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Stolzenhagen, klein aber fein (Nr. 68) PDF Drucken
wappen-stolzenhagenWie viele andere Orte in der Gegend wurde auch Stolzenhagen 1242 von den Markgrafen Johann I und Otto III an das Kloster Lehnin verkauft. Die Mönche bewirtschafteten die gesamte Gegend fast dreihundert Jahre. Erst im Mittelalter im Zuge der Lutherischen Reformation, man schrieb das Jahr 1542, wurde Stolzenhagen dem Kurfürsten Joachim II zugesprochen. Zuständige Verwaltung war das Amt Mühlenbeck. Im folgenden Jahrhundert machte der dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 auch vor Stolzenhagen nicht halt. Kriegswirren und Pest ließen die Einwohnerzahl von etwa 165 Einwohnern auf dreizehn Familien schrumpfen. Anschließend hatte Stolzenhagen rund 170 Jahre Ruhe vor Kriegen und fremden Herren. Zu Beginn des neunzehnten Jahrhundert kam die napoleonische Besetzung. Im Jahre 1807 erließ die Besatzungsmacht eine Verfügung, ein Edikt, wonach die Bauern das Land kaufen konnten, auf dem sie arbeiteten. Die eigentliche Besiedlung von Stolzenhagen erfolgte erst im zwanzigsten Jahrhundert. So entstanden um 1905 die ersten Häuser in der Kolonie West dicht an der benachbarten Ortschaft Wensickendorf. Ab 1907 kamen die ersten Niederlassungen am nördlichen Rahmersee und ab 1910 die ersten Gebäude in der Kolonie Hildebrand dazu. Nach dem ersten Weltkrieg und inkirche-st-hagen den zwanziger Jahren entwickelten sich zügig die Kolonie Stolzenfels und die Siedlung West, so dass Stolzenhagen um 1930 rund 670 Einwohner zählte. Nach dem zweiten Weltkrieg und später zu DDR-Zeiten änderte sich der Dorfcharakter von ursprünglicher Ackerwirtschaft hin zur Viehwirtschaft durch die Zusammenlegung der einzelnen Bauernwirtschaften zu gemeinschaftlichen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, den LPG. Stolzenhagen bewirtschaftete durch diese Zusammenlegung rund 55 Hektar Land.
In den siebziger Jahren entstanden in Stolzenhagen viele Bungalows auf Wochenendgrundstücken. Weiterhin wurde am Südende des Sees eine Badestelle eingerichtet, welche noch heute in Betrieb ist und sich wachsender Beliebtheit erfreut. Nach der Änderung der Verwaltungsstruktur von Bezirken und Gemeinderäten in Landkreise und Ämter war Stolzenhagen eine selbstständige Gemeinde. Die Verwaltungsaufgaben wurden allerdings vom Amt Wandlitz übernommen. Seit 2003 ist Stolzenhagen ein Ortsteil der Gemeinde Wandlitz. Damit ging die Selbstständigkeit verloren. Dies wollten die Stolzenhagener nicht hinnehmen und legten Verfassungsbeschwerde beim Brandenburger Verfassungsgericht ein. Allerdings wurde diese Beschwerde 2005 zurückgewiesen. Skeptisch verfolgt man in Stolzenhagen die Entscheidungen der Gemeindevertretung. Man befürchtet Benachteiligung gegenüber den Ortsteilen mit einer höheren Bevölkerungszahl, was immer wieder mit Misstrauen betrachtet wird. Gemeindevertreter aus Klosterfelde, Wandlitz und Basdorf entscheiden hauptsächlich, ob zum Beispiel Schönerlinde Geld für ein Dorffest bekommt oder ob in Stolzenhagen bestimmte Entwicklungen gefördert oder gebremst werden. Die einst geschworene Solidargemeinschaft, dass alle Gemeindevertreter für die Belange eines Ortsteiles stimmen, wird immer wieder in Zweifel gezogen. So entstand auch die Wählergemeinschaft „Pro Stolzenhagen“, die allerdings ihre Bedeutung verloren hat. Über mehrere Jahre hatte Stolzenhagen keinen Vertreter in der Gemeinde, was mit zu der Unzufriedenheit beigetragen haben kann. Aber hier zeigt sich, dass ein übertriebener „Lokalpatriotismus“ letztlich nur schadet. Das kann man auch anderen Ortes verfolgen.
