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Basdorf im Wandel der Zeit (Nr. 73) PDF Drucken
wappen_basdorf_l2Alt-Basdorf liegt als typisches Angerdorf mit seiner historischen Kirche aus dem 15. Jahrhundert im Kern zwischen Wandlitz und Schönwalde. Urkundlich erstmals erwähnt 1302, wurde es zunächst vom Schloss Biesenthal, aber später vom Amt Mühlenbeck verwaltet. Auch die kircheLehniner Mönche waren von 1475 bis zur Reformation Eigentümer von Basdorf. Damals zählte man acht Bauern (Hufner) und dreizehn Landarbeiter (Kossäten). Sowohl der 30-jährige Krieg mit Schweden (1618 - 1648) als auch die Napoleonische Besatzung(1807 - 1816) haben Basdorf an die Grenze des Untergangs gebracht. Alt-Basdorf wurde also in seiner Entwicklung über die Jahrhunderte immer wieder gebremst.
Das Erwachen oder der bevölkerungstechnische Durchbruch von Basdorf kam 1905 mit der Errichtung der Eisenbahnstrecke von Berlin nach Groß Schönebeck einerseits und nach Schmachtenhagen andererseit. Mitten im Wald zwischen Alt-Basdorf und Schönwalde entstand ein strategischer Bahnhof, welcher die Weichen nach Wandlitz,
imgp4820-bKlosterfelde sowie alternativ nach Zühlsdorf und Wensickendorf regelte. Im Museum am Bahnhof kann der interessierte Besucher die Geschichte der Eisenbahn nachvollziehen. Dieser Bahnhof war die Geburtsstunde für Neu Basdorf.
Schnell entstanden Ansiedlungen im Umfeld des Bahnhofes und der heutigen L100.
Im Zuge der rasanten Entwicklung der Luftfahrt begann 1912 die frühere Siemens & Halske AG mit der Produktion von Flugmotoren in Spandau bei Berlin. 1926 wurden die „Siemens-Flugmotorenwerke“ Berlin-Spandau gegründet, welche 1934 zur Siemens Apparate und Maschinen GmbH (SAM) wurde. In dieser Zeit baute man im Basdorfer Wald Richtung Zühlsdorf eine Zweigniederlassung mit Bahnanschluss, die Zühlsdorfer Motorenwerke (Zühmo).

  Zwei Jahre später wurde eine juristisch unabhängige Firma gegründet, die „Brandenburgische Motorenwerke GmbH“ (Bramo), welche die Forschung und Produktion von radial luftgekühlten Flugzeugmotoren beinhaltete und an das Deutsche Reich verkaufte. Zeitgleich wurde ein Forschungs- und Entwicklungsabkommen zwischen der Bramo und der BMW-Flugmotorenwerke GmbH getroffen. Im Juni 1939 übernahm BMW die Bramo komplett und damit auch die Spezialfabrik in Basdorf und Zühlsdorf. Ab jetzt firmierte man unter dem Namen „BMW-Flugmotorenwerke Brandenburg GmbH“. Durch die weitere Expansion wurden massenhaft Arbeitskräfte benötigt. Die Siedlungstätigkeit nahm stark zu. Südlich vom Bahnhof an der östlichen Seite der heutigen L 100 Richtung Schönwalde entstand so ein riesiges Barackenlager mit Kulturhaus und Casino. Hier wohnten Fremd- und Wanderarbeiter. Zunehmend wurden hier auch Zwangsarbeiter untergebracht. 1941 wurde die Produktion abgetrennt. Für die Standorte Basdorf und Zühlsdorf gründete man die Niederbarnimer Flugmotorenwerke Brandenburg GmbH. Zu dieser Zeit erwirtschaftete die Flugmotorenproduktion rund 90 Prozent des Gesamtgewinns von BMW. 1944 arbeiteten 56.000 Menschen für einen Umsatz von73bramo 750 Millionen Reichsmark. Etwa die Hälfte davon waren Zwangsarbeiter.
In Basdorf arbeiteten und wohnten rund 4.000 Menschen. Ein technischer Höhepunkt war die Erforschung und Produktion des ersten Strahltriebwerkes BMW 003. Von 1944 bis 1945 wurden hiervon 1.000 Stück produziert. Es gab eine Lizenzproduktion in Japan und die sowjetischen Luftstreitkräfte setzten dieses Triebwerk in der MiG-9 serienmäßig ein.
