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Die Zeit, die bleibt (Nr. 69) PDF Drucken
Immer wieder hört man in Gesprächen mit Freunden und Bekannten, aber auch wildfremden Menschen die Klage: Wo ist die Zeit bloß geblieben? Wir erinnern uns noch an die vergangene Silvesterfeier, da steht schon die nächste ins Haus. So entsteht der Eindruck, die Zeit rase spurlos an einem vorbei. Mit zunehmendem Alter scheint sich die Geschwindigkeit sogar noch zu erhöhen. Doch ist das wirklich so?
Rational betrachtet ist die Zeit immer die gleiche, eine Sekunde, eine Stunde, ein Tag. Das Empfinden liegt also im subjektiven Bereich. Es ist die Frage, was wir aus unserer Zeit machen. Schaut man sich den Kalender des zu Ende gehenden Jahres an, falls man einen hat, so ergeben sich doch in der Summe viele Ereignisse, mit denen wir uns beschäftigt haben oder mit denen wir konfrontiert waren. Eine Krankheit kann viel Zeit in Anspruch nehmen, Zeit, in der sonst nichts weiter geschieht. Aber auch ein Urlaub geht meist schneller vorüber, als erhofft. Die meiste und auch schönste Zeit ist die der Vorbereitung und Vorfreude.
Persönliche Veränderungen können uns vorgaukeln, dass die Zeit an uns vorbeirast. Menschen werden geboren, kommen in die Schule, schließen ihre Ausbildung und ihr Studium ab, heiraten, bekommen selbst Kinder. Und Menschen sterben. Wenn wir uns nicht diese Ereignisse immer wieder bewusst machen, sie aktiv erleben, sie in Bildern festhalten, dann verschwinden sie aus unserem Gedächtnis. Es ist etwas geschehen, im Rückblick waren es nur Augenblicke.
Doch das ist nicht nur im persönlichen Erleben so. In einem Jahr passiert viel mehr, als wir im Nachhinein in Erinnerung behalten. Auch 2016 war (und ist) von Kriegen, Tod und Verderben begleitet. Unbeteiligte wurden Opfer sinnloser Angriffe. Es hat den Anschein, als ob die Dummen die Macht ergreifen. Jeder quatscht, was ihm gerade einfällt. Vernünftige Gespräche sind selten geworden. Es ist wohl Mode, sich gegenseitig Schuld zuzuweisen, selbst wenn der normale Menschenverstand ganz andere Signale vernimmt. Wer sich da noch zurechtfinden will, sollte es mit der Formel „wem nutzt es?“ versuchen. Dass im nächsten Jahr, das nun schon an die Pforte klopft, alles besser wird, bleibt ein frommer Wunsch. Wir hätten viel erreicht, wenn hier, wo wir leben, öfter mal ein Lächeln zur Lösung der bei Lichte gesehen profanen Probleme die Entscheidung mitbestimmt. Die Zeit ist viel zu kostbar, als sie mit Profilierungsgehabe, Rechthaberei oder Wichtigtuerei zu vergeuden.
Albert Einstein erklärte einmal die Relativität der Zeit so:
„Wenn man zwei Stunden mit einem Mädchen zusammensitzt, meint man, es wäre eine Minute. Sitzt man jedoch eine Minute auf einem heißen Ofen, meint man, es wären zwei Stunden. Das ist Relativität.“
Nutzen wir die wenigen Tage am Jahresende, um über das Erreichte und Erlebte nachzudenken und abzustecken, was im kommenden Jahr an Aufgaben auf uns zukommt.
Horst Schumann
 
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