es nicht verwunderlich, dass er von der 1. bis zur 4. Klasse immer eine eins in Mathematik hat. Aus eigenem Wunsch und auf Empfehlung der Schule wechselt er ab der 5. Klasse in eine Begabtenklasse ans Gymnasium. Dort hat er bis zur 10. Klasse Mathematik bei seiner Klassenleiterin. Im Laufe der Jahre verliert er die Lust an diesem Fach. Die Noten sacken dann auch ab. Er sieht die Ursache in der (Un)fähigkeit der Lehrerin, Wissen zu vermitteln. Sie brülle nur rum usw. Nun jungen Männern in diesem Alter glaubt man erfahrungsgemäß nur jedes zweite Wort und denkt sich im Kopf, die Wahrheit liegt sicher in der Mitte. Aber - In der 11. Klasse bekommt er eine andere Mathelehrerin. Diese Lehrerin hat bei ihm in kürzester Zeit einen Schalter umgelegt. Er hat wieder wie in alten Zeiten Spaß am Rechnen. Man glaubt es kaum - er macht freiwillig Mitschriften im Unterricht wie noch nie und diese auch noch sauber und gegliedert. Es bereitet ihm Freude, komplexe analytische Aufgaben und Probleme anzugehen und zu lösen.
Es ist allgemein bekannt, dass Urlaub zur Regenerierung der Arbeitskraft dient. Bei Schülern nennt man dies Ferien. Es ist richtig. Schüler haben erheblich mehr Ferien als Erwachsene Urlaub haben. Dafür sind es eben auch noch Kinder. Dies scheint nicht immer jedem Lehrer bewusst zu sein.
Von der Grundschule Wandlitz berichteten mehrere Kinder einer fünften Klasse ihren Eltern die letzten Worte einer Lehrerin vor den Herbstferien: „...und gleich nach den Ferien schreiben wir eine Klassenarbeit. Damit ihr euch gut erholen könnt, schreiben wir sie nicht am Montag sondern am Dienstag.“ Da fragt man sich, wie zynisch kann man eigentlich sein? Übrigens, die zitierte Lehrerin benötigte 30 Minuten einer anderen Unterrichtsstunde von 45 Minuten dafür, Ruhe in die Klasse zu bringen. Was sagen uns diese Einzelbeispiele? Die Schüler in Brandenburg sind schlechter als in Bayern? Ich denke nicht. Neben dem Lernen der Schüler gibt es noch das Lehren der Lehrer.
In der Industrie ist fast alles automatisiert und wird nach strengen Qualitätsmerkmalen geprüft. Dabei geht es nicht nur um genormte Schrauben sondern auch um Arbeitsprozesse und Abläufe, welche im Qualitätsmanagement geregelt sind. Die Prozesse werden protokolliert, um eine Evaluierung zu ermöglichen. So kann man ständig nach einem Iterationsverfahren die Arbeitsschritte verbessern und Fehler zunehmend vermeiden. Die Rede ist nicht nur von reiner Produktion. Auch der Wareneinkauf, die Buchhaltung und das Controlling sowie der Verkauf sind davon betroffen. In allen Ebenen gibt es Qualitätsstandards, welche umgesetzt und protokolliert werden.
In der Bildung gibt es einen Rahmenplan und unendlich viele Empfehlungen. Sicher gibt es auch prozentuale Bewertungsregeln für Noten. Ein Lehrer muss sich an die Hausordnung halten. Ein Lehrer muss sich an die Anweisungen des Direktors halten usw. Dann hört es aber schon auf. Wie er seinen Unterricht macht, wie oft er Tests mit welchem Schwierigkeitsgrad durchführt, wie viel Zeit er für Wissensvermittlung und wie viel Zeit er für Übungen und Festigungen verwendet – all dies entscheidet er individuell selbst. Ob nun nach Lehrbuch oder nach Arbeitsblättern unterrichtet wird. Wenn der Lehrer es für richtig hält, Gedicht ABC zu behandeln und nicht Gedicht XYZ, dann ist es seine Entscheidung. Welche Lieder im Musikunterricht gelernt werden, entscheidet der Lehrer. Welche Kriterien oder Merkmale prüft er, um zu entscheiden, ob ein Schüler einen Sachverhalt wirklich verstanden hat oder nur wie ein Gedicht auswendig gelernt hat? Der Lehrer entscheidet nach seinem Gefühl und seiner Erfahrung. Unterschiedliche Lehrer haben unterschiedliche Gefühle und unterschiedliche Erfahrungen. Damit werden die Heranwachsenden unterschiedlichen Anforderungen ausgesetzt. Genau hier bietet sich die Möglichkeit der Standardisierung. Schüler brauchen klare Vorgaben. Sie wollen klare, für alle gleiche Regeln. Sie wollen einfach wissen, was muss man wie machen, damit man zum Erfolg kommt. Diese Regeln sollten nicht von Deutschlehrer A zu Deutschlehrer B unterschiedlich sein. Ein Musiklehrer legt eventuell beim Vortrag eines Schülers mehr Wert auf die äußere Darstellung, also wie der Schüler sich präsentiert. Ein Deutschlehrer legt eventuell mehr Wert auf das freie Sprechen bei einem Vortrag. Ein Biolehrer legt eventuell mehr Wert auf gezeigte Beispielbilder und Grafiken. Und ein Physiklehrer achtet eventuell auf das ausgearbeitete Konzept des Vortrages. Summa summarum achtet jeder auf etwas Anderes. Fährerweise sollte aber der Schüler im Vorfeld wissen, worauf der Lehrer Wert legt. Unter anderem sind aus diesem Grund einheitliche Bewertungskriterien fachübergreifend dringend nötig. Ich höre jetzt schon die ewig Gestrigen sagen - das geht nicht, das kann man nicht machen, wie soll das funktionieren. In anderen Schulen sind die Entscheidungen gefallen und man ist bereits bei der Umsetzung. Es ist ein kleiner Schritt in Richtung mehr Transparenz für Schüler, Lehrer und Eltern. Es ist ein großer Schritt in Richtung mehr Qualitätsmanagement und mehr Nachvollziehbarkeit von Lehr- und Lernprozessen. Man muss es natürlich wollen. Oder sind unsere Lehrer doch schlechter als die in Bayern?
Die Reihe der Einzelbeispiele lässt sich übrigens fortsetzen. Sicher gibt es auch unendlich viele Beispiele für mangelnde Disziplin an den Schulen. Es sind eben Kinder und keine Lernroboter. Das macht die Sache so schwer, aber auch spannend. Ein Kind wird das, was wir Vorleben, was wir aus ihm machen.
Wolfgang Kirschner
Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 3. Dezember 2014 )
 
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