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Wo steht eigentlich unsere Gemeinde? (Nr. 84) PDF Drucken
Wenn Sie sich auf den Weg machen würden, um mit den Bewohnern der verschiedenen Ortsteile darüber zu sprechen, wie sich in den letzten Jahren ihr Dorf oder die Gemeinde insgesamt aus ihrer Sicht so entwickelt hat, Sie würden bestimmt eine Menge Antworten erhalten. Manch einer hat vielleicht gar nichts bemerkt. Es ist
auch nicht einfach, aus dem Stegreif heraus all das zu benennen, was es Neues gibt oder was der Einzelne vielleicht vermisst. So haben wir uns gesagt, vielleicht ist es das Beste, wir fragen gleich jemanden, der die Übersicht hat. Und so kam dieses Interview mit der Bürgermeisterin Jana Radant zustande. Alles haben wir bestimmt auch nicht erfasst. Aber das, was wir dabei entdeckten, war schon ganz schön spannend.

HK-J: Frau Radant, es ist bestimmt nicht leicht, neun Orte mit unterschiedlicher Geschichte und ihren Eigenheiten unter einen Hut zu bringen. Wo steht denn die Gemeinde beim Zusammenwachsen all ihrer Teile?
Jana Radant: So stellt sich die Frage gar nicht. Wir streben nicht das Zusammenwachsen aller Orte zu einem Großen an. Gerade in den vielfältigen Traditionen und Besonderheiten der größeren und kleineren Dörfer liegt unsere Stärke. Diese wollen wir erhalten und weiter entwickeln. Dabei gilt es die Vorteile einer großen Gemeinde zu nutzen. Kleine Dörfer, wie z.B. Lanke hätten kaum die Kraft, ein eigenes Gemeindezentrum, eine Feuerwache und eine neue Kita zu errichten. Die Kunst besteht darin, die Interessen der Orte so wahrzunehmen, dass niemand sich abgehängt fühlt und spürt, dass sich auch in seinem Ort etwas tut. Das lässt das Miteinander wachsen.

Wie können Sie aber erreichen, dass die Wünsche der Bürger auch wahrgenommen werden?
Wir haben in den vergangenen Jahren zu den wichtigen Themen der Gemeindeentwicklung 37 Bürgerversammlungen durchgeführt. Mal standen Windräder im Mittelpunkt, mal das Energiekonzept, der Baumschutz u.v.m. Da konnte sich jeder Interessierte informieren und beteiligen. Die Bürgersprechstunde in den Ortsbeiräten und Ausschüssen wurde 2012 eingeführt, so dass zu jedem Beschluss der Gemeindevertretung Hinweise durch unsere Bürger gegeben werden können. Ich führe jährlich einen Bürgerempfang durch, jeweils in einem anderen Ortsteil. Wir wollen neugierig machen auf unsere vielfältige Gemeinde. In diesem Jahr findet der Bürgerempfang, insbesondere für Kinder und Jugendliche aber auch für unsere anderen Anwohner der Gemeinde in Stolzenhagen am 10. August von 11-13 Uhr statt, gemeinsam mit dem Kirchturmfest des Ortsteiles. Jeder soll spüren, dass er nicht abseits steht sondern Bestandteil einer großen Gemeinde ist. Mitarbeiter der Verwaltung sind regelmäßig vor Ort, um die Probleme aufzunehmen und in den Haushaltsplan einfließen zu lassen. Natürlich gibt es bei allen Fortschritten auch noch Nachholebedarf. Nicht alle Orte haben einen Sitz in der Gemeindevertretung. Hier kann ich nur daran erinnern, dass die Ortsvorsteher ohne Mandat an den Versammlungen teilnehmen können und hier auch eine Stimme haben.

