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Diagnose „Krebs“ (Nr. 58) PDF Drucken
In unserer Ausgabe Heft 48 berichteten wir in der Rubrik „Gesichter in Wandlitz“ über das Engagement der Wandlitzerin Elvira Muffler (52). Sie ist Gründerin des Vereins Krebsberatung Brandenburg e.V. und leitet seit 2009 die Krebsberatungsstelle in Wandlitz. Im Heft 51 warb sie für e_mufflerSpenden zur Finanzierung ihrer Arbeit und sprach davon, dass die Krebsberatung Wandlitz Beratungsstelle für den Landkreis Barnim werden solle.
Ich wollte von ihr erfahren, was sich seitdem geändert hat und welche Entwicklung es bei der Beratung krebskranker Menschen in Wandlitz und in Brandenburg gibt.
Zunächst gibt es eine enorme Entwicklung der Anzahl der Beratungen seit der Gründung. Waren es 2009 im Jahr noch 50, so wurden 2014 schon über 300 Beratungen durchgeführt.
Das war nur möglich, weil Elvira Muffler in dieser Zeit weitere fünf Frauen gefunden hat, die jetzt selbst aktiv beratend tätig sind oder in anderer Weise den Verein unterstützen.
Einen großen Raum nimmt die soziale Beratung und Hilfestellung ein. Hier hinein fällt die Unterstützung bei der Beschaffung eines Schwerbehinderten-Ausweises, die Beratung zur Gesetzeslage, wie z.B. in der Frage des Kündigungsschutzes und auch die Hilfe zur Überwindung von Begleiterkrankungen, um nur einige zu nennen. So kommt es nicht selten vor, dass mit dem Ausbruch der Krebserkrankung längst verdrängte traumatische Erinnerungen aus vergangener Zeit bis hin zur Kindheit hochkommen und die Angst vor der Krankheit und deren Behandlung ins Unermessliche bis hin zur Ablehnung potenziert wird. Wo ärztliche Kunst oft nicht weiterkommt, um die psychische Lebensqualität wieder herzustellen, helfen die Beraterinnen in der Beratungsstelle dieses Band zu durchtrennen.
In der letzten Zeit werden hier Gruppengespräche geführt. Diese entstehen durch Themenhäufung bei den Ratsuchenden und sollen in nächster Zeit weiter ausgebaut werden. Diese Gruppengespräche helfen den Patienten, sich untereinander auszutauschen und miteinander neue Kraft zu schöpfen. Das können manchmal ganz zwanglose Gesprächsrunden sein, bei denen mitunter auch ein Therapiehund anwesend ist, der allen viel Freude bereitet und hilft, aus dem sozialen Rückzug herauszufinden.
Auch gibt es eine Zusammenarbeit mit einer Gesundheitswanderin, die mit Unterstützung der gesetzlichen Krankenversicherungen solche Wanderungen durchführt.
Diese Arbeit kann nicht hoch genug bewertet werden, ist doch das Thema „Krebs“ bei den meisten Menschen oft aus Angst oder Unsicherheit ein Tabuthema. Dabei steht diese Erkrankung in der Statistik bei den Todesursachen nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen an zweiter Stelle. Erhält ein Mensch diese Diagnose, dann bricht für ihn und seine Familie zunächst die ganze Welt zusammen. Dann tut es gut, wenn Menschen da sind, die Mut zusprechen und dazu beitragen können, dass die Auseinandersetzung mit dieser Krankheit nicht zur völligen Verzweiflung führt sondern neben der ärztlichen Behandlung zu einer aktiven Aufgabe für Betroffene und Angehörige wird. Wichtig ist dabei, dass der soziale Rückzug überwunden und über die bewegenden Sorgen gesprochen wird.
