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Prenden ein Kleinod in der Mark (Nr. 66) PDF Drucken
Ob die ersten Siedler vor 710 Jahren wussten, dass dieser Ort sich so lange halten wird und kein Ende in Sicht ist? Einen perfekten Platz hatten sie jedenfalls gewählt. Prenden liegt zwischen dem Strehlesee und dem Bauersee. Beide sind Reste der letzten Eiszeit vor zirka 12.000 Jahren. Auch das hüglige Erdreich rings um Prenden entstand damals. Als die gigantischen Gletscher sich ausbreiteten, schoben sie das Erdreich vor sich hin, und so entstanden die Endmoränen, wie diese Hügellandschaften im Fachjargon genannt werden. So gesehen ist die Barnimer Landschaftsbildung relativ jung im Vergleich zum Harz oder den Alpen. Übrigens, die höchste Erhebung liegt nördlich vom Strehlesee am Stromberg und beträgt für hiesige Verhältnisse beachtliche achtzig Meter. Bemerkenswert ist auch, dass die Prendener Seenplatte, bestehend aus dem Strehlesee, dem Bauersee und dem Mittelprendensee, welche man gut umwandern kann, über den Eiserbudersee zum Finowkanal und über die Oder zur Ostsee abfließt. Hingegen fließen die Wandlitzer Seen über die Briese bis Birkenwerder in die alte Havel, dann in die Elbe und zur Nordsee ab.
Ein echtes Wahrzeichen
riesenstein von Prenden ist der Riesenstein, welcher am Ostufer des Strehlesees liegt. Die Eiszeit hat ihn von Mittelschweden kommend hierher transportiert. Immerhin wiegt er dreiundzwanzig Tonnen und misst zehn Meter im Umfang. Einen Ausflug ist er allemal wert. Der Sage nach soll den Teufel das Läuten der Prendener Kirchtumglocken genervt haben. Aus Wut warf er drei Steine, die die Kirche zerstören sollten. Allerdings traf er nicht. So landeten zwei Steine neben dem Strehlesee und einer im Wandlitzsee. Das Spritzen im Wandlitzsee erzeugte dabei übrigens die drei heiligen Pfühle.
Zurück nach Prenden. Hier fand man die erste urkundliche Erwähnung 1306. Den Ort nannte man damals „tu Pranden“. Der Name wechselte häufig im Laufe der Zeit. 1375 nannte man ihn „Pranden“ und 1428 hieß er „van der prandow“. 160
8 „Prentze, 1668 „Dorff Prenden“ und 1805 „Prenden“. Die Auflistung ist nicht vollzählig.
Was ist sehenswert in Prenden?
Etwas außerhalb in Richtung Klosterfelde sieht man auf der rechten Seite ein architektonisches Kleinod im Ortsteil Neudörfchen. Die Anlage enthält viel Holz und Naturbaustoffe, da viel Wert auf Nachhaltigkeit und Ökologie gelegt wurde. Hier betreibt der Verein Hiram e.V. ein soziales Projekt. Abhängige Menschen werden hier betreut. Durch eine Tätigkeit in der biologischen Landwirtschaft werden die Betroffenen wieder an ein normales Leben therapeutisch herangeführt.
Die größte Sehenswürdigkeit in Prenden ist die Dorfkirche. Sie wurde kirchezwischen 1550 und 1650 erbaut als Nachfolge eines kleineren Kirchenbauwerkes. An der Nordseite befindet sich ein Fenster mit Originalverglasung aus dem siebzehnten Jahrhundert. Der farbige Schnitzaltar stammt aus dem Jahre 1611 und die Orgel im westlichen Teil aus dem Jahre 1888. Bemerkenswert ist der Fachwerkturm. Er besteht aus dem sichtbaren äußeren Fachwerk und dem inneren Fachwerk, welches die Glockenanlage beherbergt. Ursprünglich spendete Otto Christoph von Sparr drei Glocken in unterschiedlicher Größe. 1905 zersprang die große Glocke. Sie wurde daraufhin umgegossen. Die zwei kleineren Glocken wurden sinnlose Opfer der Rüstungsindustrie für den ersten Weltkrieg. 1998 begann eine umfangreiche Sanierung. Auf Grund der Feststellung erheblicher Bauschäden wurde der gesamte Turm abgebaut und wiederaufgebaut. Auch der Dachstuhl des Kirchenschiffes wurde erneuert.
In der Dorfstraße 42 in der Nähe der Dorfmitte steht ein dreihundertjähriges Bauernhaus. Hier handelt es sich um ein Dielenhaus, welches Wohn- und Stallteil in Einem vereint. Das Gebäude ist ein seltenes Beispiel für die Mischform von Ern- und Mittelflurhaus.
In der Mühlengasse 11/12 am Ortsrand von Prenden kann man ein ehemaliges Büdnerhaus bewundern, welches gegen 1800 entstand. Die Raumaufteilung mit den Lehmwänden und Decken ist fast komplett erhalten.
