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Waldsiedlung Wandlitz – (Nr. 66) PDF Drucken
ein Büchlein der besonderen Art
(„Summi und Brummi erklären mir den Wald. Sie kommen aus dem Glashaus und sehn ihn schrecklich kalt …“)
Man kann den Ruf einer Gemeinde auf vielfältige Art ruinieren. Auch
ein kleines Büchlein ist dazu geeignet, besonders wenn es viele, eigentlich viel zu viele Denk-, Darstellungs- und Verständnisfehler enthält. Schon die gegenüber den Medien gemachte Behauptung, man habe bewusst auf die Mitwirkung von Zeitzeugen verzichtet, ist schlicht unwahr. Bereits im Oktober 2015 wurde ich von beiden Autorinnen herzlich gebeten, an einem Projekt mitzuarbeiten. Man benötige mich als Zeitzeugen und sei besonders an Originalmaterialien aus der Siedlung interessiert. Natürlich gegen Sicherheiten usw. Besonders abwegige Thesen versuchte ich bereits bei diesem Gespräch „auf die Füße zu stellen“. Nachdem ich dann die bereits durch die Geldgeber „abgesegnete Konzeption“ gelesen hatte, habe ich „mit Rücksicht auf meine Magenschleimhäute“ eine Bereitstellung von Materialien abgelehnt. Unabhängig davon steht noch immer dieser Widerspruch im Raum, der da Mitte April in der MOZ zu lesen war. Hatte es da ein Problem mit einem Schulleiter gegeben, weil eine Ministerin arrogant und überheblich war, oder weil da die Vorgesetzten eines Schulleiters sich in der Hierarchie der Verwaltung übergangen fühlten? Eine Klarstellung hätte längst in der MOZ stehen müssen. Zur Autorin aus dem Amt hatte sich das Heidekraut Journal - jedenfalls zu ihren sonstigen Praktiken, recht sarkastisch geäußert. Das „Peter-Prinzip“ wirkt eben.
Nun aber einige Gedanken und Fakten zu diesem Büchlein, welches ich dennoch mit Interesse gelesen habe. Dabei habe ich allerdings auch feststellen müssen, dass eine Reihe von sachlichen Fehlern die Arbeit durchgängig beherrschen, auf die ich näher eingehen möchte.
Das Kleinformat erscheint zunächst handlich, praktisch, andererseits hat ein Brillenträger Probleme. Eine Menge von Objekte wurde beschrieben. Das ist aber m.E. keine Erklärung für Oberflächlichkeit und Falschdarstellungen. Nur einige Beispiele:
Vermutlich ist bei den „wissenschaftlichen Recherchen“ entgangen, dass es neben den Veröffentlichungen zur Waldsiedlung auch zum Thema Bunkerbauten mehrere gewichtige Bücher gibt, die man auch in Wandlitz käuflich erwerben kann, wenn man denn will. Billiger kommt, und wird man, wenn man das übersieht.
Zunächst der Reihe nach:
Seite 16: „Das infrage kommende Waldstück (für die Siedlung) war Volkseigentum und wurde seit 1954 von der Gemeinde Bernau verwaltet“. Diese „Wissenschaftler“ sind so sträflich lustig. Beim nächsten Hussitenfest wird der Stolz der Bernauer dennoch ungebrochen sein. Dieser Wald war und ist Eigentum der Stadt Bernau lt. Urkunde mindestens seit 1406. Statt gewissenhafter Recherche wu rde dann, wahrscheinlich aus Zeitmangel, der „Springer“ weiter getrieben. Weiterhin - natürlich gehörte der Sonderbaustab 10 nicht zum MfS, sondern zum Büro des Ministerrates. Aber Stasi klingt zeitgemäßer.
S. 24/25: „Zu den Schutzmaßnahmen für die führenden Repräsentanten gehörte auch der Regierungsbunker in Prenden, in dem im Ernstfall eines Atomkrieges alle Bewohner des Innenringes unterkommen sollten.“ Das sind so peinliche Behauptungen, wie sie nicht mal in der Wendezeit behauptet wurden. Welchen Sinn hatte dann der „Familienbunker in dieser Siedlung? (S. 54) -Eine geradezu bodenlose Übertreibung der Autorinnen ist auch diese Behauptung, das Objekt 5001 habe eine Milliarde Mark gekostet. Ich empfehle dazu „Befehl FILIGRAN“ 6. Auflage S. 25 letzter Absatz aber auch bis zu Ende lesen und zu verstehen.
Es waren 235,0 Mio. Mark. Laut Programm DELPHIN, sollten im Verlauf von über zehn Jahren rund 70 größere Bunker gebaut werden. - dafür sollten insgesamt 2,04 Mrd. Mark verbaut werden. Das wurde nicht einmal ansatzweise erfüllt.
S. 51/52: Die Behauptung zum Gelände der VP-Bereitschaften ist eben nicht nur in meinen Augen keine „lässliche Sünde“. Es liest sich wie die Ergüsse aus dem Fundus einer wissenschaftlichen Geisterbahn, die „22. Nachrichtenbereitschaft samt Funkleitstelle des MfS funktionierte weitgehend autonom“ …– man muss eben Phantasie haben, um es zu verstehen und wenig Zeit, um so etwas zu prüfen, einfach weil da munter Dichtung, Wahrheiten und Halbwahrheiten aus nicht verstanden Dokumenten als Tatsachen behauptet werden.
Und nicht zuletzt, es gäbe da auch Fragen, nach der Arbeitszeit und Entlohnung zu diesem Werk. Daraus ergibt sich für mich der bedauerliche Befund, dass es nicht vertretbar ist, Steuergelder und die Finanzen der Gemeinde für derartige Projekte einzusetzen, die offenbar nicht wissenschaftlichen Mindestanforderungen genügen.
Der Leser möge sich seine eigene Meinung bilden.
Paul Bergner, Basdorf
Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 26. Mai 2016 )
 
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