Klosterfelde... (Nr. 69) PDF Drucken
Holz, Holz und nochmals Holz
Woher der Name Klosterfelde stammt, ist unbekannt. Ein Kloster gab es hier nie. Erst 1242 kam Klosterfelde wie alle anderen Ortsteile von Wandlitz durch einen Tauschvertrag in den Besitz des Klosters Lehnin. Unter der Markgrafenherrschaft blühte das Land auf und die wendische Sprache und das alte Heidentum verschwanden gänzlich. Deutsches Wesen und christliche Werte kamen an deren Stelle. Klosterfelde wurde frühzeitig evangelisch, obwohl der Ort damals noch zum katholischen Kloster Lehnin gehörte. Der damalige Pastor, ein in Klosterfelde Geborener, wurde ein Jahr später der Probst in Bernau. Nach Einführung des Evangelium und der Reformation wurde die Tätigkeit der Klöster untersagt und ihr Besitz eingezogen. Damit wurde Klosterfelde kurfürstliches Domänendorf und gehörte zum Amt Mühlenbeck. Die Verwaltung übernahm der Lehnschulze. 1570 bekam Klosterfelde 117 Morgen Land vom Kurfürst Joachim II. geschenkt. Dieses Land stammt von der seit 1375 unbewohnten Feldmark Triebelsdorf, welche sich in der Nähe der kleinen Lottsche befand. Klosterfelde erstreckte sich um 1600 von der heutigen Geschwister-Scholl-Straße bis zum „Gasthof zum tapferen Schneiderlein“. Es gab einen Dorfteich und einen breiten Anger.
Die Fernverkehrsstraße von Berlin nach Prenzlau wurde erst zweihundertfünfzig Jahre später gebaut.
Klosterfelde war damals ein abgelegenes kleines Dorf mit 398 Einwohnern. Durch die abgelegene Lage quartierten nur einmal Wallensteinsche Soldaten im dreißigjährigen Krieg hier. Plünderung, Vergewaltigung und Mord waren trotzdem allgegenwärtig. Viele verließen das Dorf. Mitte des siebzehnten Jahrhunderts nach dem Ende des Krieges zählte Klosterfelde nur noch 150 Bewohner. Im Anschluss war der Kurfürst Friedrich Wilhelm I. bemüht, schnell die Kriegsschäden zu beseitigen und das Land aufblühen zu lassen. Dazu holte er Holländer und später Franzosen (Hugenotten) und lässt sie siedeln. Es gab nun Leineweber, Böttcher und einen Schmied. Der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. brachte große Verbesserungen für den Bauernstand. Leibeigenschaft wandelte er in Gutspflicht und die Abgaben senkte er in tragfähige Leistungen teils in Geld aber auch in Naturalien. So konnte man 1734 schon wieder 355 Einwohner zählen und 1801 waren es 514. Später kam die Stein-Hardenberg-Reform. Sie brachte Gutes für Klosterfelde. Genannt seien die Selbständigkeit, der Entfall der Naturalabgabepflicht und das Aufheben der Domänenverwaltung. Amtlich wechselte Klosterfelde von Mühlenbeck nach Liebenwalde.
1834 bis 1836 wurde die Chaussee Berlin - Prenzlau mitten durch Klosterfelde gebaut. Das Dorf entwickelte sich rasant. Der Gasthof der Gemeinde war letzte Station für die Fuhrwerke mit Wolle, Getreide und anderen Landwaren nach Berlin. Wirtshäuser hatten ihre Blütezeit. Zehn Jahre später wurde die Eisenbahnstrecke von Berlin nach Stettin fertig. Damit kam man noch schneller nach Prenzlau. 1856 zählte man 88 Wohnhäuser mit 688 Personen. Der Ort wuchs nach Norden.
Der „Große Stern“ mit seinen fünf Straßen entstand und 1860 bis 1862. Zum Hausbau benötigte man Holz, Stroh, und Lehm. Mauersteine und Dachziegel waren im Dorf nur für besondere Gebäude gedacht.
1835 zog der Berliner Friedrich Wagener nach Klosterfelde und gründete eine Tischlerei wegen der guten Verkehrsanbindung und dem schier unendlichen Reichtum an Holz. Kurz davor kam der Zimmermann Julius Stein aus Stolzenhagen hierher und mit den ansässigen Böttchern und Wagenbauern wurden Holzprodukte für die Landwirtschaft und den Hausbau in der Region gefertigt. Das war der Beginn der Klosterfelder Holzproduktion, die langsam von der Produktion von Sensen und Harken zur Produktion von Tischen, Stühlen und Schränken aber auch Kohlekästen überging, die zum Verkauf nach Berlin transportiert wurden. Ein Sägewerk gab es noch nicht. Der Tischler musste sich selbst seine Bretter herstellen. Dazu wurden die Bäume längs Brett für Brett von Hand geschnitten.
Mit der Erweiterung des Holzhandwerkes wuchsen auch die Bevölkerung und die Lebensbedürfnisse. Dies zog allmählich auch andere Gewerke nach Klosterfelde. Bis 1885 war Zerpenschleuse das Zentrum der lokalen Geschäftswelt. Langsam wechselte die Mitte nach Klosterfelde. Ende 1890 zählte der Ort 900 Einwohner in 150 Wohnhäusern. Klosterfelde wuchs hauptsächlich in Richtung Norden.
