Startseite arrow Gemeinde Wandlitz arrow Die Märzrevolution von 1848 (Nr. 78)
Die Märzrevolution von 1848 (Nr. 78) PDF Drucken
Vor 170 Jahren kam es in ganz Deutschland zu einschneidenden Kämpfen zwischen der damals noch jungen Bourgeoisie und zahlreichen arbeitenden Menschen einerseits und dem Adel andererseits.
mrz-1848Deutschland war zu dieser Zeit von zahlreichen kleinen und größeren Monarchien geprägt. Die jeweiligen Landesfürsten hatten eigne Gesetze und Verordnungen, die letztlich der weiteren Entwicklung der Produktivkräfte entgegen standen. Hinzu kamen mehrere Missernten, in deren Folge Hungersnöte auftraten. So entstand eine revolutionäre Situation, die sich in bewaffneten Kämpfen gegen die bestehende Ordnung entlud.
Bereits Mitte 1847 kam es in rund 100 Städten, darunter in Berlin, zu Hungerrevolten. Am 25. Februar 1848 brachen in Frankreich mehrtägige Straßenschlachten aus, in deren Ergebnis die Monarchie gestürzt wurde. Das wirkte wie ein Flächenbrand auch auf andere Staaten, so auch auf Deutschland. Unter diesem Einfluss fand am 27. Februar 1848 in Mannheim eine von radikal-liberalen Kräften einberufene Volksversammlung statt. Dort wurden die Forderungen nach gesellschaftlichen Veränderungen formuliert: Volksbewaffnung, Presse- und Versammlungsfreiheit, Einführung von Schwurgerichten, Schaffung eines Nationalparlaments. Dieses Ereignis kennzeichnet den Beginn der Märzrevolution von 1848.
Eine revolutionäre Welle breitete sich rasch über ganz Deutschland aus. Demonstrationen und Aufstände gab es in Bayern und Sachsen. Am 6. März kam es in Berlin zu großen Protestaktionen. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. ließ am 18. März auf dem Schlossplatz das Militär aufmarschieren. In den Straßen wurden Barrikaden errichtet. Rund 4.000 Kämpfer vor allem aus der arbeitenden Bevölkerung wehrten sich gegen gut bewaffnete 14.000 Soldaten des Königs. Ihnen gelang es zwar, mehrere Barrikaden zu erobern. Doch es machten sich auch Zersetzungserscheinungen bemerkbar. Letztlich war der Kampf gegen die Aufständischen militärisch nicht zu gewinnen. Am 19. März befahl der König den Abzug der Truppen. Am Nachmittag des gleichen Tages zwangen ihn die Revolutionäre, sich vor den aufgebahrten Gefallenen zu verbeugen. Es war die tiefste Demütigung, die ein preußischer König je hinnehmen musste.
Für die Gefallenen der Kämpfe wurde eine Gedenkstätte im Friedrichshain in Berlin errichtet, die bis heute dort besteht.
Trotz dieser Erfolge blieb die Revolution unvollendet. Der Adel hatte zwar die Alleinherrschaft verloren, die Bourgeoisie einen Anteil an der Macht erhalten, das Volk wichtige Rechte erkämpft. Die Kleinstaaterei wurde jedoch nicht überwunden. Das Bürgertum blieb auf halbem Wege stehen und ließ damit zu, dass sich die Adligen Kräfte neu formieren und behaupten konnten. Damit blieb ein wesentliches Hindernis für die weitere Entwicklung zu einem modernen Industriestaat.
Auf der Grundlage der errungenen neuen Freiheiten bildeten sich in der Folgezeit zahllose demokratische Vereine und Zusammenschlüsse vor allem der arbeitenden Bevölkerung. Dabei nahm auch der von Karl Marx und Friedrich Engels gegründete Bund der Kommunisten eine wichtige Rolle ein.
Die revolutionären Aktivitäten brachen nicht schlagartig ab. Auch in den Folgemonaten kam es zu zahlreichen Erhebungen, unter anderem von Bauern und Landarbeitern zur Überwindung der feudalen Verhältnisse. Diesen Aufständen war allerdings nur begrenzt Erfolg beschieden.
Am 27. März 1849 verabschiedete die Frankfurter Nationalversammlung die Verfassung des deutschen Reiches. Der preußische König wies jedoch die Übernahme der Kaiserkrone brüsk ab. Um diese Reichsverfassung, die bei ihrer Umsetzung die fortschrittlichste des 19. Jahrhunderts gewesen wäre, entbrannte die letzte offene Feldschlacht der deutschen Revolution. In Dresden kam es am 3. Mai zu offenen Kämpfen, bei der die Innenstadt von Arbeitern, Handwerkern und Studenten erobert wurde. Unter den Verteidigern gegen das Militär befanden sich auch Gottfried Semper, Richard Wagner, August Röckel und Michail Bakunin. Weitere Zentren des bewaffneten Widerstands entstanden in Rheinpreußen und in der bayrischen Rheinpfalz. Hier waren größere Truppenkontingente der Aufständischen zusammengestellt worden. Dazu zählten auch viele Freischärler aus Polen, der Schweiz, Ungarn und Frankreich. Am 13. Juni 1849 fielen größere preußische Truppenverbände unter dem Kommando des späteren Kaisers Wilhelm in das Gebiet ein. Am 23. Juli 1849 kapitulierten die restlichen 5.000 Revolutionäre in der Festung Rastatt vor dem preußischen Militär.
Danach folgte, was seitens reaktionärer Kräfte immer geschah: Zahlreiche Revolutionssoldaten wurden standrechtlich erschossen, eingekerkert oder zur Emigration gezwungen. Viele Teilnehmer an den bewaffneten Kämpfen wanderten mit ihren Familien nach Amerika aus. Die Reichsverfassungskampagne und die deutsche Revolution waren beendet.
Karl Marx und Friedrich Engels waren an den revolutionären Ereignissen direkt beteiligt. 1848 erschien ihr Manifest der Kommunistischen Partei, das als Parteiprogramm den Weg zu Veränderungen der Gesellschaft wies. Friedrich Engels diente als Adjutant bei August Willich in der badisch-pfälzischen Revolutionsarmee. Das brachte ihm den Spitznamen „General“ ein. Karl Marx war als einer der Führer der revolutionären Bewegung der preußischen Rheinprovinz in Köln tätig. Er gab dort die Neue Rheinische Zeitung heraus. Am 19. Mai 1859 erschien die letzte Ausgabe vor ihrem Verbot. Marx emigrierte zunächst nach Paris. Da ihm dort die Internierung drohte, ging er nach London ins Exil. Dort lebte er bis zu seinem Tode.
Der Adel hatte wieder die Alleinherrschaft und gestaltete nachfolgend das Leben nach seinen Machtinteressen. Das Bürgertum blieb in seiner Entwicklung auf der Strecke. Und es war nicht das letzte Mal, dass die Bourgeoisie ihrer geschichtlichen Rolle in Deutschland nicht nachkam. Dennoch nahm in den folgenden Jahren die Industrialisierung einen gewaltigen Aufschwung. Auch in der Landwirtschaft wurden die jahrhundertealten Feudalrechte beseitigt. Trotz der Niederlagen und Verluste war die Märzrevolution ein geschichtliches Ereignis von großer Tragweite und grundlegenden Veränderungen in Deutschland.
Horst Schumann
Quelle: Geschichte der Deutschen Arbeiterbewegung, Bd.1, Dietz Verlag Berlin 1966, S. 112
Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 31. Mai 2018 )
 
< zurück   weiter >
Valid XHTML & CSS - Design by ah-68 - Copyright © 2007 by Firma