Startseite arrow Gemeinde Wandlitz arrow Titelthemen/Geschichte arrow Senatsentscheid: Keine Windräder im Liepnitzwald (Nr. 77)
Senatsentscheid: Keine Windräder im Liepnitzwald (Nr. 77) PDF Drucken
Dankeschön-Treffen mit den Unterstützern
Ostern stand bereits vor der Tür, da erhielt die Gemeinde Wandlitz von den für den Liepnitzwald zuständigen Berliner Forsten die Information, dass die Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz den Antrag eines Investors zum Bau und Betrieb von acht Windkraftanlagen im Liepnitzwald abgelehnt hat. Als ein Grund für die Absage wurde zum Beispiel die Bedrohung der im Liepnitzwald vorkommenden Fledermauspopulationen – insgesamt 18 von deutschlandweit nachgewiesenen 21 Fledermausarten gibt es hier – genannt. Außerdem wurde auf die wichtige Schutz- und Erholungsfunktion des Liepnitzwaldes hingewiesen.
Die Information war eine echte Sensation. Niemand hatte zum gegenwärtigen Zeitpunkt damit gerechnet. Mit dieser Entscheidung wurde der Senat dem seit 1915 bestehenden „Dauerwald-Vertrag“ gerecht, in dem sich Berlin verpflichtet, den grünen Gürtel um die Metropole für alle Zeit vor Verbauung zu schützen und auf Dauer für die Bürgerinnen und Bürger als Naherholungsfläche zu erhalten. Dieser Vertrag ließ Berlin zur grünsten Metropole Europas werden. Derzeit liegen zirka 17.500 Hektar Wald auf Berliner Stadtgebiet, außerhalb der Stadtgrenzen sind es noch einmal rund 11.500 Hektar. Der Liepnitzwald bei Wandlitz befindet sich zu 2/3 im Eigentum des Landes Berlin.
Bereits 2016 wurde der westlich der Autobahn gelegene Wald aufgrund zahlreicher Proteste aus dem Windeignungsgebiet gestrichen. Jetzt erteilte die Berliner Senatsverwaltung Plänen eine Abfuhr, in dem noch bestehenden Gebiet östlich der Autobahn Industrieanlagen zu errichten.
Seit 2011 treten zahlreiche Bürger von Wandlitz und den Nachbargemeinden dafür ein, dass keine Windenergieanlagen in den wertvollen Wäldern errichtet werden. Im Vorfeld der Bürgermeisterwahl stellte Jana Radant damals dieses Ziel mit in den Focus ihrer Arbeit. Dem schlossen sich viele Bürger an und gründeten die Bürgerinitiative „Hände weg vom Liepnitzwald“. An ihre Spitze stellten sich deren Sprecher Hans-Jürgen Klemm und Angela Kowalick. Seit 2012 fanden jedes Jahr im Januar Waldwanderungen durch das gefährdete Territorium statt, an denen regelmäßig hunderte Menschen teilnahmen. Die Bürgerinitiative ist inzwischen deutschlandweit vernetzt. Ihre Mitglieder beteiligten sich an Demonstrationen in Potsdam und vielen anderen Orten. Der Bürgerverein Wandlitz e.V. unterstützte von Anfang an tatkräftig den Kampf gegen die Zweckentfremdung des Waldes. Es gab kaum eine Ausgabe des Heidekraut Journals, in der zu diesem Thema kein Beitrag erschien und die Forderungen unterstützt wurden.
Mit der Entscheidung des Berliner Senats ist ein wichtiger Teilerfolg erreicht worden. Wir können davon ausgehen, dass zumindest in den kommenden Jahren keine Windräder hier errichtet werden. Dennoch sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass solche Festlegungen sehr von subjektiven Faktoren abhängen. Solange die Regierungen von Berlin und Brandenburg keine grundsätzlichen Entscheidungen treffen, bleibt die Gefahr bestehen, dass unser Wald der längst gescheiterten Energiepolitik zum Opfer fällt. Es bleibt folglich die Aufgabe, unsere Forderungen diesbezüglich weiter laut und vernehmlich zu formulieren.
Die Bürgermeisterin Jana Radant war über den Etappensieg so erfreut, dass sie spontan zu einer kleinen Feier am 23. März 2018 einlud, um denen zu danken, die sich bisher hierfür engagiert haben.
Horst Schumann
 
< zurück   weiter >
Valid XHTML & CSS - Design by ah-68 - Copyright © 2007 by Firma