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Wasser – Fluch und Segen (Nr. 79) PDF Drucken
Wasser bedeutet Leben, Wasser ist die entscheidende Grundlage allen Lebens auf der Erde. Auch auf anderen Planeten existiert Wasser. Doch für die Entwicklung von Leben, wie wir es kennen,
bedarf es noch weiterer Faktoren.
Die Oberfläche unseres Planeten besteht zu 71 Prozent aus Wasser. 3,5 Prozent des Wassers auf der Erde besteht aus Süßwasser, das meiste in Form von Eis an den Polen. Zum Leben brauchen wir Süßwasser. Davon gibt es genug für alle, noch. Denn viele Menschen – man spricht von 500 Millionen - haben ganzjährig keinen Zugang zu ausreichend sauberem Trinkwasser. Noch weitaus mehr sind von zeitweiligem Wassermangel betroffen. Während sie ihr Wasser mühsam von Quellen oder Tanks in Kanistern zu ihren Wohnorten tragen, ist für uns Wasser (fast) immer verfügbar. Wir trinken es, waschen uns damit, betätigen die Klospülung. Wir haben nicht einfach nur Wasser, wir haben sauberes Trinkwasser. Wasser ist ein Lebensmittel, für uns immer verfügbar und fast selbstverständlich.
Doch Wasser kann auch zum Fluch werden. Der Zugang zu sauberem Wasser ist vielerlorts längst zur Waffe geworden. Es wird in Stauseen gesammelt und den Menschen zugeteilt oder gar vorenthalten. Windige Geschäftemacher haben das Wasser als Handelsware entdeckt. Die Spekulation in Wasserfonds ist keine Zukunftsmusik, sondern bereits im Gange. Die UNO hat den Zugang zu sauberem Wasser als Menschenrecht definiert. Doch nicht alle haben diese Erklärung unterschrieben. Auch bei uns gab es bereits Aktivitäten, die Trinkwasserversorgung in private Hände zu legen, wie z.B. in Berlin. Davon sind glücklicherweise viele Kommunen wieder abgerückt. Trotzdem ist Wachsamkeit geboten, um rechtzeitig gegen Spekulanten Widerstand zu leisten.
Wasser kann auch große Schäden anrichte. Es kommt oft als Naturgewalt über uns. Kleine Bäche schwellen zu reißenden Flüssen an, überschwemmen ganze Wohngebiete, fluten Keller und Häuser. Vor solchen Wassermassen gibt es kein Entrinnen. Nichts kann es aufhalten. Ganze Existenzen sind so schon zu Grunde gegangen. Gern schreibt man das einem Klimawandel zu. Aber oftmals sind die Ursachen ganz andere: Zugebaute Flächen, tief gelegene Wohngebiete, fehlende Barrieren und Ausweichflächen.
Die ausreichende Sicherstellung von Trinkwasser und die Entsorgung von Brauchwasser einschließlich der Wiederaufbereitung sind zwingend notwendige Maßnahmen einer modernen Gesellschaft. In Deutschland wurden dafür eigene Verbände geschaffen, die sich diesen Aufgaben widmen. Bei uns ist das der NWA – der Niederbarnimer Wasser und Abwasserverband. Geschäftsführer ist Matthias Kunde, der in Zehlendorf seiner Arbeit nachgeht. Zehlendorf hinter Stolzenhagen, aber schon nicht mehr im Barnim.
Wir sprachen mit ihm, um mehr über die Situation des NWA zu erfahren. Seine Auffassung, dass es besser sei, mit dem als über den NWA zu reden, teilen wir ohne Abstriche.
Mit der Wende wurden 35 Kilometer Wasserleitung im Verbandsgebiet übernommen. Seit dem wurden 305 Kilometer neu gebaut. Damit ist auch die Gemeinde Wandlitz nahezu vollständig an das Trinkwassernetz angeschlossen. Seit 2004 werden alle angeschlossenen Grundstücke zur Finanzierung von Investitionen einbezogen. Gegen die Beitragserhebung sogenannter Altanschließer gab es rund 3.000 Widersprüche. Davon legten allerdings nur 130 Betroffene auch Rechtsmittel ein. Nur diese haben einen Rechtsanspruch auf eine Beitragsrückerstattung. Alle anderen haben keinen Rechtsanspruch erworben. Die 130 Anschließer erhielten zwar ihre Beiträge zurück, müssen aber nun eine höhere Anschlussgebühr im laufenden Betrieb bezahlen. Letztlich ergibt sich so keine dauerhafte Besserstellung.
