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Schönerlinde - wechselhafte Schicksale (Nr. 67) PDF Drucken
wappen-schnerlindeWenn der Ort Schönerlinde neben anderen Dörfern schon 1242 wandlitzer-wappenurkundlich erwähntes Handelsgut der Markgrafen Johann I. und Otto III. einerseits und Lehniner Klostermönchen andererseits war, so wird die Entstehung sicher lange davor liegen. Nachweislich ist, dass die Zisterziensermönche einen Wirtschaftshof - den alten Hof (Altenhof) - errichteten, um die neu erworbenen Ländereien besser zu verwalten. Sie wählten die Stelle nordöstlich vom heutigen Klärwerk an der alten Heerstraße von Blankenburg nach Eberswalde. Wer sich nördlich der Milchviehanlage auf dem alten Heerweg bewegt, kann die Stelle kurz vor der Grenze zu Schönwalde leicht finden.
bockwindmuehleGenau dreihundert Jahre später, also 1542 wechselte im Zuge der Reformation die Zuständigkeit für Schönerlinde. Es wurde nun vom Amt Mühlenbeck verwaltet. Der alte Hof und weitere Klostergüter übernahm der Kurfürst Joachim II. Hector, der übrigens damals die Gräber seiner Vorfahren vom Kloster Lehnin in die Hof- und Domkirche des Schlosses in Berlin überführte. Die Zuständigkeit für Schönerlinde wechselte in der Geschichte häufig.
Im dreißigjährigen Krieg wurde Schönerlinde immer wieder Opfer von schnerlinde-gemeindehschnerlinde-gemeindehaus-bPlünderungen und Zerstörungen. Der alte Hof wurde aufgegeben und verlassen. Die Ackerflächen wurden zerstört. Eine Landwirtschaft fand nicht mehr statt. Überall entstanden kleine Kieferschonungen. Nach den Kriegswirren versuchte der Kurfürst Friedrich Wilhelm die Gegend wieder zu beleben, indem er holländische Bauern ansiedelte. Vier Jahre nach Kriegsende, also 1652 wechselte wieder die Gerichtsbarkeit für Schönerlinde. Aus Liebe zu seiner Ehefrau Luise Henriette von Oranien, Tochter des Stadthalters Friedrich Heinrich von Oranien von Den Haag, welche er 1646 heiratete, schenkte er ihr die Stadt Bötzow. Dort baute er ein Schloss im holländischen Stil und nannte es Oranienburg. Der Name wurde von der Stadt übernommen. Also gehörte Schönerlinde von nun an zu Oranienburg. Gleichzeitig baute er ein Vorwerk zur Schafzüchtung südlich vom alten Hof an der Heerstraße.
1701 führte der König von Preußen die Anpflanzung von Kartoffeln ein, da die Getreideernte auch in Schönerlinde von Jahr zu Jahr schlechter wurde. Schönerlinde belieferte mit seinen Ernteerzeugnissen vor allem Charlottenburg und die Berliner Umgebung. Aus dieser Zeit müsste die alte Bockwindmühle stammen, die noch westlich der L100 Richtung Schönwalde hinter den Häusern bewundert werden kann. Ein Fußweg führt direkt dorthin.
Aber auch im 18. Jahrhundert ging es den Schönerlindern nicht wirklich gut. 1738 ereignete sich ein Großbrand im Dorf, dem mehrere Höfe zum Opfer fielen. 1755 vernichtete ein schwerer Hagel zwei Drittel der Ernte. Danach brach eine Dürre aus. Die Schönerlinder verarmten derart, dass sie beim König betteln mussten. Vom aufgezeigten Gesamtschaden um etwa 2.300 Taler erhielten sie nur 240.
In der Besetzungszeit durch Napoleon kam es zu dem schlimmsten Brand der Geschichte von Schönerlinde. In der Nacht vom 23. zum 24. August 1810 zündete eine Diebesbande das Pfarrhaus an. Das Feuer zerstörte das Haus und alle Gehöfte westlich der Kirche. Auch die erst schnerlinde-kirche2-bachtzehnjährige Schule brannte nieder. Vier Menschen fanden den Tod, 47 Familien wurden obdachlos und standen über Nacht vor dem Nichts. Von diesem Schlag erholte sich Schönerlinde lange nicht. Zwei Jahre später, also 1812 musste Schönerlinde für die nach Russland ziehenden Franzosen trotz Armut Lebensmittelversorgung leisten. Beim Rückzug der Franzosen plünderten, raubten, brandschatzten, vergewaltigten und mordeten die Soldaten in Schönerlinde neun Tage lang auf das Übelste.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts berbesserte sich die Situation. Durch die Anbindung an Mühlenbeck und Oranienburg entwickelte sich der Ort in Ost-West-Richtung entlang der Bernauer Heerstraße. Es war ein reines Straßendorf. 1830 begann man eine Chaussee von Berlin nach Prenzlau zu errichten. Diese führte in Schönerlinde von Süd nach Nord. 1831 wurde an dieser Chaussee südlich von Schönerlinde das Vorwerk Lindenhof errichtet, welches damals zum Ortsgebiet von Schönerlinde gehörte. Die Gebäude werden noch heute teilweise bewohnt und bewirtschaftet. Langsam erholte sich Schönerlinde vom Brand und den Kriegswirren. Als Vorteil zeigt sich die Nähe zur Metropole Berlin. Hier wurden die Bauern ihre Produkte wie Milch, Butter, Eier, Brot und Kartoffeln zu einem guten Preis los. Dadurch stieg auch die Einwohnerzahl auf gut 500 Menschen Mitte des Jahrhunderts an. Nach den Preußischen Kriegen 1864,1866 und 1870/71 bildeten sich in Schönerlinde Krieger- und Schützenvereine.
