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Schönwalde... (Nr. 70) PDF Drucken
...ein Straßendorf nach Plan
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wappen_schoenwalde_barnimNicht wie die meisten Ansiedlungen im Umfeld, welche rund fünfhundert Jahre früher urkundlich erwähnt wurden, kam Schönwalde erst im Januar 1753 zur Welt. Friedrich II. oder Friedrich der Große auch im Volksmund „der Alte Fritz“ genannt, wollte teure Textilimporte aus Asien durch eigene Produktion ersetzen. Er plante und gründete die sogenannten Spinnerdörfer in Marienwerder, Sachsenhausen, Friedrichshagen und in der östlichen Gegend von Mühlenbeck.
175
0 beauftragte Kriegsrat Pfeiffer den Oberamtmann von Mühlenbeck mit der Prüfung einer Ansiedlung von Spinnern. 1751 plante der Landschaftsplaner und Architekt J. E. Loescher das Straßendorf mit breiter Hauptstraße, einem Dorfzentrum in Form eines achteckigen Platzes, dem angrenzenden Schulzengehöft (heute das Landhaus Schönwalde) mit Dorfschänke und großen Gärten hinter den Häusern, vorerst fürfriedrich-b einhundert Familien. Am 12. Dezember 1752 befahl der Oberamtmann Schönwald dem Förster Lemonius, an der Uckermärkischen Straße unweit der Ruinen des Altenhofs, welche in der Gemarkung Schönerlinde an der alten Heerstraße liegt, einen Bestand Erlen und Buchen zu fällen und das Holz für den Bau der Häuser des neuen Dorfes bereitzustellen. Am 31. Mai 1753 wurde die Bereitstellungsurkunde unterzeichnet. Der erste Dorfschulze Ludwig Meschker wurde bereits am 30. Januar 1753 angenommen und bestellt. Er musste die Wolle aus Berlin holen und das Gesponnene wieder zurück bringen. Er hatte Polizeihoheit und zahlte die Spinner aus.
Der Name des Ortes soll auf den damaligen Mühlenbecker Amtsrat Schönwald zurückführen. Eine Karte aus dem Jahre 1774 benennt den Ort Schönewalde. Dies deutet auf mittelniederdeutsche Quellen hin. Spätestens ab 1805 steht Schönwalde fest. Die Wollspinner kamen hauptsächlich aus Mecklenburg, der Pfalz, Württemberg, Sachsen und Polen. Nach sechzehn Jahren, also 1769, lebten bereits 443 Einwohner in dem neuen Dorf.
Entlang der Hauptstraße wurden für die geplante Eigenproduktion von Seide Maulbeerbäume gepflanzt. Die Blätter dieser eigentlich aus Asien stammenden Pflanzen, dienten als Nahrung für die Seidenspinnerraupen. Ende des neunzehnten Jahrhunderts ersetzten dann Billigimporte aus Südostasien die aufwändige eigene Produktion. Was geblieben ist, sind die einzelnen Maulbeerbäume in der Hauptstraße von Schönwalde. Beim Spazieren lässt der Eine oder Andere seine Seele baumeln und denkt an die Seidenspinner.
Ein anderer ehemaliger eventuell auch zukünftiger Besuchermagnet befindet sich an der nordöstlichen Spitze vom Mühlenbecker See. Um 1746 errichtete der Müller Grüwel aus Mönchmühle dort eine Mühle auf dem Gelände einer Mühlruine, welche aus dem fünfzehnten Jahrhundert stammen musste. 1755 erwarb der Berliner Lederfabrikant Friedrich Peter Damm, welcher das Alleinrecht besaß, die königlich preußische Armee mit Uniformteilen aus Leder zu versorgen, diese Mühle. Seither nennt man diesen Ort Dammsmühle. Durch umfangreiche Um- und Anbauten entstand ein Neobarockschloss – Schloss Dammsmühle. Königin Elisabeth Christine, die Gattin Friedrich II., soll sich dort mehrmals aufgehalten haben. Da Damm keine Erben hatte, verfiel das Schloss nach seinem Tode.
Erst 1894 erwarb Leutnant Adolf Wollank auf einer Zwangsversteigerung das Anwesen. Er ließ das Gebäude vom Architekturbüro Erdmann & Spindler aus Berlin umbauen, aufstocken und einen Turm mit
Zwiebelhaube hinzufügen. Nach dem Tod von Adolf im ersten Weltkrieg 1915 verwaltete sein Bruder Otto Wollank das Schloss. Adolf Wollank wurde auf dem Gelände des Schlosses in dem von ihm in Auftrag gegebenen Hubertuspavillon gegenüber dem Schlossgebäude beigesetzt. Diesen Pavillon gibt es nicht mehr. Übrigens ist die Wollankstraße in Berlin-Pankow nach dem Vater von Otto und Adolf, Adolf Friedrich Wollank, benannt.
