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Drei tolle Tage: ... (Nr. 62) PDF Drucken
... Die Seele am See baumeln lassen - Kulturwochenende in Stolzenhagen
Steffen Köhler, der findige Wirt der „Fischerstube“ stand an diesem Wochenende ab und an im Wasser. Kalte Füße hatte er keine: Zufassen im See, zupacken an Land, kleine Hinweise, wenn es irgendwo
mal klemmte, Gläser fehlten... Immer dirigierte er ruhig und freundlich das diesjähriges Festspielunternehmen namens „Kulturwochenende“. Das hatte wieder was, war gewohnt super und lief wie am Schnürchen. Selbst einem Gewitterguss am Sonntag hielt das einfallsreiche „Rundum-Bühnenbild“ auf der Spielwiese stand.
Besagte Szenerie anheimelte durch unterschiedlichste Sitzgruppen und Gestühle. Diverse kubanische Kunstelementente, Gerahmtes und Ungerahmtes, ein Cuba-Rostlaubenauto, poppige Wegweiser, mehrere Bühnen, kubanische Kultur via Video, Rattan-Kunst u.a. säumten den Rundkurs. Etliche „Tankstellen“ für Bier und Mojito, der Fischbrötchen-Kutter, das Pasta-Monster nebst diversen anderen lukullischen Stationen machten Augen und Gaumen neugierig. Und natürlich dann auch satt.

Drei Tolle-Tage-Event mit prallen Angeboten

Und das fing mit einem gehörigen Freitags-Paukenschlag an: Theater im See. Studenten der Berliner Schauspielschule „Ernst Busch“ entfesselten (zur sichtlichen Freude ihres Regisseurs Michael Schweighöfer!) ihr wahrlich sprudelndes theatralisches Temperament. Skurrile Geschichte: Auf der winzigen Seebühne treffen sich zwei Paare und letztlich ein dubioser Feuerwehrmann, um über die unendlichen Parallelen von eigenen banalen Erlebnissen und gesellschaftlichen Realitäten zu lamentieren. Das absurde Ionesco-Stück „Die kahle Sängerin“ hatte Schweighöfer mit Stolzenhagener „Kolorit“ gewürzt, was die absurde Kost noch vergnüglicher (und schmackhafter) machte. Die Darsteller agierten klitschnass mehr im Wasser, denn auf dem Ponton. Mitleidsbekundungen gab es dafür viele. Dann ein wahrer Beifallssturm, der über den dunklen See brauste nachdem auch besagte (völlig sinnlos-absurde) kahle Sängerin auf dem (sehr konkreten) Schwan der Fischerstube herantraviatete. Herz, was willst du mehr...

Herzstück: Samstag dann 2. Lichterfest

Herzstück des Wochenendes war das 2. Stolzenhagener Lichterfest. Am schwimmenden Piano spielte der live-versierte Christian Korthals gar nicht piano heiße Rhythmen zum diesjährigen Motto: Kubanische Nächte.
Dazu natürlich bestes Wetter. Jürgen Krajewski, Stolzenhagens neuer Ortsvorsteher, strahlte bei seiner Eröffnungsansprache völlig verdient, fast wie der romantische pralle Vollmond über ihm. Konnte er sich doch ehrlich freuen über so viel erreichtes Rundum-Engagement der ortsansässigen Partner, Hilfen etlicher Firmen der Region, Leistungen privater Sponsoren und Engagement vieler freiwilliger Helfer, die ihren Ort unterstützten und damit auch Heimatverbundenheit demonstrierten.
Und auch der See hatte auf ganzer Länge seine Lichter zu vorgerückter Stunde aufgesetzt. Dutzende Stege vervielfachten ihre Illuminationen im Wasser, letzte Silvesterreserven verfeuerwerkten sich strahlend bunt über dem Wasser. Einfach toll, mit welchem Einsatz viele Anwohner hier das Fest illuminierten. Welche Steigerungen dann 2016?

Cuba mit allen Sinnen am Samstag


Tolles Highlight: Kuba sinnlich total. Zum vergnüglichen Ansehen der diversen Cuba-Requisiten kam nun die Möglichkeit, einige kubanische Spezialitäten aus Topf und Pfanne zu genießen, ja, sogar kubanisches Bier zu probieren oder diverse Cuba-Drinks zu konsumieren. Die schon gepfeffert!
Pfeffer für die Ohren brachte dann die kubanische Band „Sonido tres“ ins weite Rund. Sie reisten standesgemäß in einer P4-gesponserten Stretch-Limousine an. Sie präsentierte Rhythmen aus Originalinstrumenten und -kehlen, die so recht zur Romantik der Seeilluminationen passten, die zu Herzen und – dann zunehmend – auch ruck-zuck in die Beine gingen. Bunt illuminierter Salsa auf der Wiese. Ja. Das geht. Und wie.
Das war ein tolles mehrstündiges musikalisches Feuerwerk, das da über den Stolzenhagener See schallte. Wer aber die historische Variante der Musik erleben wollte, dem stand dazu als Kronzeuge für Cubafeeling der legendäre „Buena Vista Social Club“ per Großbildvideo zur Verfügung. Fast eine verspätete Abschiedstournee der alten Herren... Man genoss es.
Wer aber alle Lichter dieses Festes erleben wollte, konnte das aus Überwipfelhöhe erleben. Eine Hebebühne für supergroße Höhen machte das möglich. Romantik pur mit echtem Weitblick übers Lichtermeer. Toll. Auch diese Attraktion war kostenlos.

Kinowerbung von 1911 auf der Badewiese


Der dritte Abend des Kulturwochenendes, sicher nicht der spektakulärste, sicher aber ein besonderes Erlebnis für die (nach Gewitter) überraschend vielen Besucher.
Das war dann schon eine kulturelle Rarität, wie der deutschlandweit bekannte Filmpianist Stephan Graf von Bothmer die Stummfilmlegenden „Stan & Olli“ gleich viermal höchst emotional belebte, viel Wissenswertes zum Genre Stummfilm vermittelte und recht praktisch demonstrierte, wie in der Entstehungszeit der Filme (und auch heute) die fehlende Sprache durch die besondere Dynamik der musikalischen Begleitung ersetzt wurde. Ein wirklich großer Könner am Piano. Ein großer Abend. Ein wahrlich schönes Highlight dieser drei Tage.
Hermann Berger
Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 30. September 2015 )
 
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