Heute teilt sich Stolzenhagen in verschiedene Siedlungen auf, die nicht unterschiedlicher sein können. Im Norden liegt das
68stolzenhagenhoechsterpunkt Liebenwalder Ende bis zum Zickenpfuhl. Es folgt der alte Dorfkern um den Anger und südwestlich die Kolonie West. Östlich vom Stolzenhagener See liegt die Kolonie Stolzenfels neben der Stolzenhagener Heide, welche an die Wandlitzer Gierwiese angrenzt. Südlich vom Stolzenhagener See liegt die Siedlung Hildebrand, welche sich auch am Ufer vom Wandlitzsee erstreckt. Am Nordufer vom Rahmersee befindet sich die südlichste Siedlung von Stolzenhagen. Sie grenzt bis an die Wasserverbindung zwischen Rahmersee und Wandlitzsee. Jede Siedlung für sich hat ihre Eigenheiten, Probleme und Vorteile. Durch die zuletzt genannte Siedlung verläuft die Bundesstraße B273. Durch den erheblich gestiegenen Durchreiseverkehr wird schon seit Jahren ein separater Radweg gefordert. Er wurde mehrfach versprochen, bis heute allerdings nicht realisiert. Auch der ständig steigende Lärmpegel an der B273 stört die Anwohner und die dort ansässigen Gastronomie-, Hotel- und Freizeitunterhaltungsbetreiber. Sie hätten es gern ruhiger für ihre Gäste. Ähnliche Probleme gibt es in der nördlichsten Siedlung von Stolzenhagen. Hier hört man die in der Nähe befindlichen Windräder rund um die Uhr, sofern Wind weht. Das menschliche Ohr hört in der Regel zwischen 16 Herz als untere Grenze und 16.000 bis 20.000 Herz als obere Grenze. Wahrnehmbaren Schall der unter 16 Herz liegt, nennt man Infraschall. Geräusche über 20.000 Herz nennt man Ultraschall. Da der sogenannte Infraschall zwar nicht direkt gehört wird, ist er doch vorhanden und messbar. Durch seine permanente Existenz kommt es bei manchen Menschen zu gesundheitlichen Beschwerden und Erkrankungen. Dies stellt ein Problem dar, welches von der Windradindustrie ignoriert und mit vielen gut bezahlten Studien angefochten wird. Nicht ohne Grund gibt es in anderen Bundesländern eine 10H-Regelung, welche die zehnfache Entfernung von Windrädern zu Siedlungen zur Bauhöhe der Windräder vorschreibt. Die Brandenburger Regierung in Potsdam lehnt diese Regelung ab. Allerdings musste sie in den letzten Jahren den vorgeschriebenen Abstand von 800 auf 1.000 Meter erhöhen. Ursprünglich waren die Windräder zwischen 50 und 100 Meter hoch. Da machte eine solche Regelung noch Sinn. Moderne Windräder erreichen rund 250 Meter Höhe. Dass hier der Infraschall eine ganz andere Dimension hat, versteht eigentlich jeder. Die Bewohner am Liebenwalder Ende müssen ihn leider ertragen.
Trotz dieser Probleme ist Stolzenhagen ein Ort, der einen Besuch wert ist. Am Wandlitzsee gelegen und vom Stolzenhagner und Rahmersee mit den Badestellen umschlossen, bieten sich dem Besucher schöne Landschaftsblicke über das weite Land, erholsame Waldflächen, unterschiedliche Siedlungsstandorte sowie Gaststätten, wo man gern bei einem Kaffee einfach mal Pause macht. Der großzügige Spiel- und Sportplatz lädt Kinder zum Toben und Erholen ein.
Wolfgang Kirschner
Letzte Aktualisierung ( Freitag, 30. September 2016 )
 
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