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Karl Jünemann (1881-1945) (Nr. 10) PDF Drucken
Karl Jünemann (1881-1945)
Gemeindevorsteher von 1910-1933

In Frack und Zylinder stellte sich 1910 ein junger Mann aus Berlin den Wandlitzer Gemeindevertretern vor: Karl Jünemann. Er war einer von 167
Bewerbern um den Posten des ersten hauptamtlichen Gemeindevorstehers von Wandlitz. Jünemann wurde gewählt und trat am 1. November 1910 sein Amt an. Bis 1933 übte er es ununterbrochen aus.
Der Wandlitzer Ortschronist Walter Blankenburg schrieb über die Ergebnisse dieser Tätigkeit: „Jünemann hat in weiser Voraussicht und abwägender kaufmännischer Klugheit trotz mancher Widerstände Wandlitz zum Erholungs- und Badeort vor den Toren Berlins gemacht."
Karl Jünemann hatte sich mit Feuereifer in die Arbeit gestürzt. In einem Lebenslauf, verfasst nach Ende des Ersten Weltkrieges, schrieb er: „In Kürze gelang es mir, den in großem Umfang ausgebrochenen kommunalen Zwist zwischen Alteingesessenen und Ansiedlern zu beseitigen und eine große Anzahl dringender kommunaler Aufgaben zu lösen." Das wurde anerkannt, auch über Wandlitz hinaus. 1917 erhielt er das Verdienstkreuz für Kriegshilfe verliehen.
Die Zähigkeit, mit der Jünemann seine Ziele verfolgte, ist erstaunlich. Widerstände gab es genug, Kompromisse schienen nicht seine Sache gewesen zu sein. Er war besessen von der Idee, den schönen Erdenfleck zwischen Wandlitzsee und Liepnitzsee umzugestalten. Das Geld reichte nie aus. Jünemann war unermüdlich beim Erschließen von Geldquellen. Eine Broschüre, die Ende der zwanziger Jahre erschien, gibt einen Einblick in die Situation. Man kann sich wohl denken, dass Jünemann der Kampf, den er um die Entwicklung des Ortes geführt hat, nicht immer leicht geworden ist. 37,50 Mark Reinertrag brachte Jahr für Jahr eine alte Kirschallee, die heute eine Hauptvillenstraße des Ortes geworden ist. Wie stark tobte der Sturm, als damals die alten, verkrüppelten Kirschbäume dem modernen Bau der Villenstraße weichen mussten. Und so ist das unzählige Male gewesen. Aber heute ist das alles verstummt, man freut sich der Entwicklung des Ortes ... Er hätte aber auch nicht diesen so schweren Kampf siegreich zu Ende führen können, wenn ihm nicht Helfer in der Gemeinde tapfer zur Seite gestanden hätten.
Die Spuren des Wirkens von Jünemann prägen noch heute das Bild von Wandlitz. Es ist manches aufzuzählen: Die Spitzpappeln, die Birken, das Straßenpflaster, der Bahnhof Wandlitzsee, die Post, das Strandbad, die Volksschule, das Feuerwehrdepot mit einem modernen Überlandlöschzug, die Kapelle auf dem Friedhof, der Sportplatz und vieles andere. Kennzeichnend für sein Drängen und weitsichtiges Agieren ist eine Denkschrift, die er 1924 verfasste und die die Einrichtung eines Triebwagenverkehrs Berlin-Wandlitzsee zum Ziel hatte. Sie schließt mit diesen Sätzen: „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg, und dies altbewährte Sprichwort muss im Zeichen des deutschen Wiederaufbaus auch ein Grundpfeiler für das vorstehende, der Allgemeinheit zugute kommende Werk sein und bleiben. Also auf zur Tat! Weg mit den den Fortschritt lähmenden Meinungsverschiedenheiten und dem üblichen bürokratischen Beiwerk." Dieser Vorstoß Jünemanns und weitere kühne Vorhaben blieben Papier.
Jünemann engagierte sich in der Deutschen Demokratischen Partei (DDP), die für den Erhalt und den Ausbau der parlamentarischen Demokratie eintrat. Die politischen Gegner, voran die Mitglieder der NSDAP in Wandlitz, attackierten Jünemann auf das heftigste. Sein schweres Ohrenleiden verschlimmerte sich. Er resignierte. Im Oktober 1932 stellte er den Antrag auf Pensionierung, der im Januar 1933 von der Gemeindevertretung angenommen wurde.
Nach der Machtübernahme durch Hitler gab es für Jünemann keinen Platz mehr in Wandlitz. Jünemann wurde verhaftet und am 6. Juli 1933 ins Konzentrationslager Sachsenhausen eingeliefert.
Nach seiner Entlassung aus dem KZ am 25. Juli 1933 verließ er mit seiner Familie Wandlitz. Jünemann war gedemütigt, enttäuscht und verbittert. Jünemanns Gesundheit war ruiniert, ein schweres Nervenleiden stellte sich ein. Die Heilanstalt Eberswalde war die letzte Station dieses tapferen, rastlosen Mannes. Dort verstarb er am 21. Januar 1945.
In ihrer Sitzung am 12. Februar 1947 stimmten die Gemeindevertreter von Wandlitz einstimmig dem Beschluss zu, den Dorfplatz in „Jünemann- Platz" umzubenennen. Als 1956 ein selten großer Findling in der Wandlitzer Kiesgrube gefunden wurde, setzte der Wandlitzer Heimatforscher Walter Blankenburg (1901- 1984) alles daran, den Findling transportieren und aufstellen zu lassen. Unter großen Schwierigkeiten wurde der Stein 1958 mit Hilfe von MTS Traktoren transportiert.
Seine endgültige Aufstellung erfolgte erst im Jahre 1962. Bislang fanden nur Eingeweihte Stein und Platz, da beide nicht markiert waren.
Mit der Gedenktafel „Karl Jünemann - Gemeindevorsteher 1910- 1933" setzte nunmehr die Gemeinde Wandlitz Karl Jünemann ein sichtbares Zeichen.
Dr. Claudia Schmid-Rathjen
Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 18. September 2007 )
 
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