Startseite arrow Gemeinde Wandlitz arrow Titelthemen arrow „Mit den Bürgern – Für die Bürger!“ (Nr. 59)
„Mit den Bürgern – Für die Bürger!“ (Nr. 59) PDF Drucken
Mit diesem Wahlslogan wurde Jana Radant 2011 zur Bürgermeisterin unserer Gemeinde gewählt. Wir hatten in unserer damaligen Wählergemeinschaft, die zum großen Teil aus dem Bürgerverein Wandlitz e.V. hervorging, zunächst über verschiedene Sprüche nachgedacht und diskutiert. Ich hatte dann einige zu Papier gebracht, wir haben darüber diskutiert und dieser hatte alle überzeugt, weil er das Wesentliche unseres und Janas Anliegen zum Ausdruck brachte.
Warum dieser Wahlspruch? Die Politik der Gemeindeverwaltung mit dem damaligen Bürgermeister an der Spitze war alles andere als bürgerfreundlich. Wir wollten, dass die Bürger geachtet und als Mitglieder der Gemeinde behandelt und sie nicht durch den Bürgermeister aus dem Zimmer oder gar dem Rathauses verwiesen werden. Wir wollten etwas dagegen tun, dass Kindergärtnerinnen Strafe angedroht wird, wenn sie sich am Streik beteiligen. Es galt zunächst, solche Praktiken zu beenden. Viele der damaligen Gemeindevertreter hatten sich anscheinend daran gewöhnt bzw. versuchten wohl, eigene Vorteile daraus zu ziehen, indem sie sich dem „Despoten“ unterordneten. Und so nahm die Entwicklung ihren Lauf: Die meisten Bürger sehnten sich nach Bürgernähe und wählten Jana Radant. So viel zur Ausgangssituation.
Nun stellt sich heute die Frage ob es ausreicht, nur despotische Praktiken zu beenden?
Andere haben diesen Slogan übernommen und mit ihm Wahlkampf betrieben. Der Wahlspruch scheint zur Floskel geworden zu sein. Es gibt nicht wenige Bürger, die wieder am Verzagen sind und beginnen sich damit abzufinden, dass es wohl in diesem kapitalistischen System wenig Bürgernahe gibt, dafür aber das Geld regiert.
Doch wir, der Bürgerverein Wandlitz e.V., haben die Hoffnung nicht aufgegeben, dass der Gedanke der Bürgerkommune bei den Gemeindevertretern und im Verhalten der Verwaltungsmitarbeiter den Bürgern gegenüber Fuß fasst. Anfänge sind gemacht: es gibt Bürgerfragestunden in allen Ebenen der Gemeindevertretung, öffentliche Informationsveranstaltungen, Ansprechpartner in der Verwaltung. Aber ist es damit schon getan?
Ist damit bereits Bürgernähe durchgesetzt? Was bedeutet dieser Begriff? Schließt dieser Begriff lediglich die Hinwendung zu den Bürgern und die Berücksichtigung ihrer Belange ein? Ist damit nur eine Einbahnstraße in der Gemeindepolitik gemeint? Wessen Aufgabe ist es, Bürgernähe umzusetzen?
Leider beklagen gerade die Ortsvorsteher immer wieder, dass zu wenige Bürger die Möglichkeiten nutzen, sich in ihrem Ort mit einzubringen. Gerade in der Aussage „Mit den Bürgern“ wollten wir darauf hinweisen, dass die Beteiligung der Bürger gefragt ist. Es ist schon erstaunlich: Zu den Wahlen gehen nicht einmal 50 Prozent der Berechtigten, bei Veranstaltungen lassen sich immer dieselben Leute sehen. Wenn es aber darum geht, eine Straße zu bauen, Abwasseranschlüsse zu verlegen oder Ordnungsmaßnahmen durchzusetzen, werden plötzlich ein paar Mitbewohner wach, weil es um ihr Geld oder ihre ganz persönlichen Befindlichkeiten geht. Und dann rufen die Betreffenden lauthals, das wäre ein Verstoß gegen die Losung „Für die Bürger“ oder „Bürgernähe“.
Es bleibt aber dabei: Probleme lösen nur wir in unserer Gemeinde. Sich in der Tagespresse aufzuregen, hilft niemandem. Neben den persönlichen Interessen, die durchaus nachvollziehbar sein können, gibt es aber auch gemeinschaftliche Interessen. Kinder wollen spielen, Straßen müssen befahrbar bleiben, Investruinen und ungepflegte Grundstücke gefallen niemandem, um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Nur in der Einheit von aktiven Bürgern, Gemeindevertretern und Verwaltung liegt der Schlüssel für die Lösung unserer Probleme. Das ist die Grundlage für die Entwicklung zu einer Bürgerkommune. Das Zusammenleben in einer Gemeinde erfordert immer auch Kompromisse. Es ist stets abzuwägen, wie die Interessen des Einzelnen in Einklang mit den Interessen der Allgemeinheit gebracht werden können. Dass dabei nicht immer jeder glücklich wird, liegt in der Natur der Sache.
Aktuell sollte sich dieser Gedanke im künftigen Leitbild unserer Gemeinde niederschlagen, wobei der Schwerpunkt auf den inhaltlichen Aussagen liegt. Die Erarbeitung eines Corporate Design mag manchem schon wegen des Begriffes gefallen. Aber wieder einmal vorschnell viel Geld für externe Berater auszugeben, scheint mir der falsche Weg zu sein.
Christa Schumann Bürgerverein Wandlitz e.V.
Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 1. April 2015 )
 
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