Startseite arrow Gemeinde Wandlitz arrow Kommunalpolitik arrow Die Bahn bewegt sich (Nr. 83)
Die Bahn bewegt sich (Nr. 83) PDF Drucken
coradia_ilint
Als im Jahre 2005 das Heidekraut Journal zum ersten Mal erschien, gab es von verschiedenen Seiten die Frage, warum dieser Titel gewählt wurde. „Heidekraut“, das klang so nach Wandern in der Natur, Pilze sammeln und pure Erholung. Doch den Initiatoren ging es um etwas anderes: Die Heidekrautbahn prägt ganz wesentlich
unsere Gemeinde, sie verbindet die Orte von Süd nach Nord, sie ist unsere wichtigste Verbindung in die nahe Hauptstadt. Die Bahn ist eine Lebensader seit ihrer Inbetriebnahme.
Mit ihr verbinden sich auch Begehrlichkeiten, zahlreiche Ideen, mancher Ärger und das Bestreben, diese wichtige Verkehrsader zu erhalten, zu entwickeln und den modernen Anforderungen anzupassen. So war das Heidekraut Journal von Beginn an mit der gleichnamigen Bahn stets eng verbunden. Nun stehen wir unmittelbar vor wichtigen Veränderungen. Es geht zum einen um die Anbindung der alten Stammstrecke bis nach Gesundbrunnen. Zum anderen und damit in unmittelbarem Zusammenhang geht es um die Modernisierung der Bahn unter dem Gesichtswinkel ökologischer Erfordernisse.

Die Wiederinbetriebnahme der Stammstrecke
Im Oktober 2007 erreichte uns ein Leserbrief der Familie Steins aus 40670 Meerbusch. Sie äußerten darin den Wunsch, dass die Heidekrautbahn wieder bis Gesundbrunnen fahren möge, möglichst im Halbstundentakt und vielleicht auch das Streckennetz erweitert wird. In dieser Zeit fuhr die Bahn aufgrund von Bauarbeiten tatsächlich mehrfach bis Gesundbrunnen, allerdings am Kreuz Karow entlang. Schon lange bestand die Forderung, die alte Strecke über Schildow und Mühlenbeck bis Wilhelmsruh und weiter bis Gesundbrunnen wieder in Betrieb zu nehmen. Zu dieser Zeit gab es jedoch beim Berliner Senat noch keine Begeisterung dafür und so blieb alles wie gehabt.
In einem Interview des HK-J mit dem damaligen Wirtschaftssenator Harald Wolf 2010 konnten wir ihm seine Zustimmung für das Projekt „Stammstrecke“ entlocken. Das war zumindest ein Anfang.
Am 12. August 2011 lud die NEB zu einer Fahrt auf der alten Stammstrecke nach Berlin-Wilhelmsruh ein. Wir berichteten im Heft 38 darüber. Zahlreiche Bürgermeister der anliegenden Orte waren erschienen, ebenso Minister aus Brandenburg. Von der Berliner Senatsverwaltung kam niemand. Zu dieser Zeit schätzte die NEB ein, dass bis 2016 das Projekt realisiert werden könnte. Es ging immerhin um 20 Millionen Euro. Die Anbindung an Schönerlinde sollte dabei nicht in Frage stehen. Probleme wurden vor allem bei der Einrichtung von Parkmöglichkeiten an den verschiedenen Bahnhöfen sichtbar. Basdorf war schon damals an seinen Grenzen angelangt. Die Einrichtung von Parkplätzen in Klosterfelde warf die Frage auf, ob dann der Fahrpreis dorthin angepasst werden müsste.
Ende 2017 kam Bewegung in die Sache. Der Landesentwicklungsplan von Brandenburg stufte Wandlitz neben anderen Regionen als Wachstumsachse ein. Damit verbunden ist die Konzeption zur weiteren Wohnbebauung und Ansiedlung von neuen Bürgern. Folglich war auch eine Überarbeitung des Landesverkehrsplanes nötig geworden. Darin enthalten ist die Wiederaufnahme des Zugverkehrs nach Wilhelmsruh bzw. Gesundbrunnen. Zunächst wurde allerdings ein Zeitraum bis 2030 ins Auge gefasst. Anfang 2019 haben dann Berlin und Brandenburg eine Planungsvereinbarung zur Reaktivierung der alten Stammstrecke der Heidekrautbahn auf der rund 14 Kilometer langen Strecke vom Abzweig Schönwalde bis Wilhelmsruh getroffen. Die Inbetriebnahme ist ab dem Fahrplanwechsel 2023 vorgesehen.
Von der Mehrheit der Bürger entlang der Strecke wird das Vorhaben begrüßt. Aber es gibt auch sogleich Kritiker, die eine Lärmbelästigung und Staus an den Bahnübergängen befürchten. Wir können ihnen nur raten, sich an der bestehenden Trasse der NEB vor Ort zu informieren.
Die Forderung, auch künftig Schönerlinde durch die NEB anzufahren, bleibt ohne Abstriche bestehen.