Ich war selbst vor Jahren schwer an Krebs erkrankt. Damals war keiner da, der mit mir sprach. Zunächst mussten wir, mein Mann und ich, selbst damit klarkommen. Zu den bereits genannten Sorgen kamen noch die der Existenzangst, da ich damals selbständig war. Da las ich im Krankenhaus ein Plakat mit der Inschrift „Schweigen ist der beste Freund des Krebses!“. Dieser Spruch half mir, mich mit allen Menschen, die mir begegneten – ob sie es wollten oder nicht – über diese Krankheit zu unterhalten. Diese Gespräche halfen mir letztendlich, wieder zu mir selbst zu finden und dieser Krankheit den inneren Kampf anzusagen. Ich stellte auch dabei fest, dass die anfängliche Scheu bei Nichtbetroffenen in solchen Gesprächen überwunden und das Tabu dieses Themas langsam in den Hintergrund rückte.
versorgungslage-brandenburgUmso weniger ist es zu verstehen, dass das Land den Fördermittelantrag der Krebsberatungsstelle Wandlitz ablehnte. Auch gibt es durch die Behörden des Landkreises keinerlei finanzielle Unterstützung. Nicht einmal das Krankenhaus Eberswalde ist bis heute zu einer kooperativen Zusammenarbeit bereit, wie es die Klinikum Dahme-Spreewald GmbH mit der ebenfalls von Elvira Muffler gegründeten Krebsberatungsstelle Dahme-Spreewald vormacht. Allerdings gibt es Regionen, in denen seit Jahrzehnten Krebsberatungsstellen existieren, die sich vorwiegend aus Spendengeldern finanzieren und ergänzend durch Landkreise und Länder unterstützt werden. Das streben wir für Brandenburg auch an, solange es noch keine öffentliche Förderung gibt.
Diese Beispiele weisen eindeutig darauf hin, dass zunehmend die Politik gefragt ist, hier Prämissen zu setzen, damit die Unterstützung dieser wichtigen Arbeit nicht länger dem Wohlwollen von „Bürohengsten“ überlassen bleibt. Vielleicht überlegen ja unsere gewählten Gemeindevertreter, die gleichzeitig Mitglieder des Kreistages sind, wie an dieser Stelle Abhilfe zu schaffen ist.
Solange es keine staatliche Förderung gibt, bleibt nicht nur ein großer Teil der Arbeit des Teams um Elvira Muffler ehrenamtlich sondern ist es angewiesen auf Spenden von Firmen, Privatpersonen, Sammlungen auf Benefizveranstaltungen und auf Unterstützung von Fördermitgliedern. Die ständig durchzuführenden Gespräche zur Einwerbung von Geldern nehmen einen beträchtlichen Zeitanteil in Anspruch, der besser zur eigentlichen Arbeit, der Beratung Betroffener, genutzt werden könnte.
Die Unterstützung durch die Gemeinde Wandlitz ist teilweise bereits geschehen. Schön wäre an dieser Stelle auch eine finanzielle Unterstützung. Immerhin ist die Gemeinde Wandlitz das einzige Gebiet im Land Brandenburg, in dem die Bürger eine gute Versorgung mit ambulanter Krebsberatung vorfinden können.
Unter diesen Bedingungen kam die Hilfe der NEB, einen Raum in der ersten Etage des Bahnhofsgebäudes für Beratungsgespräche zu nutzen, wie ein Segen. Es wäre schön, wenn sich die Beratungsstelle dort etablieren und erweitern könnte, damit es möglich wird, Gruppengespräche und Verwaltungstätigkeit von persönlichen Beratungen zu trennen.
Christa Schumann

Weitere Informationen und Kontakt:
www.krebsberatung-berlin-brandenburg.de
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Telefon: 033397 273802
Spendenkonto Krebsberatung Berlin-Brandenburg e.V. bei der Sparkasse Barnim
IBAN: DE08 1705 2000 3000 0442 55, SWIFT-BIC: WELADED1GZE
Die Spenden an die Krebsberatung Berlin-Brandenburg können steuerlich geltend gemacht werden.
Letzte Aktualisierung ( Freitag, 6. Februar 2015 )
 
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