1919 erwarb der Kaufmann Hermann Zirkel aus Zehlendorf das Anwesen und 1929 kaufte es der Direktor von Unilever, der Brite Harry Goodwin Hart. Er und seine jüdische Frau mussten im Zuge der Reichspogromnacht 1938 Deutschland verlassen. 1940 folgte die Enteignung durch die Nazis. Heinrich Himmler nannte nun das Schloss sein Eigen. Rund 25 Häftlinge vom KZ-Sachsenhausen mussten das Schloss reparieren und teilwe
ise Anbauten erledigen. 1945, kurz vor Kriegsende, schlug hier Generaloberst Gotthard Heinrici, der Kommandeur, der Berlin verteidigen sollte, dort sein Hauptquartier auf. Vierzehn Jahre später, also 1959, übernahm das Ministerium für Staatssicherheit das Anwesen und nutzte es als Kinderferienlager, Gästehaus und Sprachschule.
Nach 1989 war es kurzzeitig ein Hotel und diente als Filmkulisse. 1997 wurde das Grundstück an die Erben von Harry Goodwin Hart zurück übertragen. Die Erben verkauften es allerdings sofort. Durch jahrelangen Leerstand verfiel das Schloss mehr und mehr. Vandalismus und Raub trugen auch dazu bei.
Von 2000 bis 2003 nutzte ein Berliner Konzertveranstalter das Areal für Open-Air-Konzerte. Es kamen immerhin rund dreißigtausend Besuc
her pro Jschlossdammsmhle2-bahr. Dadurch wurde Schloss Dammsmühle im gesamten Bundesgebiet bekannt. Das Konzept, hier einen Naherholungs- und Veranstaltungsort entstehen zu lassen, wurde letztendlich nicht realisiert. Das Gelände wurde somit dem weiteren Verfall, Vandalismus und illegalen Müllablagerungen ausgesetzt. Im Jahr 2008 ging das Anwesen an die Schlossgut Dammsmühle Management GmbH, die das Gelände als Kulturerlebniswelt mit freiem Zugang durch die Öffentlichkeit ausbauen wollte. Ein langjähriger Pachtvertrag wurde mit Gerd Matern geschlossen. Ab Frühsommer 2009 organisierte er zahlreiche Veranstaltungen vor Ort wie einen Schloss-Biergabibliothekundbroderortsvorsteherin-brten-Brunch, einen Drei-Seen-Lauf für Jedermann rund um den Mühlenteich, eine Oldtimer-Show mit Rockkonzert usw. Darüber hinaus war die Wiederbelebung der Badetradition, auch in den Räumen des Schlosses, die Einrichtung eines Gourmetrestaurants, eines Nachtlokals und eines Cafés in der ehemaligen Kegelbahn geplant. Inzwischen hat die Betreibergesellschaft ihre Aktivitäten wieder eingestellt.
Seit Frühjahr 2016 gibt es wieder Bauanträge, welche auf eine erneute Belebung des Schlosses hoffen lassen. Der interessierte Besucher findet allerdings eher eine verwahrloste Ruine als ein verlassenes Schloss.
Schönwalde hat nicht nur Sehenswertes. Bemerkenswert ist auch der Zusammenhalt der Bürger. Hier wird Miteinander großgeschrieben. Allein die seit 1904 bestehende freiwillige Feuerwehr löscht schon lange nicht mehr nur Feuer in Schönwalde. Auch die dre
i Chöre freuen sich über zunehmende Beliebtheit. Schönwalde hat so viele ehrenamtlich tätige Mitmenschen, die eigentlich gewürdigt werden müssten, allerdings reicht der Platz dafür hier nicht aus.
Stellvertretend für alle und eigentlich seit über zwanzig Jahren vornweg sei die Ortsvorsteherin Maria Brand erwähnt. Im Gespräch mit ihr
machte es Freude zu erleben, wie sie mehr und mehr ins Schwärmen über ihr Schönwalde kommt. Man spürt das Authentische an ihr. Sie will die Ärmel hoch krempeln, anpacken, schaffen und nicht nur über hätte, wenn und aber reden. Bei ihr ist das Glas halbvoll und nicht halbleer und das ist gut so. Und trotzdem hat sie einen Wunsch. Sie möchte einen Gemeindetreff, eine Bürgerbegegnungsstätte, wo sich die Schönwalder austauschen und Probleme besprechen können, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen und sie zu finden. Das ist allemal besser, als auf seiner Meinung zu bestehen und damit zu polarisieren und Fronten aufzubauen, denn so entstehen Konflikte die sich vertiefen. Eine Lösung wird dann immer schwieriger. Das wollen wir nicht. Wir wollen gemeinsam und miteinander und dies nicht nur in Schönwalde sondern in ganz Wandlitz.
Wolfgang Kirschner
Letzte Aktualisierung ( Freitag, 3. Februar 2017 )
 
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