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Gesichter in Wandlitz (Nr. 71) PDF Drucken
Dorothea Eckert, Lehrerin für Deutsch und Englisch am Gymnasium Wandlitz

Frau Eckert, Sie sind als Lehrerin am Gymnasium Wandlitz bekannt und beliebt vor allem wegen Ihrer Art zu lehren und Ihrem Umgang mit den Schülerinnen und Schülern. Lehrer zu sein muss für Sie die Erfüllung eines Berufswunsches gewesen sein. eckert
Überhaupt nicht. Ich wollte nie Lehrerin werden, selbst als man es mir in der 11. Klasse noch vorschlug, habe ich rigoros abgelehnt. Mein Wunsch war Kirchenmusik zu studieren oder in die Wirtschaft zu gehen und als Heimleiter zu arbeiten. Damals war es noch möglich, kirchlichen Heimen als ökonomischer Leiter und gleichzeitig inhaltlich als Diakon vorzustehen. Das waren Wege, die sich durchaus für mich abzeichneten, weil ich aus einem Pfarrhaus komme und daher bestimmte Berufe zu DDR- Zeiten für mich gar nicht möglich waren. Deshalb habe ich auch über Lehramt nie nachgedacht. Mit der Wende konnte ich mich dann auf einmal überall bewerben. Ich habe viel ausprobiert und mich sozusagen freigeschwommen. Als ich dann aber im September zum Studienbeginn immer noch nichts hatte, habe ich geschaut, wo man sich noch einschreiben kann. Deutsch stand für mich bereits fest, weil ich mich für die deutsche Sprache und Literatur schon immer interessiert habe. Dazu bot sich dann Englisch als typische Kombination im Lehramt an.

Eine Sprache zu erlernen und sie später zu lehren ist schwieriger als man annehmen möchte.
Das stimmt und der Anfang war auch alles andere als erfolgreich. Leider bot der DDR-Lehrplan, was das Erlernen von Fremdsprachen betraf, nicht gerade die besten Voraussetzungen und ich habe lange überlegt, ob das mein Weg sein wird. Dann aber stieß ich durch Zufall auf das Language Assistant Programme, bin 1993/1994 nach England gegangen und damit kam der Durchbruch. Ich habe dort nicht nur an der University of Manchester studiert, ich habe dort gelebt und gearbeitet und so die englische Kultur und die englische Art zu Leben für mich entdeckt. Wenn das nicht gewesen wäre, hätte ich die Anglistik mit Sicherheit an den Nagel gehängt. So aber habe ich mit viel Spaß und Freude Land und Leute kennengelernt, was mich nachhaltig geprägt hat.

Welche Erfahrungen, außer den rein fachlichen, haben Sie für sich mit nach Hause genommen.

Zum einen die Erfahrung, dass wir in der Berufswahl frei bleiben sollten und auch etwas ausprobieren, was zuerst gar nicht auf der Karte stand. Es kann durchaus die Erfüllung werden. Zum anderen habe ich mitbekommen, wie schwer es sein kann, eine Fremdsprache zu lernen. Es ist gut, wenn man als Lehrer das noch im Hinterkopf hat, vor allem dann, wenn ein Schüler vor einem sitzt, der darin nicht gerade sein Lieblingsfach gefunden hat oder aber mit vielleicht ungünstigen Voraussetzungen gekommen ist. Und dann zu wissen und vermitteln, dass wir das gemeinsam schaffen werden, ist eine schöne Erfahrung.

Dem Gymnasium Wandlitz wird eine ausgesprochen familiäre Atmosphäre nachgesagt. Daran sind Lehrer wie Sie nicht ganz unbeteiligt.

Ich habe schon während meines Referendariats am Wandlitzer Gymnasium nicht nur eine tolle Ausbildung genossen, ich habe hier ein großes Zuhause gefunden. Nach dem Referendariat habe ich zwischenzeitlich auch an anderen Schulen unterrichtet und mitbekommen, dass dieser familiäre Umgang nicht für jeden geeignet ist. Für mich aber war die Versetzung an das Gymnasium Wandlitz ein Glücksfall. Ich habe während des Studiums viel Jugendarbeit gemacht und Freizeiten organisiert. Deshalb war es für mich wichtig, diese Komponente mit in die Institution Schule nehmen zu können. Es hat sich dann gezeigt, dass dies im Gymnasium Wandlitz hervorragend geht. Hier wird ein Umgang mit den jungen Menschen auf Augenhöhe praktiziert, findet ein gegenseitiger Austausch statt, der für alle nützlich ist. Wir können auf individuelle Bedürfnisse eingehen, geben eine Art Nestcharakter für die Kleinen und schaffen damit eine Atmosphäre, in der das Lernen besser funktioniert.