1895 wurden die ersten Dampfmaschinen in Klosterfelde in der Möbelproduktion eingesetzt. Durch das hohe Holzvorkommen und der großen Nachfrage im Umland und in Berlin entwickelten sich um 1905 die Firmen zur fabrikmäßigen Herstellung von Küchenmöbeln. 1902 wurde im Dorf die Freiwillige Feuerwehr gegründet. Zuvor mussten im Brandfall alle Bürger mit Wassereimern mithelfen, den Brand zu löschen.
Durch die Einführung einer täglichen Eisenbahnverbindung nach Berlin am 21. Mai 1901 beschleunigte sich die industrielle Entwicklung in Klosterfelde. Auch die Anbindung des Ortes an die Märkischen Elektrizitätswerke eröffnete neue Möglichkeiten für die Tischlermeister. Zu Beginn des ersten Weltkrieges zählte man sechs Firmen mit eigener Dampf- und Stromerzeugung und acht selbständige Tischlermeister. Führend waren Louis Bergmann & Söhne, Karl Wagener und Otto Raubach. Mit Kriegsaufträgen, unter anderem Munitionskisten und Minenbohlen, erwirtschaftete Bergemann hohe Gewinne und konnte die Angestelltenzahl erhöhen. Der Krieg kostete Klosterfelde allerdings auch hohe Opfer. So mussten vierundfünfzig Ortssöhne ihr Leben für „Gott und Kaiser“ lassen. Am 5. November 1925 errichtete man für sie ein Kriegerdenkmal.
Die Kriegslasten wurden überwunden und es ging bergauf. Die größte Firma Louis Bergemann Söhne kaufte andere auf und wuchs dadurch. Die Bergemannsöhne teilten die Firma. Paul übernahm die Küchenmöbelfabrik am Bahnhof und Gustav und Richard übernahmen die alten Werke I und II und nannten sich ab da LOBES (LOuis BErgemann Söhne). 1925 arbeiteten bei LOBES rund 300 Angestellte.
In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde die Hauptstraße gepflastert und kanalisiert. Die ersten Siedlungen entstanden. Felder, der Dorfteich und Sandberge verschwanden in der Nähe der Bahnhofstraße. Der Ort wuchs nach Osten und Süden und ließ die Einwohnerzahl 1925 auf 1.712 ansteigen. Weitere Kaufleute und Gewerbetreibende ließen sich nieder. Bäcker, Schlächter und Textilgeschäfte entstanden. Das gesellige Leben spiegelte sich in der Entstehung eines regen Vereinslebens. Neben Box-, Turn-, Radfahrvereinen gründeten sich auch Gesangs-, Schützen- und Frauenvereine. 1935 wurde der Sandweg nach Prenden als Chaussee ausgebaut. Der Ausbau nach Liebenwalde kam nicht zur Realisierung, da die Kriegsvorbereitungen liefen.
Zum Kriegsende 1945 flohen viele vor der roten Armee. Klosterfelde wurde kampflos eingenommen. Die Bergemannbetriebe hatten bis zuletzt produziert. Auf Anweisung der Geschäftsleitung wurden die Motoren demontiert und versteckt. Die Maschinen wurden ebenfalls demontiert und sollten abtransportiert werden. Der noch vorhandene Betriebsrat beschloss, die Produktion von Küchenmöbeln wieder aufzunehmen, was nicht leicht war. Nach erfolgter Enteignung durch den Befehl 64 der SMAD begannen die Arbeiter der Firma wieder mit der Produktion. 1948 zählte Klosterfelde bereits 2.862 Einwohner.
Im Sommer 1948 wurde das Ehrenmal auf der Dorfaue eingeweiht, welches an 232 gefallene sowjetische Soldaten und Offiziere erinnert. 1952 wurde der Ernst-Thälmann-Sportplatz im nationalen Aufbauwerk freiwillig und unentgeltlich fertiggestellt.
Mit der Zunahme der Bevölkerung wuchs auch der Anteil der Kinder. 1955 stellt man fest, dass die neun vorhandenen Kindergartenplätze siebzig wartenden Kindern gegenüber standen. Im Sommer 1957 wurden die Mehrfamilienhäuser um die Schule bezugsfertig. Es entstand die Ernst-Thälmann-Straße. Wie sich der Wohlstand in dieser Zeit entwickelte, kann man an folgenden Zahlen sehen. In Klosterfelde gab es 1964 in 980 Haushalten 980 Kühlschränke, 400 Waschmaschinen und 528 Fernseher. Es gab 108 PKW und 264 Motorräder und eine große Anzahl Mopeds.
1969 beschloss der Gemeinderat den Abriss des alten Dorfkruges, der bis dahin als Wahrzeichen von Klosterfelde diente. Die Holzkonstruktion war so stark von Schädlingen befallen, dass eine Sanierung nicht möglich war. Später wurde hier eine Kaufhalle errichtet, welche heute von Edeka genutzt wird.
Ortsvorsteher Klaus Pawlowski ist zufrieden mit seinem Ortsteil. Die Lebensmittelversorgung ist gut. Die Betreuung der Kinder ist auch gut, auch wenn hier Verbesserungen in naher Zukunft anstehen. Der Ortsteil ist doch so groß, dass es ein dörfliches Miteinander nicht mehr gibt. Eine Ausnahme bilden die Feuerwehr und die Vereine. Hier gibt es den Kameradschaftsgeist zum gegenseitigen Helfen und zum miteinander Feiern noch. Einen Riesenwunsch hat der Ortsvorsteher aber dennoch. Er möchte in Klosterfelde für alle ein stabiles, leistungsstarkes schnelles Internet. Abnehmer sind genügend vorhanden, meint der Ortsvorsteher.
Wolfgang Kirschner
 
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