Seit 2015 wurden neun Millionen Euro für Investitionen verwandt. Dazu gehören ein Brunnen in Basdorf, eine Aufbereitungsanlage in Prenden und eine neue Verbindungsleitung in Zühlsdorf. Mit drei Millionen Euro wurden Kredite abgelöst. Das auf der Grundlage der Gesetzgebung des Landes zusätzlich eingenommene Geld wurde also zweckgebunden eingesetzt.
Wie ist die Situation bei einigen ausgewählten Problemen?
Am 29. Mai 2018 kam es zu einer Sicherheitsabschaltung im Bereich Prenden. Dieser wurde automatisch ausgelöst. Statt der fünf bar wurden nur noch 1,5 bar Druck erreicht. Inzwischen ist der Mangel wieder behoben. Es ist nicht auszuschließen, dass solche Störungen immer mal wieder auftreten. Im konkreten Fall könnte die Ursache in einer extrem erhöhten Wasserentnahme liegen. Aufgrund der Temperaturen (32 Grad C) wurde von den Nutzern außergewöhnlich viel Wasser zur Beregnung ihrer Gärten entnommen. An dieser Stelle kann nur appelliert werden, in solche Situationen mit dem Trinkwasser verantwortungsbewusst umzugehen.
Für eventuelle Havarien steht ein Notstromaggregat im Wasserwerk Prenden bereit. Es kann von dort relativ schnell auch in anderen Bereichen zum Einsatz gelangen. Eine 100-prozentige Trinkwasserversorgung in allen Situationen kann es allerdings nicht geben. Bei terroristischen Anschlägen oder anderen Extremsituationen können die Probleme nur schwerpunktmäßig gelöst werden. Auch die Notstromaggregate brauchen Diesel und Mitarbeiter, die sie bedienen.
Ähnlich sieht es mit dem Brandschutz aus. Der NWA ist nicht für die Bereitstellung von Löschwasser zuständig, auch wenn die Feuerwehren darauf in bestimmten Situationen zurückgreifen. Brandschutz ist eine Aufgabe der Verwaltung. Dafür müssen Zisternen, Teiche oder extra Brunnen zur Verfügung stehen. Diese müssen ja auch kein reines Trinkwasser vorhalten.
Die Abwasserleitungen werden in Wandlitz weiter ausgebaut. Vor allem wird es nicht um neue Leitungen sondern die Verdichtung der vorhandenen Leitungen gehen. Das ist auch durch die weitere Wohnbebauung gegeben.
Im Verbandsgebiet existieren etwa 120 Kleinkläranlagen. Die Entsorgung von Abwasser muss auch ökonomisch bleiben. Endlose Leitungen zu den Klärwerken sind dabei nicht immer sinnvoll. Ein Beispiel ist die Anlage am Bogensee. Das Land Berlin, das Eigentümer des Geländes ist, plant dafür keine Investitionen. Durch den NWA werden Gespräche geführt, hier eine Lösung zu finden.
Insgesamt ist festzustellen, dass der NWA bei seinen Gebühren für Wasser und Abwasser auf einem guten Niveau ist.
Welche Schlussfolgerungen ergeben sich aus dem Gespräch mit Matthias Kunde?
Zum einen sollten wir künftig bei Forderungen an uns Bürger, irgendetwas zu bezahlen oder zu leisten, von Anfang an kritischer fragen und nicht noch einmal im blinden Vertrauen an die Unfehlbarkeit politischer Entscheidungen handeln.
Als Nutznießer der Versorgung mit Trinkwasser ist jeder einzelne gehalten, verantwortungsbewusst mit diesem wertvollen Naturstoff umzugehen: Grüne Rasen sind schön. Aber daneben gibt es noch andere gewichtige Gründe, Wasser zu nutzen.
Die Initiative des Bürgervereins Wandlitz e.V. hat ihre volle Berechtigung. Nichts ist so gut, dass es nicht noch besser geht. Bevor Oranienburg die Wasserversorgung ihren Stadtwerken überlässt, sollten wir über neue Wege für den NWA nachdenken. Der Bau eines eigenen Gebäudes kostet natürlich Geld. Meine Nachzahlung an den NWA stelle ich dafür gern zur Verfügung.
Horst Schumann
Letzte Aktualisierung ( Freitag, 27. Juli 2018 )
 
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