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Sophienstädt (Nr. 78) PDF Drucken
Bei der Vorstellung unserer Nachbarorte sind wir in der Gemeinde Marienwerder angekommen und widmen uns in dieser Ausgabe, nachdem wir bereits Ruhlsdorf vorgestellt hatten, dem Ortsteil 
sophienstdt-bernsteinseeSophienstädt.
Das Vorwerk Sophienstädt, das um 1700 aus nur einem Schafstall als Unterkunft für die Schäfer und Hirten bestand, wurde 1736 von Baron Franz Wilhelm von Happe nach und nach vergrößert und findet eine der ersten urkundlichen Erwähnungen in einem von dem Baron selbst aufgesetzten Brief mit folgendem Wortlaut: „Ich bin für die mir gesandte Assignation sehr verbunden und habe sowohl die Ziegelscheune als die Gebäude und Gelegenheit vom künftigen Dorfe Marienwerder besehen. Die Disposition ist schon gut, nur wollen es die „Sophienstädter“ nicht Marienwerder, sondern „Al to nah“ heißen…“ Immerhin werden hier die Sophienstädter bereits namentlich erwähnt, doch ist nach wie vor unklar, wie der Ort zu seinem Namen kam. Mehrere Geschichten ranken sich um die Namensgebung. Die eine erzählt, dass es eine wunderschöne Frau namens Sophie gegeben haben muss, die der Mann, dem dieses Fleckchen Erde einst gehörte, so verehrte, dass er sein Gut nach ihr benannte. In einer anderen dagegen heißt es, dass die Frauen der Schäfer und Hirten Anne oder Sophie hießen und somit Namensgeber für den Ort waren. Ziemlich sicher in der Namensforschung ist man sich dagegen beim eingemeindeten Dörfchen Rosaliendorf, das seinen Namen von der Ehefrau des Barons Heinrich Otto von Wüllknitz bekam, die Sophie Rosalie von Arnstedt hieß. Baron von Wüllknitz hatte diese neue Siedlung mit 24 Häusern im Jahr 1820 erbaut. Sieben Jahre später verkaufte der Baron all seine Besitztümer, unter ihnen auch Sophienstädt mitsamt Rosaliendorf, an Graf Friedrich Wilhelm von Redern. Dieser Graf war einer der reichsten Großgrundbesitzer Preußens, der uns bereits aus den Geschichtsbüchern unserer Gemeinde bekannt ist, denn zu jenem Verkauf gehörten neben 17 Seen und gut einem Dutzend Ortschaften auch Lanke samt Schloss und Park.
Wenn Häuser erzählen könnten, wüssten wir heute über Sophienstädt sicherlich mehr als nur das, was von einigen wenigen Personen in den Chroniken festgehalten wurde. Der Gasthof „Zum alten Krug“ beispielsweise, nachweislich ab 1754 bewirtschaftet, könnte von vielen Feiern, Festlichkeiten und Zusammenkünften berichten. Von 1952 an wurde das historische Gebäude in der Dorfstraße 8 fast 20 Jahre lang als Kinderferienlager und Schulungsheim genutzt und schließlich 1972 abgerissen. Auch der „Sophisophienstdt-alte-dorfstraeenquell“ in der Dorfstraße 17 könnte viel erzählen. In der Broschüre „250 Jahre Sophienstädt“ der Ortschronistin Anita Bauermeister kann nachgelesen werden, dass die Wirtsleute Agnes und Paul Gläser von 1928 bis 1945 hier „ein wahres Feuerwerk von Veranstaltungen organisierten“. Damit traten sie natürlich in harte Konkurrenz mit dem „alten Krug“. Um die Nase vorn zu haben, statteten sie ihre Gaststätte mit einer Tanzfläche für innen und außen aus, bauten aus dem Dachgeschoss Gästezimmer und schlossen Verträge mit Berliner Betrieben und Busunternehmen, die ihnen stets viele Gäste bescherten. Ab 1945 wechselten dann häufig die Besitzer, und heute ist der „Sophienquell“ leider nicht mehr zugänglich. Interessant auch, was das alte Schulhaus alles erlebt hat, das 1845 erbaut und bis 1954 als Schule genutzt wurde. Heute ist es das Gemeindehaus von Sophienstädt. Die Aufzählung interessanter und sophienstdt-dorfkirchehistorisch wertvoller Gebäude wäre ohne die Kirche unvollständig. Allerdings weiß die Sophienstädter Kirche nur wenig aus der langen Geschichte des Ortes, denn sie gehört nicht, wie anderenorts üblich, zu den ältesten Gemäuern des Ortes, sondern eher zu den jüngsten. Sophienstädt bekam erst 1914 eine Kirche, die insofern interessant ist, weil sie einerseits modern und an lokalen Bautraditionen orientiert ist, andererseits aber auch den historischen Aspekt nicht außer Acht lässt. Dafür hat der Berliner Architekt Georg Büttner gesorgt.
Wenn Liebhaber und Einheimische Sophienstädt als „Perle des Barnims“ bezeichnen, beziehen sie sich einerseits auf das beschauliche, ja fast friedlich dahinschlummernde Dörfchen, hauptsächlich aber auf das für den Barnim so typische Landschaftsbild. Felder, Wälder und Seen rahmen den Ort ein, den der Prägnitzfließ teilt. Dieses Flüsschen wiederum verbindet den Eiserbudersee nordöstlich und den Mittelprendener See südwestlich von Sophienstädt, zwischen denen sich das Mergelluch- Naturschutzgebiet ausdehnt.
In Sophienstädt leben heute zirka 260 Einwohner, unter ihnen Handwerker, Künstler und Berliner, die hier ihr Wochenendgrundstück haben. In den Sommermonaten aber tummeln sich zahllose Naturliebhaber und Wasserratten, Erholungssuchende und Aktivsportler in dem Ort, der schon lange kein Geheimtipp mehr ist.
Kefrin Simon
Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 30. Mai 2018 )
 
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