Im Zuge des Wachstums von Berlin wurde eine moderne Kanalisation nötig. Das Abwasser sollte auf Rieselfeldern natürlich gereinigt werden. Hierzu benötigte Berlin große Flächen. In der Zeit von 1892 bis 1910 verkauften die Land besitzenden Schönerlinder den größten Teil ihrer Ländereien für anfangs 450 Mark und später für 1.500 Mark je Morgen an den Magistrat von Berlin. Da seit 1985 durch den Bau einer Kläranlage die Rieselfelder überflüssig wurden, forstete Berlin die Flächen teilweise wieder auf. Auch heute ist Berlin Eigentümer großer Gemeindeflächen von Schönerlinde. Auf Grund dieser Verkäufe wurden um 1900 viele Schönerlinder Landarbeiter arbeitslos und mussten sich neu orientieren. Sie fanden aber schnell in Berliner Fabriken neue Arbeit. So gab es die ersten Pendler in Schönerlinde. Bis 1910 errichtete der Magistrat von Berlin das Gut Schönerlinde an der Straße nach Mühlenbeck. Es sollte die Rieselfelder verwalten. Seit 2009 befindet sich hier das Archiv der Berliner Stadtgüter, das mit einer Ausstellung die Geschichte der Berliner Stadtgüter und ihrer Gutshöfe von der Kaiserzeit bis heute darstellt. Aktuell firmiert die Einrichtung als „Stadtgut Nord – Gut Schönerlinde/Wansdorf“. Von Beginn des 18. Jahrhundert bis 1914 erwirtschaftete Schönerlinde sich einen gewissen Wohlstand, nicht zuletzt durch den gewinnbringenden Verkauf der Ländereien. Die Leute hatten Geldvermögen. Danach ging es wieder abwärts. Im ersten Weltkrieg verlor Schönerlinde dreiunddreißig junge Männer. Ein Denkmal an der Kirche erinnert an sie. Durch die folgende Inflation verloren die Schönerlinder ihr Vermögen. Wenn 1910 zehntausend Reichsmark reichten, um ein Geschäft zu eröffnen, waren 1922 zehntausend Reichsmark gerade ausreichend für ein Brötchen. Ende der zwanziger Jahre ließen sich auch viele Schönerlinder von den Nationalsozialisten vereinnahmen. 1929 wurde eine Ortsgruppe der NSDAP gegründet. 1935 wurde dann das Gemeindehaus renoviert und erweitert, ein neues Feuerwehrhaus kam 1936. Im Zweiten Weltkrieg wurde östlich von Schönerlinde am Hobrechtsfelder Weg eine Flak-Stellung errichtet, deren Bunkerruinen noch auf dem Feld nahe einem Wäldchen zu finden sind. Nach dem Krieg folgten die Boden- und Währungsreform. Deshalb flüchteten viele Bauern nach Westdeutschland. Die von der Bodenreform verschonten und die neu hinzugekommenen Bauern, die Land erhielten, schlossen sich in den fünfziger Jahren zu Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) zusammen.
Nach der endgültigen Teilung von Berlin 1961 wurde auch die Heidekrautbahn durch die Grenzführung in Wilhelmsruh unterbrochen. Mitte der sechziger Jahre konnte ein neuer Teilabschnitt errichtet werden, der von Blankenburg über Schönerlinde nach Schönwalde führt. Somit erhielt Schönerlinde 1966 einen eigenen Bahnhof.
schnerlinde-klrwerk-bNeben dem Bau der Kläranlage 1985 baute man auch Wohnungen und einen Kindergarten für die Arbeiter in der Kläranlage. Diese in Berliner Besitz befindlichen Wohnblöcke an der Mühlenbecker Straße waren damals modern und gut, sind aber heute sanierungsbedürftig.
Gegenüber dem erst vor kurzem sanierten Kindergarten befindet sich der Bolzplatz der Schönerlinder Kicker. Warum man diesen Bolzplatz nicht gleich mit saniert hat, ist fragwürdig. So hat das eigentlich schöne Areal von Kindergarten und Spielplatz einen Schandfleck.
Wie vom Ortsvorsteher Frank Liste zu erfahren war, bemühen sich die jungen Eltern, die sich täglich am Kindergarten begegnen, ein gemeinsames Dorfleben zu organisieren. So werden auch gemeinsame Aktivitäten durchgeführt, welche nicht den Bezug zum Kindergarten haben. Für dieses Ziel gibt es den Verein „Schön Schöner Schönerlinde Interessengemeinschaft e.V.“, der sich erst 2014 gründete. Auch die Jugendlichen treffen sich im Gemeindehaus, so der Ortsvorsteher. Für Neugierige gibt es auch in diesem Ortsteil Einiges zu entdecken aus junger und alter Geschichte. Es lohnt sich.
Wolfgang Kirschner
Letzte Aktualisierung ( Freitag, 5. August 2016 )
 
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