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Nordbahngemeinden mit Courage
In Hohen Neuendorf hat sich ein umfassendes Bündnis gegen Rechts etabliert

Ist der Rechtsextremismus in der Mitte der Gesellschaft angekommen? Rechtsextreme Parteien und Netzwerke versuchen seit einiger
Zeit verstärkt, sich durch populäre Themen, bürgernahe Aktionen und zivileres Auftreten ein neues Image zu geben.
Nicht mehr Springerstiefel, Glatzen, militantes Auftreten, Drohgebärden und Rufe „Ausländer raus“ und das Ziel „national befreiter Zonen“ sind die Markenzeichen der Rechten in der Öffentlichkeit. Man hat gelernt. Die kommenden brandenburgischen Kommunalwahlen im Herbst 2008 sind das operative Ziel.
So sorgen sich mancherorts „Bürgerinitiativen“, die auf den ersten Blick völlig unverdächtig erscheinen, um die Alltagssicherheit in den Kommunen. Ferner laden „Kinder- und Volksfeste“ der NPD zum bunten Treiben ein. Und schließlich bietet rechte „Sozialarbeit“ Hilfestellung beim Ausfüllen komplizierter Formulare.Diese Agitation der Rechtsextremen greift die verbreitete Skepsis gegenüber der Problemlösungskompetenz demokratischer Parteien auf und spricht die Ängste vor Globalisierung, Einwanderung und Sozialabbau an.
In den Jugendszenen vieler Orte ist die von Rechtsextremen angestrebte „alltagskulturelle“ Verankerung längst Realität: Zahlreiche Versandhändler bieten ein breites Angebot discotauglicher Kleidung mit eindeutiger Symbolik an. Gemeinsam mit einem florierenden Musikmarkt liefern sie die Bestandteile einer „Erlebniswelt Rechtsradikalismus“.
Dass dies nicht ohne Erfolg ist, kann am Ausgang der letzten Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern abgelesen werden: Je jünger die Wähler waren, desto eher machten sie ihr Kreuz bei Kandidaten der NPD, der derzeit aggressivsten rechtsextremen Partei in Deutschland.
Dass Ähnliches nicht auch im nächsten Jahr in Brandenburg passiert und wir in den Gemeindevertretungen und Kreistagen ganze Fraktionen der NDP oder DVU zu sitzen haben, gründeten beherzte, besorgte Bürger im Kreis Oberhavel ein Parteiübergreifendes „Bündnis gegen Rechts“.
Es ist, als hätte eine ganze Region der NPD den Kampf angesagt. Mehr als 25 Vereine, Schulen und Parteien aus Hohen Neuendorf haben sich zu einem in seiner Breite erstaunlichen Anti-Rechts-Bündnis zusammengeschlossen. Sein Name: Nordbahngemeinden mit Courage.
Die Ziele des Bündnisses ist es, eine Informationsoffensive zu starten, über Rechtsextremismus aufzuklären und die Menschen vor Ort zu animieren, demokratisch zu wählen. Im Sommer will das Bündnis eine Info-Broschüre über die neue Saubermann-Strategie und regionale Strukturen der Rechtsextremen an die Haushalte in Hohen Neuendorf, Birkenwerder, Velten, Glienicke-Nordbahn und Mühlenbecker Land verteilen.Auch die Gründung einer Jugendabteilung ihrer Initiative wird überlegt. Und schon jetzt werden eifrig Info-Stände in der Stadt zu verschiedenen öffentlichen Anlässen aufgebaut.
Inzwischen hat die Initiative reichlich Zulauf erhalten. Sportvereine, Chöre, Kirchgemeinden, Schulen („Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“), Parteien,Vereine, der Gaststättenverband, die Stadtverwaltungen und die Bürgermeister der einzelnen Gemeinden engagieren sich.
Klaus Flemming, Zühlsdorf
Wer mehr wissen will: www.mit-courage.de 
Letzte Aktualisierung ( Montag, 28. Mai 2007 )
 
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