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Jeder sucht sich seine Freunde selbst (Nr. 78) PDF Drucken
Wer am 11. Mai 2018 die Sendung RBB Aktuell verfolgte, konnte sich die Augen reiben. Dort wurde Daniel Pfeiffer als Mitglied der Wandlitzer Linken interviewt. Die Reporterin zitierte ihn: Die Linke in
Wandlitz habe sich in der Frage der Kreisgebietsreform gegen die Landesspitze gestellt. Also, wenn sie dies tatsächlich getan hatte, dann muss das aber sehr geheim gewesen sein. Auf der Veranstaltung in der Kulturbühne „Goldener Löwe“ am 29. November 2016 jedenfalls unterstützte die Linke lautstark den SPD-Politiker Daniel Kurth bei seinem Versuch, die Kreisgebietsreform den Zuhörern schmackhaft zu machen. Er warb dabei redlich um die geplante Kreisgebietsreform. Offenbar gehörte er nicht zum Führungszirkel des Ministerpräsidenten, denn auch er wurde von der Nachricht überrascht, dass die geplante Reform auf Eis gelegt werde. Die Linke, auch in Wandlitz, hatte offenbar das falsche Pferd gesattelt.
Das hinderte aber diese Partei nicht daran, besagten Daniel Kurth als ihren Favoriten für die Landratswahl zu unterstützen. Sie verzichtete von Anfang an auf einen eigenen Kandidaten und forderte ihre Mitglieder auf, den Kandidaten der SPD zu wählen. Das ist eher ein ungewöhnliches Vorgehen. Man hätte durchaus abwarten können, was der erste Wahlgang brachte. Die anderen Kandidaten waren schließlich keine Personen, deren Wahl man mit allen Mitteln hätte verhindern müssen. Doch trotz der Schützenhilfe für die SPD kam Kandidat Kurth gerade mal in die Stichwahl. Auch die gewann er nicht. Nun muss er sich der Wahl in der Kreisvertretersitzung stellen. So wie sein Vorgänger Ihrke wird er also von Anfang an ein Landrat auf wackligen Füßen, wenn er denn die Wahl gewinnt.
Was man auch betrachtet: Die Wandlitzer Linke bezog stets die Positionen ihrer obersten Landesführung. Das betraf die Kreisgebietsreform genauso wie die Verhinderung von weiteren Windrädern, insbesondere im Liepnitzwald. Auch hier waren sie zwar gegen die Windräder, aber… Und dann kamen die Bedenken, die eine klare Position verhinderten. An dem jetzt erzielten Teilerfolg bei der Verhinderung von Windrädern im Liepnitzwald haben die Wandlitzer Linken kaum einen Anteil. Glücklicherweise stellte die Bernauer Linksfraktion noch schnell einen Antrag zum Schutz ihres Waldgebietes. Damit wurde der richtige Schritt in die Zukunft getan. Bei den Waldwanderungen der letzten Jahre waren die Wandlitzer Linken nur spärlich vertreten.
Das Gleiche betrifft die Altanschließerproblematik. Auch in dieser Frage bezogen die Linken eine gehorsame Haltung zu ihrer Landesführung. Eigene Ideen und Vorschläge suchte man vergeblich.
Brauchen wir eine Partei, die in treuer Gefolgschaft jedem noch so obskuren Ansinnen folgt? Oder brauchen wir eine Partei, die auf die Stimme der Bürger hört, ihre Fragen und Probleme ernst nimmt und sich für deren Lösung einsetzt? Die Frage beantwortet sich von selbst.
Dass die Linke im Land Brandenburg längst die Ideale linker Politik verlassen hat, wurde erst vor kurzem wieder deutlich. Am 24. April gründeten alle Fraktionen des Brandenburger Landtages einen „Freundeskreis Israel“. Initiatoren waren neben Barbara Riechstein (CDU) die Linken-Abgeordnete Andrea Johlige. Wenn gesagt wird, alle Fraktionen, dann ist damit auch die AfD gemeint. In dem Beschluss wird ausdrücklich jede Form von Anti-Zionismus verurteilt. Es geht also, neben dem ohne Einschränkung zu verurteilenden Anti-Semitismus, auch um die bedingungslose Unterstützung des Staates Israel. Wenn Israel, wie Mitte Mai geschehen, zig Menschen an seiner Grenze erschießen lässt, dann ist das sein gutes Recht? Sind Palästinenser keine Menschen? Israel ist ein Staat, bei dessen Gründung die Vertreibung von hunderttausenden Menschen aus ihren angestammten Gebieten am Anfang stand. In den 70 Jahren seines Bestehens hat Israel völkerrechtswidrig fremdes Eigentum annektiert, ohne dass die Betroffenen dazu befragt wurden oder gar das wollten. Diese Menschen leben nun unter katastrophalen Verhältnissen. Schuld sind, laut unserer „freien Medien“ deren Anführer, nicht etwa der Aggressor Israel. Israel gehört zu den Atommächten. Darüber regt sich niemand auf, denn damit spielt dieser Staat die Rolle des Erfüllungsgehilfen der USA im Nahen Osten. Und gerade aktuell hat sich der amerikanische Präsident als uneingeschränkter Freund Israels geoutet. Und mit ihm der Landtag Brandenburgs und die Fraktion der Partei Die Linke. Damit hat sie sich wieder einmal von ihrer Position als Friedenspartei entfernt.
Horst Schumann
Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 5. Juni 2018 )
 
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