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Häftling Nummer 2216 (Nr. 78) PDF Drucken
Ein Zeitzeuge berichtete
Auf Einladung des Vereins Friedensbrücke – Kriegsopferhilfe e.V. weilte Alexander Danilowitsch Bytschok, einer der letzten Überlebenden des früheren KZ Buchenwald mehrere Wochen in Wandlitz. 
ansprache-brgermeisterinAm 4. Mai 2018 fand ein Zusammentreffen mit dem 92-jährigen in der Kulturstätte „Goldener Löwe“ statt. Die Veranstaltung hatte der Bürgerverein Wandlitz e.V. gemeinsam mit dem Wandlitzer Gymnasium organisiert. Die Bürgermeisterin Jana Radant hatte die Schirmherrschaft übernommen. Erschienen waren rund 100 Gäste, darunter viele Schüler des Wandlitzer Gymnasiums. Der Chor des Gymnasiums Wacanto sorgte gemeinsam mit Sängern des Chores Jubilate für die kulturelle Umrahmung.
Alexander Bytschok war in seiner früheren Häftlingsjacke erschienen. Es wurde still im Saal, als er über seine Zeit in Buchenwald berichtete. Das tat er übrigens im Stehen. Trotz seines hohen Alters strahlte er außerordentlich viel Kraft und Lebensfreude aus.
Alexander Bytschok wurde im Alter von 16 Jahren in seiner Heimat, der Ukraine, nach dem Überfall auf die Sowjetunion von den deutschen Besatzern festgenommen und zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert. Gemeinsam mit einem Freund versuchte er in Richtung Heimat zu fliehen. Dabei wurde er aufgegriffen und kam in das KZ Buchenwald. Aufgrund des Umstandes seines Fluchtversuches wurde er als politischer Gefangener eingestuft. Er trug ein rotes Dreieck auf der Brust und erhielt die Nummer „2216“. Drei Jahre lang war er seines Namens beraubt. Er war in dem Getriebe des Lagers wie alle Häftlinge nur noch eine Nummer.
Diese Zeit hätte er nicht überlebt ohne die Solidarität vor allem der politischen Gefangenen, die ihm, dem Jugendlichen, halfen wo sie konnten. Es waren vor allem die Kommunisten aus verschiedenen Ländern, die sich um ihn sorgten. Dadurch blieben ihm manche Schikanen und der Transport in das Vernichtungslager Dachau erspart.
Selber beteiligte er sich am illegalen Widerstand und erlebte die Selbstbefrvortragbytschokeiung des Lagers durch die Häftlinge unmittelbar mit. Wenn heute diese Ereignisse so dargestellt werden, als hätten die Amerikaner das Lager befreit, spürt er nur Wut, wird doch so der illegale Kampf im Lager sowie die Überwältigung der Lagerwachen durch die Häftlinge herabgewürdigt.
Seine Rückkehr nach Kiew zu seiner Mutter war beschwerlich. Erst im Sommer 1945 traf er dort ein. Ausweispapiere hatte er nicht mehr und das Misstrauen der Sicherheitskräfte vor allem an der Grenze zu seinem Land war groß. Man befürchtete, dass nur Verräter den Aufenthalt in Deutschland überlebt hätten. Aber letztendlich wandte sich für ihn alles zum Guten.
Seit etlichen Jahren besucht er jährlich die Gedenkstätte in Buchenwald. Er freut sich, wenn er ehemalige Kameraden trifft. Doch sie werden immer weniger. Ihm ist es wichtig, an die Verbrechen des Faschismus in Deutschland zu erinnern. Vor allem die Jugend, die heutigen und die nachfolgende Generationen, dürfen niemals vergessen, was hier geschah.
So war es auch erfreulich, das Interesse der Schüler des Wandlitzer Gymnasiums zu spüren. Eine Schülerin fragte, wie man das überhaupt aushalten konnte, was Alexander Bytschok erlebt hatte. Er antwortete: Ich hatte einen großen Willen zu leben und ich sah es als meine Aufgabe an, diese Zeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
Wenn die künftigen Abiturienten des Gymnasiums Wandlitz demnächst die Gedenkstätte des KZ Buchenwald besuchen, werden sie sicherlich die Ausstellung mit anderen Augen sehen und sie mit dem persönlichen Erlebnis eines Zeitzeugen verknüpfen.
Christa Schumann
Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 30. Mai 2018 )
 
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