Startseite arrow Leserbriefe arrow Zu einem W mit Punkt – etwas Klartext (Nr. 83)
Zu einem W mit Punkt – etwas Klartext (Nr. 83) PDF Drucken
Mit Interesse haben wir die ersten beiden Ausgaben Ihres Blattes in den Händen gehalten. Einige Behauptungen auf der Seite 15 ihres Blattes Nr. 2.
Der Artikel unserer Kulturamtsleiterin war gespickt von Nichtwissen oder Nichtwissen wollen. Aus unserer Sicht handelt es sich um grobe Verfälschungen und
Verdrehungen der Wahrheit. Zu den gröberen davon einige Hinweise, sie hätten eigentlich auch der Redaktion auffallen müssen:
1. Zur „Vorgeschichte der Garnison Basdorf“ sollten Aussagen korrekter getroffen werden. Das betrifft die Erwähnung der „Anwesenheit“ einer großen Anzahl von Ukrainerinnen. (Ihr Gesang wurde von Zeitzeugen als anrührend bezeichnet).
Sie hatten Arbeitsverträge. Ihre im Gegensatz zu sowjetischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern „besondere“ Behandlung ergab sich aus dem Bestreben der Faschisten, diese Ukraine als „potentielle Kampfreserve“ für den Krieg im Osten zu erhalten. Es waren gut qualifizierte Kräfte, die in der Metallbranche Ahnung hatten. Da ihre Betriebe zerbombt worden waren, gingen sie „freiwillig“ so weit weg.
2. Die Entwicklung nach 1945 wird so wunderbar schablonenhaft dargestellt, dass man es beispielgebend nennen möchte. Da wird von einer „Materialentnahme“ geschrieben. Es war schlicht Eigenbeschaffung und/oder Diebstahl von Baumaterial für die Restauration der Lauben von ausgebombten Berlinern.
3. Es mag egal sein, welche „Schnapsfabrik“ dann für kurze Zeit hier einzog. Sicher ist auf jeden Fall, dass es eine Firma „Melde- korn“, wie behauptet, niemals gab. Die Firma Melde ist ausschließlich in Cottbus ansässig!
Sie wurde inzwischen auch durch eine Westfirma vereinnahmt. Ein bekanntes Produkt war damals der „Meldekorn“.
In dieser Gegend sprachen Zeitzeugen und Archivalien von der Firma „SCHILKIN“, deren Berliner Betrieb Schaden genommen hatte.
Was dann zur militärischen „Nachnutzung“ steht, ist von keinerlei korrekter Sachkenntnis getrübt, grenzt teilweise an Unverschämtheit. Da werden Teile einer Broschüre, die einst bei LINKS erschien, erneut übernommen. Die Autorin handelt hier gegen Grundsätze einer wissenschaftlichen Arbeit. Mindestens eine Fußnote hätte da hingehört. Auch, oder besser weil die Broschüre bereits bei Erscheinen 2017 bei Amazon deutlich charakterisiert wurde. Da wird die Unterbringung der Grenzpolizei einfach „vergessen“.
Besonders beleidigend ist aus unserer Sicht die Art und Weise, wie die Ehrennamen der Einheiten aus der Geschichte getilgt werden sollen:
„Relikte dieser Zeit z.B. „die Exerzierstelle der vier Patrone der VP-Einheiten sind noch auf dem Gelände erhalten“. Schon diese Wortwahl entlarvt diese heuchlerische Art der „Erinnerungsgestaltung“. Muss man denn den Ossis jeden Westbegriff „aufdrängen“? Wir leben doch nicht vor 200 Jahren in Afrika? Und Patrone – wie schlicht ist das eigentlich?
Dass es sich um Antifaschisten handelte, die eben diese Spanische Republik mit ihrem Blut verteidigten, Antifaschisten, die auf dem Schafott der Faschisten ihr Leben lassen mussten, spielt bei diesem nachträglichen Rufmord keine Rolle. Wenn man schon keinen eigenen Anstand hat, sollte man wenigstens die Ehre der Toten nicht beschmutzen.
„1958 rückten erste Wehrpflichtige ein“ – ein neues Wunder wird beschrieben.
Genauso perfide ist die Formulierung, dass sich „Anfang 1990 die VP-Einheiten auflösten“. Nein, sie wurden aufgelöst, zerschlagen!
Gisela & Paul Bergner, Basdorf
Letzte Aktualisierung ( Montag, 5. August 2019 )
 
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