Welche Rolle spielen dann aber die Bürgerinitiativen und Interessengruppen?
Die sind mir genauso wichtig. Ohne die vielen Bürger, die sich für die unterschiedlichsten Probleme stark machen, gäbe es keine funktionierende Gemeindearbeit. Ich erinnere mich daran, wie ich selbst vor acht Jahren den ersten Waldspaziergang gegen die Errichtung von Windrädern in unserem Liepnitzwald mit organisierte. Wir haben in der Folge viel erreicht. Gegenwärtig will niemand diesen Erholungswald antasten. Ich finde es gut und auch völlig normal, wenn die Parteien und ihre Vertreter auf die Stimme des Volkes hören und nicht immer wieder nur ihren eigenen Vorstellungen folgen. Aber auch Bürgerinitiativen werden nur dann erfolgreich sein, wenn sie sich verbünden und die Regeln demokratischer Willensbekundung befolgen. Immer nur dann „auf die Barrikaden“ zu gehen, wenn es um ureigenste Interessen geht, kann auch nicht der richtige Weg sein. Man muss schon Mehrheiten um sich versammeln, seine Forderungen klar formulieren und konsequent sein Ziel verfolgen. Dafür stand zum Beispiel das breite Engagement unserer Bürger gegen die vom Land geplante Kreisgebietsreform, die unseren Landkreis verdoppelt hätte.

Wenn man so manche Gemeindevertretersitzung verfolgt, könnte man den Eindruck gewinnen, es gehe hauptsächlich um Baumaßnahmen. Und da wird oft heftig gestritten.
Den Eindruck habe ich nicht. Aber es stimmt schon, geplante Baumaßnahmen in der Gemeinde spielen eine große Rolle. In der letzten Legislaturperiode 2014 bis 2019 hat die Gemeinde allein für den Bau von 104 Wohnungen in den „Basdorfer Gärten“ 16,8 Millionen Euro vorgesehen. Und wir sind tüchtig am Bauen. Für den Neubau- und die Erweiterung der Infrastruktur für Kinder- und Jugendliche haben wir 12,3 Millionen Euro aufgewandt bzw. eingeplant. Der Fahrzeugbestand der Feuerwehr befindet sich auf einem sehr guten Niveau und wird weiter erneuert. Auch in diesem Jahr sind dafür noch zirka 500.000 Euro geplant.
Das sind nur ein paar Fakten zum Investitionshaushalt. Hinzu kommen finanzielle Mittel für Personal, für den Unterhalt und Betrieb der gemeindeeigenen Einrichtungen, für Kultur, Sport und Vereine usw. Die Arbeit der Verwaltung beschränkt sich also nicht nur auf Baumaßnahmen. Die zu lösenden Aufgaben sind weit vielfältiger und es bedarf engagierter und qualifizierter Mitarbeiter, um alles in die Reihe zu bringen. Ich bin froh, dass wir sehr viele gute Mitarbeiter in der Verwaltung haben und einen sehr stabilen Haushalt.

Noch einmal zu den Baumaßnahmen. Was wird uns da in Zukunft erwarten?
Die Bautätigkeit in der Zukunft hängt natürlich von der Bevölkerungsentwicklung ab. Dabei müssen wir einerseits die zu erwartenden Zuzüge und andererseits die demographische Entwicklung betrachten. In den letzten fünf Jahren hat sich die Einwohnerzahl um 7,33 Prozent erhöht, das entspricht etwa 1,5 Prozent im Jahr. Das sind jährlich 344 Einwohner mehr. Der Zuwachs verteilt sich allerdings sehr unterschiedlich. Während im Ort Wandlitz 821 Einwohner hinzukamen, sank die Zahl in Prenden um 15. Insgesamt waren es 1.718. Die Geburtenzahlen sind im gleichen Zeitraum relativ stabil bei rund 160. Sie blieben aber leicht unter den prognostizierten Zahlen. Zusammengefasst kann man sagen, dass wir einen leichten aber stetigen Zuwachs der Bevölkerung verzeichnen. Außergewöhnliche Entwicklungen sind nicht erkennbar. Das bildet eine verlässliche Grundlage für die Prognose der weiteren Bevölkerungsentwicklung und damit auch für die Planung von Kitas und Schulen.
Wichtig für uns sind auch bezahlbare Wohnungen. Jeder Wandlitzer soll die Möglichkeit haben in seiner Gemeinde zu leben! Wir werden z.B. Azubi-Wohnungen anbieten, um Auszubildenden in unsere Gemeinde ein Mietangebot zu ermöglichen. Und wir wollen einen Typenbau für ein Mehrfamilienhaus entwickeln, der z.B. in Prenden und in anderen Ortsteilen mit wenig kommunalen Wohnungsbestand, errichtet werden soll.
Was wir auf keinen Fall wollen, ist eine ungebremste Verdichtung unserer Orte mit Mehrfamilienhäusern. So wie wir es bereits in unserem Leitbild festgeschrieben haben, soll der typische Charakter unserer Orte erhalten bleiben. Das bedeutet eine lockere Bebauung, in der die Bäume möglichst erhalten bleiben und die Gemeinde grün bleiben lässt.