Sie unterrichten nicht nur junge Menschen.
Ich habe noch ein Magisterstudium „Deutsch als Fremdsprache“ abgeschlossen und mir damit eine Tür offen gelassenen, eventuell wieder ins Ausland zu gehen und als Deutschlehrer zu arbeiten. Mit diesem Studium habe ich die Möglichkeit, Erwachsene zu unterrichten, was ich auch seit vielen Jahren im ländlichen Raum in der Nähe von Strausberg praktiziere, indem ich Englischkurse anbiete. Das ist insofern wichtig, weil es in diesen Gegenden keinen Zugang zu Volkshochschulen gibt und dieser Unterricht vor allem ältere Menschen ermutigt, aufgeschlossen in den Alltag zu gehen, der ja immer mehr von Anglizismen unterwandert wird.

Das ist ja nur ein Teil Ihres ehrenamtlichen Engagements, für das Sie jüngst von der Staatskanzlei Brandenburg mit einer Dankesurkunde als „Ehrenamtlerin des Monats“ ausgezeichnet wurden. Wie bekommen Sie Schule und Ehrenamt unter einen Hut?

Einerseits glaube ich, dass sich Ehrenamt und Schule gegenseitig bedingen.
Andererseits ist soziale Arbeit für mich sehr wichtig und durch mein kirchliches Umfeld habe ich sie sozusagen von Kindesbeinen mitbekommen und so auch frühzeitig mit Jugendarbeit zu tun gehabt. Das Chorsingen fing bereits in meiner Schulzeit an, weil ich schon immer gerne gesungen habe, und so hat sich die Musik wie ein roter Faden über die Gründung eines Frauenchores in unserem Dorf bis heute durch mein Leben gezogen. Dann habe ich auch in England viel dazu gelernt. Die Engländer besitzen nämlich eine große Freiwilligenkultur.
Schule und Ehrenamt sind mein Leben. Wenn man anfängt zu definieren, was Freizeit ist und was nicht, kommt man in eine Schieflage. Für mich ist das mein Leben und deswegen geht mir nichts verloren.

Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung, mit der seit September 2007 verdienstvolle freiwillig Engagierte geehrt werden?
Ich habe mich sehr darüber gefreut und ich sehe sie als eine wertvolle Rückmeldung für die ehrenamtliche Tätigkeit. Allerdings möchte ich diese Auszeichnung nicht für mich persönlich in Anspruch nehmen, sondern sie insgesamt als Auszeichnung für das Ehrenamt sehen und als Auszeichnung für alle diejenigen, die nicht so eine Erwähnung finden. Da wären zum Beispiel die anderen Lions-Damen, die vielen Chormitglieder und alle Lehrer, die sich weit über das rein Abrechenbare hinaus engagieren.
Diese Auszeichnung sehe ich auch als Appell, sie ermuntert und macht Mut, den Beruf des Lehrers nicht nur als Job zu verstehen, sondern ihn als Berufung zu nehmen. Ich finde es schön, dass das Lehramt so wahrgenommen wird, weil es wirklich bedeutend mehr umfasst als nur vor der Klasse zu stehen und zu unterrichten.

Wenn Sie noch einmal die Wahl hätten, was würde diesmal Ihr Berufswunsch sein.
Unbedingt Lehrer. Das ist so ein wundervoller Beruf, wenn man den Mut hat, sich auf Kinder und Jugendliche einzulassen und ich würde mir wünschen, dass sich noch mehr Menschen darauf einlassen. Es macht nämlich ganz viel Spaß, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Wir haben wundervolle Kinder, und das beschränke ich nicht nur auf das Gymnasium, wir haben sie auch in der Grundschule oder in der Oberschule. Ich halte nichts von derartigen Trennungen und wir sollten vielmehr und viel besser die sozialen Unterschiede ausgleichen. Wichtig ist, dass wir unsere Kinder, wo auch immer sie sind, gut begleiten und auf den Weg bringen und auch auffangen, sollte es mal der falsche Weg sein.

Frau Eckert, ich bedanke mich für das Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin viele Erfolg.
Das Interview führte Kefrin Simon
Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 4. April 2017 )
 
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