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Persönlichkeiten: Friedrich Wolff (Nr. 24) PDF Drucken
f._wolff1Friedrich Wolff – 56 Jahre Anwalt in Ost und West 1922 geboren, vollendet Friedrich Wolff in Kürze sein 87. Lebensjahr. Viele Wandlitzer, überhaupt viele Ostdeutsche, kennen Friedrich Wolff, z.B. aus seiner Sendereihe „Alles was Recht ist“, die seinerzeit vom DDR-Fernsehen ausgestrahlt wurde.
Friedrich Wolff ist Halbjude und Sozialist. Als Halbjude wurde er von den Nazis gemaßregelt. Er wurde für unwürdig erachtet, in der Wehrmacht zu dienen und musste sich bis 1945 als Munitionsarbeiter durchschlagen. 1945 trat er der KPD bei und gehört seit der Parteivereinigung im April 1946 der SED, später und bis heute ihren Nachfolgeparteien an.
Manchmal war er der jeweiligen Obrigkeit missliebig: vor 1945 als Nichtarier, nach 1990 als Sozialist, der mit scharfem Verstand die Methoden enthüllte, mit denen eine überwiegend rechtslastige, antisozialistische BRD-Justiz versuchte, die DDR zum Unrechtsstaat umzudeklarieren. Nach seinem Studium an der Humboldt-Universität Berlin (1946 bis 1949) war er Amtsrichter und Referent, ab 1953 Rechtsanwalt, der sein erstes Mandat nach dem 17. Juni 1953 als Pflichtverteidiger eines Beteiligten ausübte. 1983 promovierte er zum Dr. jur. In zahlreichen politischen Prozessen wirkte er als Verteidiger mit, darunter bei Walter Janka, Günther Guillaume, Erich Honecker, Hans Modrow, Werner Großmann, Fritz Streletz u.a. Lange Zeit war er Vorsitzender des Berliner Anwaltskollegiums, über viele Jahre Vorsitzender des Rates der Kollegien der Rechtsanwälte der DDR. Er veröffentlichte mehrere viel beachtete Bücher. Wolff urteilt: „Jede staatliche Exekutive findet Mittel und Wege, der angeblich unabhängigen Judikative ihren politischen Willen aufzuzwingen. Das war auch in der DDR so. Der Unterschied besteht nur darin, dass die DDR ihre neue Gesellschaftsordnung bei Strafe ihres Untergangs schützen musste, während es in der Alt-BRD darum ging, ihre durch Nazis und Krieg diskreditierte Gesellschaftsordnung neu abzustützen. In ihren Wesenszügen ist Justiz daher stets politisch.“
Um seine These zu untermauern, dass die Delegitimierung der DDR gescheitert ist, greift Friedrich Wolff auch zur Statistik. Zusammengefasst schlussfolgert er: In den vier Hauptfeldern der strafrechtlichen „Abrechnung mit der DDR“ (Grenze/363 Anklagen, Rechtsbeugung/400, Wahlfälschung/127, MfS/143) kam es bei der gewaltigen Zahl von über 100.000 Ermittlungsverfahren zu 1.033 Anklagen und zu 237 Verurteilungen, darunter beim MfS 143 Anklagen und 20 Verurteilungen, ohne Spionage. Tod in der Zelle oder Erfrieren lassen oder andere staatlich zu verantwortende Schwerkriminalität, die in der BRD bekannt wurden, finden sich überhaupt nicht.*
Die Wertung solcher Zahlen im Promille-Bereich mag zum Ergebnis kommen, dass der DDR, in Sonderheit dem MfS, hier sicher ungewollt ein Persilschein ausgestellt wird. Ob der „Rechtsstaat“ Bundesrepublik bei gleichen Maßstäben besser abschnitte, wenn vergleichbare Zahlen bekannt gegeben würden, fragt der erfahrene Jurist?
Friedrich Wolff, der seine Datsche seit 1973 in Stolzenhagen hat und seit 1990 dort fest wohnt, ist ein weithin bekannter und respektierter Bürger von Wandlitz.
Herbert Willner

* Zahlenangaben beruhen auf Untersuchungen der Professoren K. Marxen und G. Werle bzw. Generalstaatsanwalt Schaefgen, alle Berlin.
Letzte Aktualisierung ( Freitag, 5. Juni 2009 )
 
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