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Gesichter in Wandlitz (Nr. 66) PDF Drucken
Torsten Rosenthal – Betriebsleiter Z MOBILITY
„Schlagbaum“ und “Schlaglöcher“ kommen Torsten Rosenthal in Erinnerung, wenn er an die Straße von Schönerlinde nach Berlin
denkt. Mit seinem torsten-rosenthal-b-webVater ist er diese Straße oft genug gefahren und hatte sich immer über den Schlagbaum gewundert, der diejenigen, die damals „Hauptstadtverbot“ hatten, abhalten sollte, nach Berlin zu fahren. Über die Schlaglöcher wunderte er sich nicht, die waren normal. Nie hätte er sich jedoch träumen lassen, auf dieser Straße große und komfortable Reisebusse von Schönerlinde aus nach ganz Europa fahren zu lassen.
Aber der Reihe nach:
Torsten Rosenthal, geboren am 29. Oktober 1960 im Krankenhaus in Berlin-Buch, besuchte in jungen Jahren hin und wieder die Pathologie des Hauses. Sein Vater arbeitete dort als Sektionstechniker und Sohn Torsten, der ihn oft begleitete, war fasziniert von dieser Tätigkeit. Die Ausstellungsstücke hatte er bereits alle gesehen, als er mit 15 Jahren seinen Vater durch das Türfenster bei der Arbeit beobachtete. Von da an kam für ihn kein anderer Beruf in Frage. Zunächst wurde er aber Schlosser, da eine Ausbildung zum Facharbeiter für medizinische Sektionstechnik erst ab dem 18. Lebensjahr möglich war. Er absolvierte diese sobald wie möglich und stand dann endlich selbst am Sektionstisch. Die Armeezeit unterbrach seine berufliche Tätigkeit, während der er den LKW- und Busfahrerschein erwarb und danach als Busfahrer bei den Berliner Verkehrsbetrieben arbeitete. Torsten Rosenthal war inzwischen zweifacher Familienvater und konnte bei der BVG durch die vielen Überstunden mehr Geld als in der Pathologie verdienen. Nach einem Jahr wechselte er aber wieder in die Pathologie und fuhr nur nebenbei noch Bus und Taxi.
Im Jahr 1986 wurde Torsten Rosenthal erstmals bewusst mit den politischen Verhältnissen in der DDR konfrontiert. Es ging um seine Tochter und um „Westfernsehen“. Torsten Rosenthal entschied, nicht alles mehr wort- und tatenlos zu dulden und schloss sich der damaligen politischen Gruppierung „Arche“ an. Bei der letzten Wahl in der DDR im Mai 1989 war er bei der Wahlauszählung dabei, bei der die Beobachter auf 76 Prozent Wahlbeteiligung kamen, während in der offiziellen Version von 98 Prozent Wahlbeteiligung gesprochen wurde. Daraufhin erstattete Torsten Rosenthal beim Generalstaatsanwalt Anzeige gegen unbekannt wegen Wahlbetrugs. Am 7. Juni des Jahres, als die Wahlergebnisse in einem Schweigemarsch übergeben werden sollten, war Torsten Rosenthal nicht dabei. Einen Tag vorher hatte er eine Urkunde erhalten, die ihn und seine Familie des Landes verwies und innerhalb von sieben Stunden musste er mit Frau und Kindern die DDR verlassen. Die Familie kam nach Marienfelde in Westberlin und lebte bis Dezember in einer Fabrikhalle. Der Busfahrer, Pfleger und staatlich anerkannter medizinischer Sektions- und Präparationsassistent besorgte sich Zeitungen, studierte den Arbeitsmarkt und fand sehr schnell eine Tätigkeit in einem Reisebusunternehmen. Nicht nur, dass er endlich andere Länder kennenlernte, konnte er auch seine Kenntnisse als Krankenpfleger einbringen, denn vorwiegend war er mit Reisenden unterwegs, die eine Behinderung hatten. Als der Firmenchef verstarb, machte er sich 1995 selbstständig und spezialisierte sich auf behindertengerechte Busse. Über einen Fahrer kam Torsten Rosenthal mit dem Chef des großen Busunternehmens „Mobility“ Werner Ziegelmeier mit Sitz in Bayern in Kontakt und beide beschlossen, in Berlin eine „Mobility“ Zweigstelle zu eröffnen. In Schönerlinde fand Torsten Rosenthal ein passendes Grundstück für dieses Vorhaben. Sein Plan, im vorderen Bereich die Busse zu parken und im hinteren Teil ein Wohnhaus zu bauen, stieß dann in der Gemeindeverwaltung in Wandlitz auf Ablehnung, denn für Schönerlinde gibt es eine Ortsgestaltungssatzung, die vorsieht, dass die Wohnhäuser in der ersten Baureihe zu stehen haben. Der „Mobility“- Betriebsleiter beschwerte sich daraufhin bis zum Landtag und siegte letztendlich in einer geheimen Abstimmung in der Gemeindeversammlung. Jetzt sind auf dem Grundstück von der Straße aus die schwarzen „Mobility“ - Busse zu sehen, mit denen Torsten Rosenthal Gruppen- und Vereinsreisen durchführt, aber hauptsächlich ältere und behinderte Menschen befördert. Er arbeitet u.a. für verschiedene Senioreneinrichtungen, den Malteser-Hilfsdienst und die Arbeiterwohlfahrt.
Torsten Rosenthal ist über einige Umwege wieder da sesshaft geworden, wo er aufgewachsen ist, er hat seine persönlichen „Schlaglöcher“ gemeistert und ist seine eigenen Wege gegangen, wenn sich „Schlagbäume“ ihm in die Quere stellten.
Kefrin Simon
Letzte Aktualisierung ( Montag, 30. Mai 2016 )
 
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