Einer der Zwangsarbeiter war der französische Chansonsänger Georges Brassens. Er arbeitete von 1943 bis 1944 in der Zühmo und wanderte täglich vom Lager durch den Wald zum Werk. Seine ersten dreißig Chansons entstanden hier. Im Jahr 2004 wurde ihm zu Ehren zum 60-jährigen Jubiläum der Verein Brassens in Basdorf e.V. gegründet, welcher sehr aktiv ist.
Lange suchten die Alliierten nach dem im Wald versteckten Flugmotorenwerk. Mitte März 1944 flogen massenhaft Flugblätter vom Himmel mit der Aufschrift „BraMo - wir haben dich!“. Am 21. Juni 1944 erfolgte ein zielgerichteter Angriff der 8. US Air Force auf die Basdorf/Zühlsdorfer Rüstungsproduktionsstätten. 1945 nahm die Rote Armee Basdorf kampflos ein. In den Nachkriegsjahren wurden Produktionsgüter, Patente, Maschinen und Anlagen sowie Rohstoffe wie Stahl in Form von Eisenbahnschienen abtransportiert. Die sowjetische Besatzungsmacht baute die gesamte Bramo und mit ihr zirka 70 Prozent der Gebäude ab.
In den späten 70er Jahren wurde auf einem Teilstück des Areals eine streng geheime Funkanlage mit Bunker errichtet und bewacht. Hier fing man den gesamten Funkverkehr von und nach Westberlin ab und analysierte ihn
basd._grten_sdansicht. Wachtürme zeugten noch lange nach 1990 von dieser Anlage. Auf dem Gelände ist heute eine Recyclingfirma ansässig.
Aus dem Barackenlager im südlichen Basdorf wurde eine Kaserne der KVP, später der Berliner Bereitschaftspolizei. In den 50er Jahren baute man Unterkünfte aus Beton und Stein in Viergeschossbauweise. In den 70er Jahren kamen Neubauten in Plattenbauweise hinzu. Nach 1990 diente die Anlage als Polizeischule.
Nun läuft auf dem seit mehreren Jahren leer stehenden Gelände das Projekt „Basdorfer Gärten“. Dazu zählen mehrere Teilprojekte. Auf dem ehemaligen Sportplatz wurde das Gelände parzelliert und mit Einfamilienhäusern besiedelt. Zwei Mehrgeschosshäuser werden innen entkernt und neu aufgebaut. So entstehen über hundert Wohnungen, für die bereits jetzt die Zahl der Bewerber das Angebot überschreitet. Das zentrale Gebäude der Anlage, das sogenannte Gefolgschaftsgebäude, später auch Casino oder Kulturhaus wird zu einer Turnhalle ausgebaut und wird dem PSV Basdorf e.V. als Trainingsstätte dienen. Hierfür bekommt die Gemeinde aus EU- und Landesmitteln 1,7 Millionen Euro.
Sowohl die kasernierte Volkspolizei als auch später die Bereitschaftspolizei und die Landespolizeischule Brandenburg waren der größte Arbeitgeber von Basdorf. Somit entwickelte sich die Infrastruktur von Basdorf schneller als andernorts. Neue Straßen entstanden. Wohngebiete wie der Heinrich-Heine-Ring entstanden und eine polytechnische Oberschule wurde errichtet.
Durch den anhaltenden Zuzug aus Berlin stieg ständig die Einwohnerzahl von Basdorf. Dies bringt einerseits steigende Einnahmen für die Gemeinde, aber andererseits auch Versorgungsverpflichtungen. So sind Schule und Kindereinrichtungen permanent am Limit und unterbesetzt. Die Direktorin der Grundschule Basdorf mit ihrem Lehrerteam leistet hier eine hervorragende und engagierte Arbeit, so der Ortsvorsteher Peter Liebehenschel. Nicht nur er ist der Meinung, dass Basdorf auch aus jüngerer Geschichte viel zu bieten hat und einen Besuch wert ist. So wurde die „Basdorfer Mitte" nach der Wende gebaut, der Adventsmarkt ist bereits seit fünf Jahren eine gute Tradition, es finden Sommer- bzw. Wappenfeste statt und nicht zuletzt ist Basdorf auf seinen Jugendklub und seine Fußballmannschaft stolz.
Wolfgang Kirschner
Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 3. August 2017 )
 
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