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Gesichter in Wandlitz - Anke Müller (Nr. 80) PDF Drucken
... Oberste Feuerwehrfrau
Geboren 1971, wuchs Anke Müller in Groß Schönebeck auf. Von 1993 bis 1996 studierte sie in Bernau. Das Studium schloss sie als Diplomverwaltungswirtin ab. Seit 1997 ist sie Mitarbeiterin im Ordnungsamt der Gemeinde Wandlitz. Durch Personalveränderungen wurde ihr 2005 die Aufgabe als Verwaltungsleiterin der Feuerwehr
übertragen. Anfangs hatte sie keine Ahnung, was da auf sie zukommt. Sie musste sich mit vielen Vorschriften, theoretischen und praktischen Fragen befassen. Zum Zeitpunkt der Übernahme der Funktion war ja auch aus der früheren kleineren Gemeinde inzwischen eine weitaus größere geworden. In jedem Ort gab es eine Freiwillige Feuerwehr, teilweise seit 100 Jahren. Und jede Ortsgruppe wollte ihre Eigenständigkeit behalten. Anke Müller ist für alle neun Wehren verantwortlich, muss deren Einsätze koordinieren, sich um die Ausrüstung und Ausbildung kümmern, den Nachwuchs im Auge behalten. Dafür steht ihr die Hälfte der Arbeitszeit zur Verfügung. Die andere Hälfte ist mit weiteren Aufgaben ausgefüllt, die in einem Ordnungsamt anfallen. Über Langeweile kann sie also nicht klagen.
Anke Müller ist verheiratet und wohnt mit ihrer Familie seit 2003 direkt in Wandlitz. Ihr Ehemann Helge ist als Jugendwart in Basdorf ehrenamtlich tätig, bei der Feuerwehr. Ihr Sohn Fabian ist ebenfalls aktiv im Brandschutz tätig. Nur die Tochter Friederike fällt da aus dem Rahmen. Das hat aber einen konkreten Grund. Sie ist seit vielen Jahren Leistungssportlerin im Rudern und hat ihren Lebensmittelpunkt in Potsdam. Als Weltmeisterin in ihrem Sport bleibt auch keine Zeit für weitere Aktivitäten.
Seit einiger Zeit hat Anke Müller ihre Diensträume im Feuerwehrgebäude in Basdorf, gemeinsam mit dem Gerätewart Alexander Engel. Für diesen Standort gibt es einen handfesten Grund. Die Personaldecke der Freiwilligen Feuerwehr ist in Basdorf sehr angespannt. Oftmals reichen die vorhandenen Kräfte nicht aus, um einen eigenständigen Einsatz zu fahren. So sind wenigstens zwei Feuerwehrleute hier vor Ort. Obwohl Basdorf der zweitgrößte Ort ist, ist das Interesse der hier ansässigen Menschen, sich freiwillig beim Katastrophenschutz zu engagieren. Für viele, vor allem neu zugezogene Bürger ist Basdorf ein Schlafort. Sie arbeiten in Berlin. Was in anderen, vor allem kleineren Dörfern zum Alltag gehört, nämlich sich in seinem Ort für die Gemeinschaft aktiv einzubringen, verliert in den gewachsenen Orten zunehmend an Bedeutung. Wer wie Anke Müller den großen Waldbrand im August in Treuenbrietzen miterlebt und gesehen hat, welche Bedrohung Waldbrände und andere Katastrophen für die Menschen darstellen, würde vielleicht anders denken. Doch muss erst etwas Schlimmes passieren, um die Bürger zur aktiven Mitarbeit zu bewegen?
Für den Katastrophenschutz ist der Kreis zuständig. Neben vielen anderen besteht eine Aufgabe der Gemeinde darin, Löschwasser bereit zu stellen. Da sind noch etliche Anstrengungen erfoderlich.
Die Wehren in den Wandlitzer Orten sind technisch gut ausgestattet. Doch die Technik muss auch beherrscht werden. Auch sie entwickelt sich immer weiter. Deshalb muss jedes Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr jährlich 40 Ausbildungsstunden absolvieren. Die Ausbildung wird von der Gemeinde bezahlt. Aber die Zeit muss jeder selbst aufbringen. Das kollidiert manchmal auch mit der Arbeitsstelle. Mehrtägige Ausfälle im Produktionsablauf stellen große Herausforderungen dar. Generell haben aber die Firmen Verständnis für die auftretenden Arbeitsausfälle und die ehrenamtliche Tätigkeit ihrer Mitarbeiter.
Gegenwärtig gibt es ja in Brandenburg Diskussionen darüber, wie man den Aufwand der Freiwilligen honorieren kann und gleichzeitig einen Anreiz für die Arbeit bei der Feuerwehr schafft. Das geplante Modell, nach entsprechenden Jahren Prämien zu zahlen, wird von vielen nicht als sehr verlockend angesehen. Besser wäre es, den Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr eine Zusatzrente zu zahlen, wie das in Thüringen geplant ist.
Der schwere Unfall bei Kloster Lehnin vor einem Jahr ist auch bei den Kameraden vor Ort nicht spurlos vorbei gegangen. Das möchte niemand selbst erleben müssen.
Wenn von der Feuerwehr gesprochen wird, dann muss man auch wissen, dass nur etwa ein Drittel aller Einsätze Löscheinsätze sind. Die meisten Einsätze gelten der Beseitigung von Ölspuren, bei Verkehrsunfällen und zur Notöffnung von Türen. Auch die Drehleiter, die aufgrund der Personalsituation nicht mehr in Basdorf, sondern in Wandlitz stationiert ist, wird zu den verschiedensten Einsätzen benötigt. Oftmals müssen Personen aus ihrer Wohnung geholt werden. Das bereitet bei vielen engen Treppenhäusern Probleme.
Die Arbeit als oberste Feuerwehrfrau stand bei Anke Müller nach dem Abschluss ihres Studiums nicht auf ihrem Zettel. Inzwischen ist sie aber mit Leib und Seele dabei. Da sind die Kameradschaft untereinander, das Gefühl, etwas sehr Sinnvolles zu leisten, der Stolz auf das Geschaffene. Anke Müller erfüllt weit mehr als nur ihre Pflicht. Und bei ihrer Erscheinung fällt es nicht schwer, zu ihr aufzublicken.
Horst Schumann
Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 25. September 2018 )
 
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