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Gesellschaft und Suchtmittel (Nr. 75) PDF Drucken
Nikotin von Tabakerzeugnissen und Alkohol in diversen Getränken sind gesellschaftlich legal und akzeptiert.
Andere Rauschmittel, wie Morphium werden in der Medizin
beschränkt eingesetzt, wenn damit eine Linderung der Schmerzen erreicht wird und kein anderes Präparat helfen kann.
Andere Suchtmittel sind auch in Deutschland illegal und damit verboten. Warum ist dies so?
Ja - Alkohol benebelt die Sinne. Deshalb gibt es auch ein Fahrverbot ab 0,5 Promille. Am nächsten Tag sind meistens die Folgen weg. Ein Suchtverhalten ist eher gering. Erst nach längerem ständigem Genuss entstehen Suchtsymptome, die der Betroffene kaum selbst abstellen kann. Er benötigt fremde Hilfe, die er freiwillig anfordern muss. Viele machen dies nicht oder zu spät. Bei Nikotin liegt die Suchtgrenze erheblich tiefer. Ein Raucher denkt, er kann aufhören. Kann er aber nicht. Der wichtigste Grund ist, es schmeckt ihm. So pumpen sich viele Menschen Teer in ihre Lunge und schädigen auch andere Organe unwiderruflich. Die Lungenkrebsstatistik spricht für sich. Aber jeder meint von sich, ihn trifft es nicht. Ob dies naiv oder schlau ist, muss jeder selbst wissen.
Bei modernen Produkten zur Sinnesberauschung wie Heroin, LSD, Crack, Cannabis, Ecstasy, Speed, Cristal meth und so weiter – der Markt ist vielfältig – sieht es anders aus. Hier liegt ein extrem hohes Risiko zur Sucht vor. Deshalb sind diese Produkte verboten. Und dies ist gut so. Die Party- und Fun-Gesellschaft schaut weg, wenn ein einzelner Betroffener im Krankenhaus um sein Leben kämpft. Meinungen wie: „Die kiffen doch sowieso alle ...“ zeigen eher eine gewisse Gleichgültigkeit.
Andere Mitmenschen tabuisieren dieses Thema: „Also hier bei mir gibt es so etwas nicht. Ich lass mir doch nicht meine heile Welt kaputt reden.“ Oder auch: „Wer weiß, ob es überhaupt stimmt, was ihre Söhne da so erzählen.“ Unterschiedliche Personen gehen unterschiedlich mit diesem Thema um. Ich glaube nicht, dass es einer Mutter egal ist, ob ihr Kind Drogen nimmt oder nicht. Ich glaube auch nicht, dass es der Gesellschaft egal sein sollte, ob ihre Jugend Drogen konsumiert oder nicht. Fakt ist, dass es auch in der Gemeinde Wandlitz einen entsprechen Markt gibt mit entsprechender Nachfrage. Gelingt es, die Nachfrage so gering wie möglich zu halten, am besten auf Null zu setzen, dann verlieren die Anbieter auch das Verkaufsinteresse. Aber genau dies ist eben das Problem. Wie kann man jeden einzelnen jungen Menschen überzeugen, die Finger von diesem Teufelszeug zu lassen?
Jahrgang für Jahrgang gibt es junge Menschen, die empfänglich sind für derartige Drogen. Die Ursachen sind vielschichtig und gehen von familiären Problemen, wie sich unverstanden, sich allein gelassen, sich gemobbt fühlen, zu zeigen, wie toll man ist usw. bis sich einem zu hohen Druck ausgeliefert fühlen.
Genau hier sollte man ansetzen. Nicht nach dem Prinzip: „Du, Du, Du ...“ sondern eher der menschliche Schulterschluss nach dem Motto: „Ich habe ein offenes Ohr für dich. Ich verstehe deine Situation. Ich möchte dich unterstützen auf deinem Weg des Erwachsenwerdens.“ Was kann die Öffentlichkeit, die Gesellschaft tun? Ich denke, den Kopf in den Sand stecken, also: „Ich sehe keine Probleme, also haben wir keine Probleme“, ist der falsche Weg. Vielmehr sollte Transparenz und Aufklärung unser Tun leiten. Individuelle Betreuung durch Personen des Vertrauens ist wichtig. Allgemeine Betreuung durch Prävention und Aufklärung sind ebenfalls wichtig. Hier sollte der Schwerpunkt bei den dreizehn bis siebenzehnjährigen liegen.
Gerade am Gymnasium sollten die vorhandenen Angebote überarbeitet und intensiviert werden. Ein Lehrer sollte schon in der Lage sein zu erkennen, ob sein Gegenüber unter Drogen steht. Ein Vertrauenslehrer sollte natürlich erst recht über höhere Kompetenzen verfügen. Eine verantwortungsbewusste Schule führt auch Infoveranstaltungen mit eingeladenen Experten für Eltern durch und klärt die oft überforderten Erziehungsberechtigten auf. Wichtig ist ein offener tabuloser Umgang mit dem Thema. Dadurch wird das Geheimnisvolle, Verbotene, Reizvolle entzogen. Jugendliche wollen alles, nur eben anders als die Erwachsenen. Und das war schon immer so.
Ein kluger Kopf meinte einmal: „Wir Eltern haben die einmalige Chance, unsere Kinder beim Heranwachsen zu begleiten, denn groß werden sie allein.“
Wolfgang Kirschner
Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 29. November 2017 )
 
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