Startseite arrow Aus dem Umland arrow Ein kurzes Glück (Nr. 14)
Ein kurzes Glück (Nr. 14) PDF Drucken
Für zwei Wochen wurde die Heidekrautbahn im September nach Gesundbrunnen verlängert. Eine dauerhafte Anbindung ist jedoch nicht in Sicht.
Für Nutzer des Schienennahverkehrs bedeutet die Ankündigung von Baumaßnahmen in der Regel nichts Gutes.
Durch Schienenersatz- bzw. Pendelverkehr erhöhen sich die Fahrzeiten oftmals beträchtlich.
Doch Ausnahmen bestätigen die Regel. So haben die Arbeiten an den Signal- und Gleisanlagen auf dem SBahnhof Karow für viele Anrainer der Heidekrautbahn zwischen dem 3. und 21. September sogar zu einer Verbesserung geführt. Für Berufspendler wurden an den Werktagen jeweils vier Zugpaare am Morgen und am Abend bis zum S- und Fernbahnhof Gesundbrunnen verlängert. Die Fahrzeit verkürzte sich dadurch um zehn Minuten, das Umsteigen in Karow entfiel.
Die Initiative für diese Serviceverbesserung war von der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) ausgegangen. Doch sowohl die Deutsche Bahn AG, als auch ihre Tochter S-Bahn GmbH und der Verkehrsverbund Berlin- Brandenburg (VBB) zierten sich wochenlang, eine definitive Zusage zu geben. Für den VBB war laut Auskunft einer Sprecherin „die Kostenfrage noch nicht geklärt“, die S-Bahn verwies auf die DB Netz , welche die Trasse noch nicht freigegeben habe und diese wiederum wollte noch zehn Tage vor dem angekündigten Baubeginn nicht ausschließen, dass die Arbeiten verschoben würden. Geklappt hat es ja schließlich doch noch, und die vielen Berufspendler werden den kurzen Frühling dieser bedarfsgerechten, aber bisher von den Verantwortlichen verhinderten Verkehrsverbindung genossen haben.
Der S-Bahn war die ganze Sache anscheinend nicht so ganz geheuer. Zwar unterrichtete sie ihre Kunden in Berlin über die Baumaßnahmen in Karow, die veränderten Takte und den Schienenersatzverkehr zwischen Buch und Schönerlinde, unterließ aber jeglichen Hinweis auf die nach Gesundbrunnen verlängerten NEBZüge. Das hätte schließlich Begehrlichkeiten wecken können, denn eine dauerhaft verbesserte Anbindung der Heidekrautbahn an das Berliner Verkehrsnetz wäre ein Gebot der (Verkehrs) logik.
Beim VBB ist man da manchmal zu einem offenen Wort bereit. Man habe „kein Interesse, dass sich die Verkehrsträger des VBB gegenseitig kannibalisieren“ und stehe deshalb einer dauerhaften Verlängerung der Heidekraut nach Gesundbrunnen eher skeptisch gegenüber, hieß es auf Anfrage. Schließlich würden einige Kunden dann auf die Nutzung der S-Bahn zwischen Karow und Gesundbrunnen verzichten, was zu einer kleinen Umverteilung der Beförderungsmittel zuungunsten der Bahntochter führen könnte.
Mit der Sache befasste Politiker betonen dagegen ihre „Aufgeschlossenheit“ für das Anliegen. Doch dafür kann man sich nichts kaufen. Der Bau einer für die Verlängerung nach Gesundbrunnen mit Halt in Karow notwendigen Weiche und deren Anschluss an das Signalsystem fällt nämlich in die Zuständigkeit der DB Netz. Und die habe signalisiert, so ein NEB-Sprecher, dass mit einer entsprechenden Investition nicht vor 2010 zu rechnen sei. Die NEB wird also noch mindestens ein paar Jahre das „Privileg“ behalten, als einzige Regionalbahn des VBB keinen Bahnhof mit Umsteigemöglichkeiten in andere Regional- oder Fernbahnlinien anzusteuern. Und die vielen Pendler und Wochenendbesucher in der Region dürfen auch weiterhin unnötig lange Fahrzeiten und einen gemütlichen Zwischenstopp in Karow genießen.
Rainer Balcerowiak
Letzte Aktualisierung ( Freitag, 5. Oktober 2007 )
 
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