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Alle Jahre wieder? (Nr. 63) PDF Drucken
Wieder ist es soweit – das Jahr neigt sich dem Ende, das neue blinzelt uns entgegen. Anlass und Gelegenheit, die letzten Monate Revue passieren zu lassen, über die Ereignisse mal in Ruhe nachzudenken und einen Blick auf das Kommende zu wagen.
Was wir bereits Ende 2014 mit Sorge betrachteten, hat sich im zurückliegenden Jahr weiter verstärkt und verschlimmert: Die Welt ist nicht friedlicher geworden, Kriege und bewaffnete Konflikte beunruhigen uns allenthalben, auch wenn diese Entwicklung durchaus sehr widersprüchlich verläuft. Es fällt uns immer schwerer, Gut und Böse auseinander zu halten, die Ereignisse richtig zu beurteilen und natürlich auch, die entsprechenden Schlüsse daraus zu ziehen. Doch mit ein bisschen klarem Menschenverstand und der Analyse der vielen Kommentare und Aktionen ergibt sich dann doch ein nachvollziehbares Bild. Da gab es diesen unglaublichen terroristischen Angriff gegen völlig unbeteiligte Menschen am 13. November in Paris. Das waren inakzeptable, durch nichts zu rechtfertigende Taten von Verbrechern. Weit über 100 Tote im Namen einer Religion, als Rachefeldzug. Ein nachvollziehbares Ergebnis wurde damit nicht erreicht, vielleicht war es auch gar nicht vorgesehen. Solche Verbrechen hatten stets nur ein Ergebnis: Die Rechtfertigung neuer militärischer Aktionen, die Bombardierung von ebenfalls unschuldigen Männern, Frauen und Kindern, die Aufrüstung von Staaten, die selbst zu den Verursachern des Terrors gehören.
Zeitgleich erreichte uns die Meldung: Acht tote Babys in einem kleinen beschaulichen Ort in Bayern. Sind das die Werte, die es zu verteidigen gilt? Gehört das zur abendländischen Kultur? Als vor Jahren ein ähnliches Verbrechen in Brandenburg entdeckt wurde, sah der Ex-Innenminister Schönbohm darin die „Proletarisierung des Ostens“. Haben wir das Recht, anderen Völkern zu verkünden, wie sie zu leben haben?
Wir dürfen nicht vergessen, dass der Westen im Mittleren Osten seit Jahrzehnten gemordet hat. Millionen Muslime, Frauen und Kinder hat er gefoltert und getötet. Der Westen hat im Mittleren Osten Krieg gesät. Jetzt kommt der Krieg nach Europa zurück. Warum trifft es Frankreich besonders? Wenn es darum ging, in der muslimischen Welt militärisch zu intervenieren, war Frankreich immer vorne dabei. Eine Million Algerier haben die Franzosen ermordet. (1)
Anstatt nun das zu tun, was hoch entwickelten angeblichen Demokratien zu Gesicht stünde, nämlich mit polizeilichen und geheimdienstlichen Mitteln die Täter und ihre Hintermänner zu ermitteln und sie strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen, schwingen die Politiker der westlichen Hemisphäre die Kriegskeule. Sarkozy beschwört den totalen Krieg, das Ende des letzten haben wir in diesem Jahr erneut feierlich begangen. Auch andere Politiker reden von Krieg, vom Weltkrieg, dem Krieg gegen den Terror, dem Ende von Frieden. Sind diese Leute tatsächlich zu dumm, aus der Geschichte die richtigen Lehren zu ziehen? Oder zeigt sich hier die Einschätzung des Funktionärs der IG Metall Gerhard Kupfer in aller Deutlichkeit: „Der Kapitalismus ist längst an seine Grenzen gestoßen. Sein ‚Ausweg‘ besteht in noch mehr Elend und im Krieg“.
Horst Schumann

(1) Nach Jürgen Todenhöfer, Publizist, ehem. MdB und CDU-Mitglied
Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 1. Dezember 2015 )
 
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