Die ökologische Modernisierung
Bei der stärkeren Nutzung der Bahn geht es nicht nur um eine Erweiterung des Angebotes. Es ging von Anfang an auch um die Umstellung auf eine ökologische Verkehrslösung. Mit einer attraktiven Erweiterung der Eisenbahnstrecken soll schließlich erreicht werden, dass zunehmend die Kunden weniger Auto fahren. Das betrifft natürlich die Ausflügler in das Naherholungsgebiet Barnim – Schorfheide. Das betrifft aber noch mehr tausende Pendler von und nach Berlin. Für die Touristen sollen künftig E-Bikes durch die NEB zur Weiterfahrt und für Ausflüge von ausgewählten Bahnhöfen bereit gestellt werden (Wir berichteten darüber im Heft 78).
Für die Tagespendler sind ausreichend Parkplätze an den wichtigsten Bahnhöfen in Wandlitz, Basdorf, Schönwalde und Klosterfelde nötig. Hier ist noch viel Arbeit zu leisten. Das Ziel besteht darin, den Kfz-Verkehr in unseren Orten kontinuierlich zu reduzieren.
Das ist die eine Seite. Was nützen aber weniger Autos, wenn durch die Bahn Unmengen von Abgasen in die Luft geblasen werdrn? Hier ist die andere Seite.
Bereits Ende 2017 informierten wir über Pläne der NEB, ihre Züge auf dem Streckennetz in unserer Gegend auf Wasserstoffantrieb umzustellen. Was vor kurzem noch utopisch klang, hat inzwischen Gestalt angenommen. Am 11. Februar 2019 fuhr der erste Zug dieser Art von Basdorf nach Gesundbrunnen. Die Ministerin Kathrin Schneider, Minister Jörg Vogelsänger, Bürgermeisterin Jana Radant und weitere Vertreter aus Politik und Wirtschaft nahmen daran teil. Die Medien waren zahlreich vertreten. Auch das HK-J war eingeladen.
Der Wasserstoff-Zug Coradia iLint der französischen Firma Alstom ist der weltweit erste Personenzug, der mit einer Wasserstoff-Brennstoffzelle betrieben wird. Beim Betrieb werden lediglich Wasserdampf und Kondenswasser abgegeben. Durch den Elektroantrieb fährt der Zug geräuschärmer als Dieselfahrzeuge. Der Wasserstoff soll ausschließlich durch Elektrolyse mittels Strom aus Windenergie gewonnen werden. Der Wasserstoff speichert so Elektroenergie, die bei der Reaktion mit Sauerstoff wieder freigesetzt wird. Über diese Technik berichteten wir im Heft 75 des HK-J.
Ein solcher Zug fährt bereits seit September 2018 im Raum Bremen störungsfrei und sicher. Der Einsatz soll vor allem da erfolgen, wo es keine elektrischen Oberleitungen gibt und die zu befahrenden Strecken im Nahbereich liegen.
Die NEB plant die Umstellung auf die neuen Züge für 2022.
Es ist ein beglückendes Gefühl, die Umstellung der uns geläufigen Technik auf neue Energieformen direkt mit zu erleben. Die Notwendigkeit, unseren Energiebedarf durch völlig neuartige Verfahren zu decken, ist unumstritten. Es ist aber ein gewaltiger Unterschied, ob man gegen alles Mögliche demonstriert, Forderungen aufstellt und Tagebaubrücken entert ohne zu sagen, wie das Problem gelöst werden soll oder ob wir uns mit neuen, zukunftsweisenden Lösungen befassen
Horst Schumann

Informationsveranstaltung der NEB zum Streckenausbau Dienstag, den 14. Mai 2019, 18 Uhr, Schönwalde, Restaurant Korfu, Hauptstr. 40
Letzte Aktualisierung ( Montag, 1. April 2019 )
 
< zurück   weiter >
Copyright © 2018 Barnimer Brgerverlag Horst Schumann | Diese Website verwendet COOKIES - mehr Infos hier