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Persönlichkeiten: Dr. Ursula Winnington (Nr. 28) PDF Drucken
ursula-winningtonSie fühlt sich als echte Wandlitzerin. Seit 1963 lebte und arbeitete sie vorwiegend nur in den Sommermonaten in ihrem Grundstück direkt am Rahmersee. Im Laufe der Jahre hat sie jedoch zusammen mit ihrem Mann das kleine alte Fachwerkhäuschen aus- und umgebaut. 2005 hat sie dann ihre große Stadtwohnung am Strausberger Platz ganz aufgegeben und in Wandlitz ihren Hauptwohnsitz genommen.
Ursula Winnington stammt aus Mecklenburg-Vorpommern. Eigentlich wollte sie Innenarchitektin werden, aber in den schwierigen Nachkriegsjahren ist ihr das nicht gelungen. Sie hat daher Landwirtschaft studiert und promovierte sogar zum Dr agr. In der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR in Berlin baute sie das „Landwirtschaftliche Zentralblatt“ auf, das sie viele Jahre als Chefredakteurin leitete. Danach machte sie sich als freischaffende Journalistin einen Namen. Sie war unter anderem die erste Quizmeisterin für die von der Landwirtschaftsredaktion des DDR-Fernsehens ausgestrahlte Sendung „Gewusst und Gewonnen“. Viele Jahre arbeitete sie vorwiegend für die Zeitschriften „Sybille“ und „Guter Rat“ und schrieb darin regelmäßig Kolumnen zu den Themen Essen und Trinken. Einer noch breiteren Leserschaft bekannt wurde sie jedoch durch ihre monatlichen Beiträge für das „Magazin“, das in der DDR als Bückware gehandelt wurde. Unter dem verheißungsvollen Titel „Liebe, Phantasie, und Kochkunst“ brachte Ursula Winnington 15 Jahre lang die internationale Küche in die heimischen Kochtöpfe. Ihre „rosa“ Seiten waren so begehrt, das sie in den öffentlich ausliegenden Magazinen, wie in Arztpraxen oder Friseursalons, meistens herausgerissen wurden. Die Beliebtheit ihrer Seiten basierte nicht nur auf den interessanten und nachkochbaren Rezepten, sondern auch auf ihren spritzigen Feuilletons und sicherlich auch den augenzwinkernden Hinweisen auf die aphrodisische Wirkung der verwendeten Zutaten und Gewürze. Unzählige Kochlustige, die Winningtons Rezepte nachkochten, wurden daher schon damals mit vielen neuen, fremdländischen Küchen vertraut. 1998 sind diese begehrten Seiten, die 15 Jahre DDR-Kochkunst widerspiegeln, als Buch unter dem Titel „Liebe, Phantasie und Kochkunst“ im Klatschmohn-Verlag erschienen.
Viele der Rezepte brachte sie von ihren Reisen aus Indien, Korea, Großbritannien, Frankreich oder Italien mit, später auch aus China und anderen Ländern. Das heute allseits bekannte und beliebte Chutney hat sie zum Beispiel unter anderem von ihrer indischen Reise mit nach Hause gebracht und erstmals im „Guten Rat“ in zahlreichen Variationen veröffentlicht. Ob Ihre Rezepte tatsächlich eine aphrodisische Wirkung haben? Das muss jeder selbst ausprobieren, aber glauben sollte man daran schon.
Ursula Winnington war dreimal verheiratet: mit Hans Wittbrodt, dem Vater ihrer beiden Kinder, danach mit dem Engländer Alan Winnington und nach dessen Tod im Jahre 1983 erneut mit Hans Wittbrodt. Es war wohl vor allem Winnington, der ihr Leben nachhaltig prägte. Er war einer der charismatischsten und bedeutendsten englischen Journalisten des 20. Jahrhunderts. Anfänglich arbeitete er für den „Daily Worker“, der Zeitung der Kommunistischen Partei Großbritanniens. 1948 ging er als Sonderkorrespondent nach China und begleitete die Chinesische Volksarmee beim Einmarsch in Beijing. Während des Koreakrieges 1950-1953 berichtete er als Kriegsberichterstatter über die Kämpfe an der Nordkoreanischen und Chinesischen Front und über die Gräueltaten an der Bevölkerung. Diese und andere journalistische Aktivitäten führten dazu, dass ihm die britische Regierung 1954 die Verlängerung seines britischen Passes verweigerte. 1960 kam er in die DDR und lernte bald darauf auch Ursula Wittbrodt kennen. Als sein britischer Pass 1968 nach 18 Jahren endlich erneuert wurde, heirateten die beiden. Alan Winnington hat zahlreiche Bücher geschrieben. Darunter zwei umfassende anthropologische Studien über „Tibet“ und „Slaves of the cool mountains“. Sein Tibetbuch wurde übrigens im vergangenen Jahr im Verlag „Das Neue Berlin“ neu aufgelegt. Er veröffentlichte auch zahlreiche Romane und viel beachtete „Krimis“ und sogar ein Kinderbuch, „Silberhuf“. Ursula Winnington ist jetzt mit der Vorbereitung einer Gedenkveranstaltung anlässlich seines hundertsten Geburtstages am 16. März beschäftigt.
Von Ursula Winnington sind zahlreiche Bücher erschienen, die sich allesamt mit der Kochkunst, dem Genuss des Essens und der Erotik befassen. Zu ihrem 80sten Geburtstag erschien ihr vorerst letztes Buch: „Liebe, Lust und Leckereien“ mit dem ermunternden Untertitel - Die schönsten Liebesmenüs (für alle von 19-99!) Ob sie nun tatsächlich mit dem Schreiben aufhöre, frage ich sie. Sie lächelt, da wolle sie sich nicht festlegen.
Horst Schumann
Eine kleine Buchauswahl
Köchelei fürs Paradies ISBN 978-3-933574-08-4
Liebe, Phantasie und Kochkunst ISBN 978-3-933574-22-6
Liebe, Lust und Leckereien ISBN 978-3-933574-14-5
Aphrodites Gaben ISBN 978-3-933574-07-7
Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 4. Februar 2010 )
 
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