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70. Jahrestag der Befreiung (Nr. 58) PDF Drucken
Der Kampf gegen den Faschismus in Klosterfelde
Durch die Entwicklung der Holzindustrie entstand ein reges gesellschaftliches Leben in Klosterfelde. 1925 gab es hier 13 Vereine. Dazu kamen noch die Parteien und Verbände. 1931 fand ein großer Streik gegen Lohnkürzung statt, der acht Wochen dauerte. Vier Arbeiter aus dem Ort erhielten wegen ihres Engagements Gefängnisstrafen bis zu acht Monaten. Doch die organisierten Arbeiter ließen sich nicht beirren. Besonders die Ortsgruppe der KPD, die die stärkste politische Gruppe bildete, trat entschlossen gegen den erstarkenden Faschismus auf. 1933 kam es mit den Funktionären der SPD zu einer Übereinkunft, gemeinsam zu den Wahlen anzutreten. Allerdings erhielten die SPD-Mitglieder dann aus Berlin die Weisung, sich nicht mit der KPD zu verbünden. So gelang es der NSDAP auch in Klosterfelde die Macht zu ergreifen. Gleich nach den Wahlen gab es erste Verhaftungen. Unter anderem wurden Bruno Finke (SPD) und Ernst Lischewski (KPD) in das KZ Sachsenhausen eingeliefert. Sie kamen allerdings nach wenigen Tagen wieder frei. Unter den Verhafteten befand sich auch Otto Hehmke. Er musste sich zweimal wöchentlich bei der Gendarmerie melden und durfte Klosterfelde nicht verlassen. Trotzdem gelang es ihm, in seinem Ort eine Widerstandsgruppe mit 18 Mitgliedern aufzubauen, die in den Betrieben tätig waren. Sie arbeiteten zwei Jahre lang mit bescheidenen Möglichkeiten gegen die faschistische Diktatur. Dann wurden Otto Hehmke, Heinz Amman und Hermann Kleinfuß in Folge von Verrat verhaftet. Hehmke war hehmke-klosterfeldedrei Jahre im Zuchthaus Brandenburg eingesperrt. Danach gelang es ihm nicht, die ehemaligen Widerstandskämpfer erneut zu aktivieren. 1942 wurde er in das Strafbataillon 906 eingezogen. Nach Einsätzen in der Sowjetunion und Italien kam er am 20. Juni 1945 verletzt (er hatte ein Auge verloren) in Klosterfelde wieder an.
Noch schlimmer als die zerstörten Häuser empfand er das, was in den Köpfen der M
enschen zurückgeblieben war. Am 22. April hatten sich 28 Bürger das Leben genommen, darunter die gesamte Familie von Karl Stuck. Die Nazi-Propaganda hatte ganze Arbeit geleistet.
Es fehlte im Ort an allem, vor allem an Nahrung. Otto Hehmke ging zum damaligen Bürgermeister Karl Sägebracht und setzte sich dafür ein, dass die verbliebenen Vorräte gerecht verteilt wurden und die landwirtschaftliche Produktion in Gang kam.
Die Betriebe der Unternehmerfamilie Richard Bergemann waren noch intakt. Aber man hielt sich mit der Produktion zurück. Alle drei Werke sollten demontiert und in die Sowjetunion als Reparationsleistung verbracht werden. Wieder war es Otto Hehmke, der sich für den Erhalt zumindest eines Teils der Werke einsetzte. Er traf gemeinsam mit zwei Mitstreitern in Berlin mit Walter Ulbricht zusammen. Der veranlasste dann, dass das Werk II erhalten blieb. Auf Befehl der SMAD sollten dort zunächst Kabeltrommeln hergestellt werden. Da die früheren Eigentümer der Werke alles taten, um die Produktion zu sabotieren, wurden diese kurzerhand in eine Treuhandschaft übergeben. Die Arbeiter der Belegschaft wählten Otto Hehmke als Treuhänder.
Für seine Arbeit wurde Otto Hehmke mehrfach als Aktivist ausgezeichnet. Er bekam den Vaterländischen Verdienstorden in Bronze. Am 6. Dezember 1978 verstarb der Kämpfer gegen Faschismus und Aktivist der 1. Stunde im Alter von 72 Jahren.
Nach Dokumenten von Karl Matthias, Ortschronist von Klosterfelde
Letzte Aktualisierung ( Freitag, 6. Februar 2015 )
 
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