Trotzdem unterliegen immer wieder ganze Flächen dem Kahlschlag.
Das ärgert mich und bestimmt auch viele Mitmenschen. Aber wir haben nicht immer auf alles Einfluss. Mit der Baumschutzsatzung können wir schon viel erreichen. Aber die Waldumwandlung muss noch baumfreundlicher geregelt und nicht wie jetzt im Regelfall zu Kahlschlag führen. Da sind wir dran. Doch wenn man über Bäume spricht, muss man auch über andere Fragen eines ökologischen Umfeldes reden. Da ist z.B. die Entsorgung von Abwasser vor Ort, z.B. durch ökologische Kläranlagen. Bisher gab es da keine Lösung. Im September soll ein Workshop des NWA mit den beteiligten Nachbarkommunen auch zu diesem Thema stattfinden. Der Verzicht auf genmanipulierte Pflanzen und den Einsatz von Glyphosat für die gemeindlichen Flächen sind selbstverständlich. Wir wollen Vorbild sein. Weitere Themen werden die Wiederanlage von Gehölzhecken und insektenfreundlichen Wiesenbereichen sein.

Haben Sie auch das Gewerbe im Blick?
Hier ist für uns die gute Unterstützung der Gewerbetreibenden durch unsere Mitarbeiter der Verwaltung wichtig. Ob bei der Grundstückssuche, Ansiedlung, bei der Ermöglichung einer entsprechenden Internet-Versorgung und die Suche von Arbeitskräften. Durch unseren jährlichen Gewerbeempfang versuchen wir das gemeinsame Kennenlernen und Vernetzen der Branchen zu unterstützen. Die Unternehmen vor Ort sind uns wichtig, denn wir leben nicht von Luft und Liebe allein.

Nun haben wir über Bauen, Ökologie, Finanzen gesprochen. Doch was geschieht mit den Einwohnern?
Unsere Bürger stehen ganz klar im Mittelpunkt unseres Handelns. Für sie soll ja alles geschehen, für ihre Wohn- und Lebensbedingungen, ihre Zufriedenheit. Dafür, dass sie gern in unserer Gemeinde leben. Neben der weiteren Gestaltung des Umfeldes geht es auch darum, für alle Generationen einen Platz zum Wohlfühlen zu schaffen. Über Spielplätze haben wir schon gesprochen. Aber wir denken auch ans Älterwerden. Wir haben eine Pflegestudie erstellt um den Bedarf an Pflege in unserer Gemeinde festzustellen. Unser Schwerpunkt ist der Ausbau der ambulanten Pflege, damit jeder so lange wie möglich in seiner gewohnten Umgebung bleiben kann. Im Rahmen eines gemeinsamen „Pflegetisches“ wollen wir regelmäßig die anstehenden Probleme gemeinsam mit den Anbietern in diesem Bereich in der Gemeinde diskutieren. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich auch freiwillige Helfer finden, die sich um die Betreuung von Kindern, aber auch Senioren kümmern. Unsere Ehrenamtsagentur, die EWA, unterstützt uns auf diesem Weg.

Sie hatten ja schon angekündigt, erneut als Bürgermeisterin zu kandidieren. Dürfen wir erfahren, was Sie dazu bewegt hat?
Wir haben uns in den vergangenen Jahren gut entwickelt und konnten viele Dinge zur Verbesserung unserer Lebensbedingungen erreichen. Aber es gibt noch viel zu tun. Was ist mir dabei besonders wichtig? Unsere Dorfstrukturen zu erhalten - die Gemeinde soll nicht verstädtern, der Erhalt des grünen Charakters unserer Ortsteile, die Schaffung eines 30-Minuten-Taktes der Heidekrautbahn und regelmäßiger Busverbindungen in die kleinen Ortsteile, bezahlbares Wohnen in der Gemeinde, Fahrradwege, Verhinderung von weiteren Windrädern und ein Mehr an Miteinander und Gemeinsamkeit in unserer Gemeinde.

Frau Radant, vielen Dank für das interessante und informative Gespräch. Für Ihre Vorhaben drücken wir Ihnen die Daumen.
Das Gespräch führte Horst Schumann
Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 9. Juni 2019 )
 
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