Museum oder Ruine? (Nr. 20) PDF Drucken
Was wird aus dem ehemaligen Bunker?
Am 2. August 2008: Auf der schmalen Asphaltstraße, die am Sportplatz beginnt, parken unzählige Autos. Wir fahren vorbei an den ehemaligen Kasernenunterkünften. Ein Tor, ein Posten. „Wir sind vom Heidekraut Journal“, und dürfen passieren. Nach wenigen Metern geht es rechts in den Wald. 
Garagen stehen dort, demoliert. Überall liegen Betonteile herum. Alles ist zugeparkt. Hinten ein paar Toilettenhäuschen. Dann geht es nach Links, ein bescheidener Imbissstand mit Zeltplane will Besucher locken. Überall gibt es Absperrungen. Man hat eine Schneise in den Wald geschlagen, um irgendwo weiter vorn durch ein extra geschaffenes Loch ans Ziel der Begierde zu kommen, dem Bunker in Prenden.
Bereits am ersten Tag kamen 400 Interessierte, die in mehreren Gruppen das geheimnisvolle Objekt besichtigen durften. Am darauf folgenden Sonntag kamen noch einmal so viele Menschen aus allen Teilen der Republik. An beiden Tagen nahmen die Veranstalter 20.000 Euro an Eintrittsgeldern ein. Auch in den Folgetagen riss der Strom der Besucher nicht ab, wenn es auch weniger wurden. Eine lohnende Sache also. Lohnend für den Verein Berliner Bunker Netzwerk (BBN), der sich beim Berliner Senat das Recht gesichert hatte, den Bunker zu öffnen und für Besucher zugänglich zu machen. Fernsehen und Presse sorgten für die nötige Publicity, und so erfuhr auch der Letzte in diesem Land von diesem grandiosen Ereignis.
Der Bunker in Prenden war nach einer fünfjährigen Bauzeit 1983 eingeweiht worden. Er war unter der Bezeichnung „Objekt 5001“ als Führungsstelle des Nationalen Verteidigungsrates der DDR für den Fall eines militärischen Konfliktes erbaut worden. Das war im Kalten Krieg zwischen zwei großen Militärblöcken. Der Einsatz von Atomwaffen war nicht nur ein Planspiel, sondern reale Gefahr. Genutzt wurde diese Einrichtung jedoch nie. Aber es war natürlich nötig, sie ständig in Einsatzbereitschaft zu halten. Dafür sorgten etwa 450 Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit, die für diese Aufgaben eingesetzt wurden. Die Existenz des Bunkers, seine Funktion und alle damit verbundenen Aktivitäten unterlagen strengster Geheimhaltung. Bis zur Wende 1990 wusste die damalige gegnerische Seite von der Existenz der Anlage nichts. 1989 und 1990 wurden die meisten Dienststellen des MfS abgewickelt und die Mitarbeiter sich selbst überlassen, ein Schicksal, das in der Folgezeit noch viele ehemalige DDR-Bürger ereilte.
Der Bunker jedoch wurde weiter betrieben. Die Bundeswehr hatte nunmehr die Hoheit darüber. Aber auf zahlreiche Spezialisten konnte man nicht verzichten. Und so blieben etliche ehemalige Mitarbeiter des MfS bis Mai 1993 dort weiterhin tätig. Dann folgte die Schließung der Anlage, die Zugänge wurden zugemauert. Nach dem Verzicht des Bundes auf die Anlage fiel das Ganze wieder Berlin zu, dem auch das dortige Waldgebiet gehört. Niemand, außer ein paar Schrottdieben, hat das Objekt je wieder betreten. Bis zum 2. August diesen Jahres.
Es mangelte nicht an Versuchen, diesen Bunker als Erinnerungsstätte zu erhalten. Siegfried Rose, der letzte Kommandant der Anlage, und weitere Interessierte haben mehrere Anträge, Vorschläge und Konzepte eingereicht. Auch Paul Bergner, profunder Kenner der Materie, bot seine Mitarbeit wiederholt an. Beim Senat stießen sie jedoch auf taube Ohren. Begründungen für die Ablehnung gab es viele: zu teuer, die Waldesruhe sei in Gefahr usw. Beim Pendant zum Prendener Bunker, dem ehemaligen Führungsbunker der Bundesregierung in Marienthal im Ahrtal, lief das ganz anders. Mit zwei Millionen Euro unterstützte der Bund die Einrichtung eines Museums, das jedermann besichtigen kann.
Der Bunker in Prenden soll Ende Oktober für immer geschlossen werden. Der große Besucherandrang seit der Öffnung zeigt, dass durchaus Interesse besteht, sich diese Anlage auch künftig anzusehen. Das sollte aber sach- und fachgerecht erfolgen. Bislang wird durch den Berliner Verein nur Sensationslust befriedigt. Die selbsternannten Erklärer haben von vielen Fakten und Details schlicht keine Ahnung.
Die Einrichtung eines Museums des kalten Krieges unter Nutzung des Prendener Bunkers, der zu seiner Zeit einer der modernsten auf dem Gebiet des Warschauer Paktes war, würde eine Belebung des Tourismus bewirken. Bereits jetzt freuen sich die Gastwirte über mehr Gäste, die nach dem Besuch der Einrichtung hier essen und übernachten. Die Betreibung einer solchen Einrichtung sollte man aber denen übertragen, die über die erforderliche Sachkenntnis verfügen. So könnten übrigens auch Arbeitsplätze entstehen.
Noch ist der Bunker zugänglich, noch könnte man eine endgültige Schließung verhindern.
Hagen Stolze
Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 2. Oktober 2014 )
 
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