Startseite arrow Aus dem Umland arrow Kalter Krieg zum Begreifen (Nr. 25)
Kalter Krieg zum Begreifen (Nr. 25) PDF Drucken
„Objekte 5005“ und „7001“ zu besichtigen/ NVA-Fahrzeugschau
Buchautor und Bunkerkenner Paul Bergner aus Basdorf wird vom 19. bis 21. September Interessierten aus Nah und Fern im Zusammenwirken mit den Firmen „Bio-Power“ und „Gewerbeförderung Freudenberg AG“ die zwei ehemaligen Führungsbunker aus der Zeit des Kalten Krieges vorstellen.
Es handelt sich um den Führungsbunker des Ministers für Staatssicherheit der DDR, Erich Mielke, bei Biesenthal und den Führungsbunker des Ministers des Innern der DDR, Friedrich Dickel, bei Freudenberg.
Die Bauwerke sind nur zu folgenden Terminen zugänglich:
• Bunker 5005 „MfS-Bunker“ bei Biesenthal (Gelände Bio-Power an der Landstraße nach Sophienstädt, kurz vor der Autobahnunterführung links, ist ausgeschildert) am 19. und 20. September jeweils zwischen 8 und 16 Uhr (Beginn der Besichtigung), Dauer zirka eine Stunde im Bauwerk mit vorheriger Einweisung in die Geschichte.
• Bunker 7001 „MdI-Bunker“ bei Freudenberg, (Ortsmitte Richtung „Gewerbeförderungsgebiet“, ausgeschildert) am 21. September jeweils zwischen 8 und 16 Uhr (Beginn der Besichtigung), Dauer zirka eine Stunde im Bauwerk, nach etwa 20 Minuten Einweisung. Endgültige Termine und Bedingungen sind verbindlich unter der Web-Seite „ddr-bunker.de“ nachlesbar. Nur die dort dokumentierten Daten werden vom Veranstalter als verbindlich anerkannt.
Neben der Bunkertour wird es voraussichtlich am Bunker 5005 die Möglichkeit geben, diverse NVA-Technik zu besichtigen und eventuell auch an Fahrten mit einem Kettenfahrzeug der NVA teilzunehmen.
Vor Ort gibt es auch einen Buchverkauf: „Delphin“, „Filigran“, „Die Waldsiedlung“ sowie diverse weitere Titel.
Eine Gulaschkanone mit Imbiss ist ebenfalls vorhanden.
Kostenbeitrag für Öffnung, Sicherung, Beleuchtung und Verschluss sowie allgemeine Betreiberkosten: 14 Euro für Biesenthal und zehn für Freudenberg. Einwohner des Amtes Biesenthal erhalten bei Vorlage der Ausweise einen Euro Nachlass.
 
Im Vorfeld der Bunkertouren unterhielten wir uns mit Paul Bergner, international anerkannter Autor mehrerer Bücher und Broschüren, Fachberater verschiedener Filme zur Thematik.

Herr Bergner, die bisher angebotenen Touren durch die unterirdischen Wände des Kalten Krieges haben viele Einheimische und zahlreiche Besucher aus der ganzen Bundesrepublik und aus bis jetzt acht weiteren Staaten wahrgenommen. Sie engagieren sich sehr umfangreich, den Menschen ein Stück neuerer Geschichte in Mitteleuropa zu erläutern. Was empfinden Sie dabei?

Es macht mich auf der einen Seite sehr froh, dass sich 20 Jahre nach dem Mauerfall immer noch zahlreiche Menschen für die deutsch-deutsche Vergangenheit interessieren und sich von der ganz besonderen Atmosphäre dieser unterirdischen Bauwerke einfangen lassen. Andererseits bin ich zutiefst enttäuscht und frustriert über die Art und Weise, wie seitens der zuständigen Behörden in Berlin und Brandenburg mit diesem historischen Erbe umgegangen wird. Bei entsprechender Bereitschaft und Unterstützung wäre hier im unmittelbaren Umland von Berlin ein historischer Pfad entstanden, der vor allem jungen Menschen das Verstehen der deutschen Geschichte durch „Begreifen“ ermöglicht hätte.

Sie haben die deutsch-deutsche Teilung als Offizier der bewaffneten Organe der DDR, wie es damals hieß, selbst miterlebt. Heute hat man den Eindruck, dass weder die Bauwerke von damals noch die Menschen von damals ein Forum haben, um über diese Zeiten und die darin eingebetteten Schicksale zu erzählen….
Es ist in der Tat sehr schwierig, hier eine Plattform dafür zu finden. Die jüngere deutsche Geschichte findet leider in den Lehrbüchern und Medien fast nur in schwarz-weißer Abstraktion statt. Während der ehemalige Regierungsbunker der früheren BRD in Ahrweiler zumindest teilweise unter Denkmalschutz gestellt wurde, innerhalb von 15 Monaten über 100.000 Besucher verzeichnete und jüngst den höchsten europäischen Denkmalpreis erhielt, wird hier in Brandenburg in das DDR-Gegenstück in Prenden mit fadenscheinigen Argumenten Beton gekippt. Man fragt sich, ob die heutigen Betonköpfe die früheren nicht noch übertreffen.

Herr Bergner, Sie könnten sich in ihrem Alter ja zurücklehnen und das Rentnerdasein genießen. Sie aber engagieren sich für die Dinge, die manch Außenstehenden als sinnlos erscheinen mögen…
Ja, ich bin nicht bereit, die einseitige Betrachtung der DDR-Geschichte so hinzunehmen, wie sie derzeit stattfindet. Und die jüngsten Umfragen entsprechender Meinungsforschungsinstitute bestätigen mich darin. Der Kalte Krieg fand auf beiden Seiten der deutsch-deutschen Grenze statt. Und wenn heute ehemalige hohe britische und amerikanische Geheimdienstoffiziere sich bei mir für die faire Darstellung der entsprechenden Aktivitäten auf beiden Seiten bedanken und wir gemeinsam darauf anstoßen, dass aus dem kalten nie ein heißer Krieg wurde, dann halte ich das für ein Vermächtnis derjenigen, die diese Zeiten aktiv miterlebt und teilweise mitgestaltet haben, an die heutige Jugend – ungeachtet des teilweise obskuren Denkens in Amtsstuben und Redaktionen.
Das Gespräch führte Hans-Jürgen Herget
Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 30. Juli 2009 )
 
< zurück   weiter >
Valid XHTML & CSS - Design by ah-68 - Copyright © 2007 by Firma