Die Schmiede in der Dorfstraße stammt aus dem neunzehnten Jahrhundert und ist ein zweckmäßiger Ziegelbau, welcher auf einem sichtbaren Feldsteinfundament steht. Im achtzehnten Jahrhundert wurden hier hauptsächlich die Hufe der Pferde beschlagen.
Südwestlich von Prenden befindet sich das Objekt 175001. Dahinter verbirgt sich ein Areal von rund zweihundert Hektar. Auf dem Gelände weihten Erich Honecker, Erich Mielke und Egon Krenz 1983 die Führungsstelle des nationalen Verteidigungsrates der DDR ein. Nach 1990 wurde diese Anlage als Honeckerbunker bekannt. Es war die modernste Bunkeranlage gegen Atomschläge innerhalb der Warschauer Vertragsstaaten außerhalb der Sowjetunion. Der eigentliche Bunker besitzt drei Etagen und misst rund 50 Meter Breite und 76 Meter Länge. Ein Besuch der unterirdischen Anlage war leider nur im Herbst 2008 möglich. In diesem Zeitraum kamen über 20.000 Besucher. Der Verein „Bunker 5001 e.V.“ bemüht sich um den Erhalt der Anlage und arbeitet darauf hin, dass Besichtigungen wieder durchgeführt werden können.
Die alte Schule in der Dorfstraße 13 gab es seit 1829. 1966 wurde der Unterricht in Prenden eingestellt, da es zu wenige Kinder gab. Die Verbliebenen gingen von nun an nach Klosterfelde.
Der größte Betrieb in Prenden war die Fleischerei Ambrosius. Sie startete 1938 mit acht Personen und musste 1991 leider mit 80 Mitarbeitern schließen. Die Firma befand sich in der Ruhlsdorfer Allee.
Der Fremdenverkehr erreichte Prenden gegen 1900. Den damaligen Luftkurort Prenden prägten eine stattliche Anzahl an Cafés und Lokalen. Ein Kurhaus und Pensionen entstanden für die Erholungssuchenden. Genannt seien das Café zur historischen Mühle am Strelesee, der Gasthof zu den drei Linden, die Gaststätte Engelhardt und das Café am Bauernsee. Heute gibt es das Jagdhotel und die Gaststätte am Golfplatzgolfklub mit hervorragender Küche. Unter Golfern ist Prenden übrigens schon lange bekannt. Ortsvorsteher Hans-Joachim Auge meinte bei einer gemeinsamen Besichtigung der Golfanlage, dass es aus heutiger Sicht die richtige Entscheidung war, auf diesem Gelände einen Golfplatz zu errichten. Als Alternative hätte man in den 90-er Jahren ein Gewerbezentrum oder ein Logistik-Großlager errichten können wegen der günstigen Autobahnanbindung. Besonders stolz ist Auge auf den Spielplatz für die Kinder. Neben dem Tischtennis-, Fuß- und Basketballspiel kann man hier auch klettern, bal
brgerhausancieren und geschicklichkeitslaufen auf dem welligen Gummiband. Im Regenfall gibt es eine Überdachung zum Unterstellen. Leider wird die Anlage am Ortsausgang in Richtung Klosterfelde zu wenig genutzt, klagt der Ortsvorsteher. Offensichtlich sind die drei- bis fünfhundert Meter Fußmarsch zum Spielplatz zu weit. Hingegen wird der Stellplatz für Wohnwagen gleich nebenan zunehmend von Urlaubern genutzt.
Im neu errichteten Bürgerhaus von 2004 findet das Gemeindeleben von Prenden statt. Hier treffen sich Vereine und wöchentlich die Jugendarbeiterin mit Interessierten. Auch diverse Feste und Feiern finden hier statt.
Nebenbei erwähnt zählt Prenden aktuell 471 Einwohner und hält sich tapfer in dieser Größenordnung. Das Problem ist, so Hans-Joachim Auge, dass ältere Bürger versterben und die Grundstücke verkauft werden. Allerdings nur teilweise an junge Familien, die nach Prenden ziehen und dort leben. Oft werden die Grundstücke als Wochenendimmobilie genutzt. Diese Leute wohnen und leben in anderen Regionen und Bundesländern, sind aber an schönen warmen sonnigen Wochenenden in Prenden. Der Kreis der aktiven Prendener, die etwas für Prenden erreichen wollen, wird immer kleiner. Der Anteil derer, die in Prenden schlafen und in Berlin arbeiten, steigt. So entstand direkt neben dem Golfplatz eine typische Großstadtvorortsiedlung - für Prenden untypisch.
Abschließend sei gesagt, Prenden ist immer einen Besuch wert. Man muss eben nur genauer hinschauen. Zum Beispiel die Badestelle am Bauersee oder am Donnerstag, da ist Fischtag am Strelesee. Frischer geht’s nimmer.
Wolfgang Kirschner
Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 31. Mai 2016 )
 
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