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Im Zentrum war das Holz (Nr. 10) PDF Drucken
Im Zentrum war das Holz
Handwerk und Industrie in Klosterfelde

Klosterfelde hat eine lange nachweisbare Tradition des Handwerks und der industriellen Entwicklung. Bereits 1580 wird erwähnt, dass es hier
einen Schmied gab. Später kam ein Müller hinzu. Um 1650 erwarb der Mundkoch des Kurfürsten, ein gewisser Willicke, Land in Klosterfelde.
Aus dem Jahre 1688 liegt ein Hinweis vor, wonach sich Leineweber und Böttcher ansiedelten. Mit den Böttchern war die Grundlage für das holzverarbeitende Gewerbe in Klosterfelde gelegt. Es lieferte bereits damals Fässer in das 30 Kilometer entfernte Berlin. Die Fässer wurden auf Wagen geladen, die von Hunden gezogen wurden. Pferde oder Ochsen konnte sich damals niemand leisten. 1745 gab es in der Nähe von Klosterfelde Teerbrennereien, eine am Forsthaus Lotschesee, die andere am so genannten Menning in Richtung Prenden.
Ende des 18. Jahrhunderts wurden zwei Windmühlen betrieben. Eine befand sich schräg gegenüber der heutigen Gaststätte „Zum tapferen Schneiderlein“ und gehörte einem Liebner. Die Windmühlen existierten bis in die 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts.
Von 1834 bis 1836 wurde die Chaussee von Berlin nach Prenzlau gebaut, die heutige B 109. Damit verbesserten sich die Möglichkeiten des Handels beträchtlich. 1825 betrieb Julius Stein einen Sägewerksbetrieb in Klosterfelde. 1835 wird die Tischlerei von Friedrich Wagner erwähnt. Zusammen mit seinen Söhnen verarbeitete er ausschließlich Kiefern aus der Umgebung. Jeder Baum wurde damals von Hand gefällt, in Bretter und Balken geschnitten und dann weiterverarbeitet. Das war äußerst mühselig. Erst 1891 wurde ein Dampfsägebetrieb errichtet.

Attraktiver Standort für Tischler
Die Chronik verzeichnet im Jahre 1860 für Klosterfelde 14 Böttcher, etliche Tischler und drei Tuchmacher. 30 Jahre später waren es bereits zehn Tischler, fünf Stellmacher, neun Böttcher, drei Holzschuhmacher und sieben Holzhandwerker. Letztere beschäftigten sich vor allem mit der Herstellung von Geräten für die Landwirtschaft, wie Rechen, Dreschflegel usw. Zu dieser Zeit gab es auch erste kleine Betriebe. So soll es eine Zementfabrik gegeben haben. Aber auch eine Kammfabrik und eine Kragennäherei existierten hier. Sicher ist der Begriff „Fabrik“ dabei etwas hoch gegriffen.
In diesen Jahren gab es ein Ereignis, das das Gesicht von Klosterfelde nachhaltig bestimmen sollte. Ein gewisser Louis Bergemann aus Krummensee machte auf seiner Reise nach Templin Rast im Dorfkrug, dem heutigen Gasthaus „Zum tapferen Schneiderlein“. Der Wirt überredete Bergemann, in Klosterfelde zu bleiben und nicht bis in das weite Templin zu reisen.
Bergemann folgte diesem Rat und siedelte sich in Klosterfelde an. Er kaufte Land und stellte zunächst Holzpantinen und andere Holzerzeugnisse her. Außerdem kaufte er Gemüse auf und lieferte dieses nach Berlin. Bergemann war außerordentlich geschäftstüchtig. Nach und nach erwarb er die vielen kleinen Tischlereien und erweiterte sein Unternehmen. Seit 1900 lieferte die Firma Bergemann die ersten Küchen. Durch den Einsatz von Dampfmaschinen Ende des 19. Jahrhunderts und durch die Eisenbahn, die 1901/1902 in Betrieb genommen wurde, erhöhte sich die Produktion rasant. Die Firma Bergemann entwickelte sich ständig weiter. Nach dem Tod von Louis Bergemann übernahmen zwei Söhne den Betrieb. Der dritte Sohn gründete eine eigene Fabrik.

Die Entwicklung nach 1945
1946 wurde die Firma enteignet und verstaatlicht. Man hatte hier Munitionskisten hergestellt und Zwangsarbeiter beschäftigt. Es entstand der VEB Holzverarbeitungswerk Klosterfelde, der vor allem Küchen produzierte, die auch in den Export gingen. Zeitweilig arbeiteten in dem Werk zirka 1.000 Menschen.
Nach der Wende übernahm der ehemalige Direktor Jürgen Gröll die Firma und führte sie als GmbH weiter. Die Geschäfte liefen gut. Gröll starb 1998. Danach ging es mit dem Betrieb bergab. Das lag nicht an den Arbeitern und der Produktion. Missmanagement und Spekulationen brachten im Sommer 2002 das Aus für den über 100-jährigen Betrieb.
Der Industriestandort Klosterfelde ist Geschichte. Dennoch gibt es hier immer noch auffallend viele Tischlereien, Zimmereien, Stellmacher, Holzbauer und Fensterbauer. Insgesamt sind über 70 Handwerker und selbständige Gewerbetreibende in Klosterfelde ansässig. Ihre Zahl schrumpft allerdings zusehends.
Horst Schumann
Nach Informationen von Horst Zehnke
Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 15. Mai 2011 )
 
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